Flughafenstreit : Schönefeld-Gegner verlieren den Motor

Ferdi Breidbach war sieben Jahre lang Chef des Vereins gegen den Flughafenausbau in Schönefeld. Der Widerstand trug vor allem seine Handschrifft. Jetzt hört er auf.

Claus-Dieter Steyer

Diedersdorf - Der Widerstand gegen den künftigen Großflughafen in Schönefeld trug bislang vor allem die Handschrift eines Mannes: Ferdi Breidbach. In unzähligen Bürgerversammlungen, Fernsehdiskussionen, Gerichtsverhandlungen, auf Kundgebungen und Demonstrationen gab er die Richtung vor. Er organisierte hochkarätige Gutachter und Rechtsanwälte, bot den wechselnden Regierungen auf Bundes- und Landesebene die Stirn und machte den Anwohnern immer wieder Mut, für ihre Interessen zu kämpfen. Nach sieben Jahren tritt der 69-jährige Breidbach nun zum 1. Oktober von der Führung des Bürgervereins Brandenburg- Berlin (BVBB) mit derzeit 4000 Mitgliedern zurück. Eine Krankheit zwinge ihn zu einer Operation, die danach eine mehrwöchige Ruhephase verlange. „Gerade jetzt aber beginnt die nächste heiße Phase im Kampf gegen die Pläne der Flughafenbetreiber“, sagte Breidbach. Ein Nachfolger solle rasch bestimmt werden.

Mit der „heißen Phase“ meint der streitbare Ex-CDU-Bundestagsabgeordnete den Kampf gegen einen Nachtflugverkehr in Schönefeld. Das Bundesverwaltungsgericht hatte im März 2006 in seiner grundsätzlichen Ablehnung der Klage der Ausbaugegner Flüge zwischen 0 Uhr und 5 Uhr verboten und für die Zeit zwischen 22 Uhr und Mitternacht sowie von 5 bis 6 Uhr einen Nachweis für die „wirtschaftliche Unabdingbarkeit“ solcher Flugbewegungen verlangt. Die Flughafengesellschaft gab daraufhin mehrere Gutachten in Auftrag, die zu einem neuen Antrag für Flüge in dem sensiblen Zeitraum führten. Diese Unterlagen sollen nach den Herbstferien ausgelegt werden. „Wir werden wieder zahlreiche Einwände dagegen organisieren und notfalls gegen den Beschluss zum Nachtflugbetrieb klagen“, zeigt sich Ferdi Breidbach weiter kämpferisch.

Gerade das erzwungene Flug- und Landeverbot in den Nachtstunden ist für den in Diedersdorf und damit in der Einflugschneise wohnenden Pensionär der wichtigste Erfolg des Bürgervereins. „Den Standort Schönefeld konnten wir leider nicht verhindern. Aber der Willkür von Politikern gerade aus Berlin und Brandenburg haben wir doch Grenzen gesetzt“, sagt Breidbach im Rückblick. „Die Befindlichkeiten der Betroffenen des Flugbetriebes spielten bei den Entscheidungen der Politiker keine Rolle.“

Von seiner Terrasse aus kann er die dröhnenden Maschinen beim Starten und Landen nicht nur hören, sondern auch sehen. Das war schon 1994 so, als sich der aus Duisburg stammende Breidbach mit seiner Frau in Diedersdorf nahe Schönefeld ein Haus kaufte. Er vertraute auf das Raumordnungsverfahren, das Schönefeld wegen der dichten Bebauung als Flughafenstandort für ungeeignet eingestuft hatte. Stattdessen sollte der Großflughafen in Sperenberg gebaut werden. Als sich der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen und der damalige Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (beide CDU) darüber hinweg setzten, verließ Breidbach aus Protest die Union.

Bis heute sieht er für Schönefeld keine rosigen Perspektiven. „Da wird ein Regionalflughafen mit internationalen Flügen gebaut“, sagt er abfällig. Der Steuerzahler werde noch lange für das Defizit aufkommen müssen. Trotz seines Rücktritts sieht er den Widerstand gegen die Flughafenpläne nicht geschwächt. „Die Flughafengesellschaft und die hinter ihr stehenden Politiker brauchen sich nicht zu freuen“, sagt er mit fester Stimme. „Ich hinterlasse ein schlagkräftiges Netzwerk.“

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