Gelbe Gefahr : Erneut schwerer Unfall zwischen Auto und Tram

Wieder ist eine Autofahrerin schwer verletzt worden, nachdem sie eine Straßenbahn übersehen hatte. Bei Fußgängern scheint die BVG-Sicherheitskampagne zu wirken.

Stefan Jacobs/Klaus Kurpjuweit
Achtung, Tram. Mit einer Kampagne will die BVG Unfälle vermeiden. Foto: KKH
Achtung, Tram. Mit einer Kampagne will die BVG Unfälle vermeiden. Foto: KKH

Die Frau wurde beim Zusammenstoß im Auto eingeklemmt. Die 70-jährige Renault-Fahrerin bog am Montagnachmittag von der Landsberger Allee nach links in Richtung Ebertystraße ab, ohne auf die parallel fahrende Tram zu achten. Die Frau wurde schwer am Rücken verletzt, ihr 72 Jahre alter Mann auf dem Beifahrersitz erlitt einen schweren Schock. Der 50-jährige Tramfahrer zog sich leichte Schnittverletzungen an der Hand zu, die Fahrgäste blieben unverletzt. Die Landsberger Allee war mehr als eine Stunde lang voll gesperrt. Es war der dritte schwere Crash zwischen Auto und Tram in zwei Wochen.

Die schweren Unfälle zwischen Autos und Tram stehen im Kontrast zur offenbar verbesserten Fußgängersicherheit. Im vergangenen Jahr hatte die BVG unter dem Motto „Achte auf deine Linie“ versucht, vor allem Fußgänger so problembewusst zu machen, dass sie Straßenbahnen aufmerksamer beobachten, ehe sie Gleise überqueren. Sieben Tote hatte es bei Unfällen ein Jahr zuvor gegeben. 2007 wurden vier tödlich Verletzte bei Straßenbahnunfällen gezählt. 2009 sank die Zahl nun auf zwei, und in diesem Jahr gab es nach Angaben von BVG-Sprecherin Petra Reetz bisher lediglich einen Toten bei Unfällen mit der Straßenbahn.

Ob dies auf die Kampagne zurückzuführen ist, lasse sich nicht sagen. Die BVG habe auch weitere Schutzmaßnahmen ergriffen und etwa an Übergängen sogenannte Drängelgitter installiert, die Fußgänger beim Queren der Gleise zwingen, in Richtung der sich nähernden Bahn zu blicken. Zudem fahren die Bahnen stets mit Licht, um nicht übersehen zu werden. Ein permanentes Klingeln oder eine grelle Frontbemalung, was unter anderem die Polizei gefordert hatte, ist zwar nicht angeordnet worden. Allerdings gilt bei der BVG jetzt die Regel, dass die Front der Tram werbefrei bleibt – also gelb.

Die meisten Unfälle seien auf Unaufmerksamkeiten der Fußgänger zurückzuführen, sagte Reetz weiter. Nach der BVG- Statistik liegt nur in etwa fünf Prozent der Fälle die Schuld bei den Tramfahrern.

Die Unfallstatistik der Polizei bestätigt das Bild: Während die Ursache „Falsches Verhalten von Fußgängern“ zwischen 2007 und 2009 von 34 auf 20 Fälle abnahm, stieg die für Autofahrer typische Ursache „Fehler beim Abbiegen“ im selben Zeitraum von 56 auf 63 Fälle. Die Gesamtzahl der Tram-Unfälle liegt seit Jahren bei etwa 300 pro Jahr. 2010 weist die Tendenz jedoch nach oben, was laut BVG vor allem am unfallträchtigen Glätte-Winter liegt. Stefan Jacobs/Klaus Kurpjuweit

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