Flugroutenplanung : Bürgerinitiative: Fluglotsen wollen sich Arbeit erleichtern

Die Bürgerinitiative "Keine Flugrouten über Berlin" wirft der Flugsicherung vor, bei der Routenwahl eigene Interessen in den Vordergrund gestellt zu haben. Die Beschuldigten dementieren das.

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Lautstark. Beim Thema Flugrouten haben viele Bürger bewiesen, dass sie mitreden wollen.Weitere Bilder anzeigen
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13.01.2012 21:01Lautstark. Beim Thema Flugrouten haben viele Bürger bewiesen, dass sie mitreden wollen.

Schönefeld/Berlin – Die Bürgerinitiative „Keine Flugrouten über Berlin“ hat die Flugsicherung jetzt aufgefordert, alle untersuchten Routenvarianten zu veröffentlichen. Die Flugsicherung hatte im Vorfeld zwei Modelle untersucht, aber nur die Routen für das bevorzugte Modell veröffentlicht, bei denen die Flugkorridore näher an Berlin rücken und in Brandenburg Kommunen überflogen werden, die bisher als „überflugsfrei“ galten.

Die Bürgerinitiative wirft der Flugsicherung vor, bei der Routenwahl eigene Interessen in den Vordergrund gestellt zu haben, was die Flugsicherung dementiert. Bei der Auswahlbegründung für ihr Modell heißt es allerdings unter anderem, Vorteile seien die geringere Arbeitslast der Fluglotsen, die einfacheren Koordinationseinheiten und die geringere Spitzenbelastung in einzelnen Sektoren. Die Belastung der Lotsen sei damit geringer als bei dem verworfenen Modell, das sich am Verfahren von München orientiert, folgert die Bürgerinitiative.

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Sie bezweifelt auch, dass die Flugsicherung ausschließlich die Sicherheit und die Wirtschaftlichkeit an die Spitze ihrer Überlegungen gestellt habe. Denn das verworfene Modell hat, wie die Flugsicherung selbst mitgeteilt hat, weniger Kreuzungspunkte zwischen an- und abfliegenden Maschinen als die jetzt gewählte Variante, was die Sicherheit erhöhe, wie ein Pilot sagt. Außerdem sind bei dem abgelehnten Modell die Flugwege kürzer, was den Fluggesellschaften entgegenkäme.

Die Routen müssten „ökonomisch und umweltverträglich“ ausgewählt werden, sagte der Berliner Lufthansachef Thomas Kropp dem Tagesspiegel. Die Fluggesellschaften würden aber selbstverständlich die Kurse fliegen, die festgelegt werden.

Beide Modelle seien unter realen Bedingungen auf ihre Praxistauglichkeit überprüft worden, heißt es bei der Flugsicherung. Dabei habe sich gezeigt, dass das ausgewählte Modell hinsichtlich Fluglärm das günstigere sei. Allerdings soll die Flugsicherung, wie berichtet, bei ihren Berechnungen auf veraltetes Kartenmaterial zurückgegriffen haben, so dass die Zahl der Lärmbetroffenen möglicherweise nicht richtig ermittelt worden ist.

Die Bürgerinitiative nimmt ferner an, dass die von der Flugsicherung mitgeteilten Flughöhen nicht stimmen und in der Praxis erheblich geringer sein werden. Nach Angaben der Flugsicherung sollen die Maschinen etwa über Wannsee durchschnittlich 2400 Meter hoch sein. Ein Airbus A 340, der nur verhältnismäßig langsam steigen kann, könne diese Höhe in Wannsee noch nicht erreicht haben, sagen Piloten. Und dieses Modell werde künftig verstärkt eingesetzt. Dagegen kann das weltweit größte Flugzeug, der Airbus A 380, schneller steigen.

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