Großflughafen BBI : Lufthansa prüft ihre Chancen in Berlin

Die Kranich-Linie ändert ihren Kurs und prüft derzeit ein stärkeres Engagement am neuen Flughafen. Der Airport-Chef sieht für den BBI Vorteile vor allem im Asiengeschäft. Als Grund nennt er die kürzere Flugzeit nach Berlin.

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Kranich im Anflug. Die Lufthansa überdenkt ihre Geschäftsstrategie für Berlin.
Kranich im Anflug. Die Lufthansa überdenkt ihre Geschäftsstrategie für Berlin.Foto: dapd

Die Lufthansa ändert ihren Berlin-Kurs. Während der ehemalige Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber dem neuen Flughafen in Schönefeld noch jede Chance abgesprochen hatte, ein Drehkreuz werden zu können, hat Nachfolger Christoph Franz kurz nach Übernahme des Amtes ein Projekt „Zukunft Berlin“ gestartet. Ziel ist es, den „Ausbau der Marktposition am Standort Berlin“ zu untersuchen. Geleitet wird das Projekt von Josef Bogdanski. Damit sei es innerhalb des Konzerns „hoch aufgehängt“, heißt es. Bogdanski gilt als „Macher“.

Lufthansa rangelt in Berlin mit Air Berlin um die Führungsrolle. Und die Berliner setzen bereits aufs Drehkreuz, was sogar auf dem baulich kaum darauf vorbereiteten Flughafen Tegel funktioniert und in Schönefeld erweitert werden soll.

Noch äußert sich die Lufthansa nicht zu ihren Plänen. Insider sind sich aber sicher, dass der Konzern spätestens mit der Inbetriebnahme des neuen Flughafens, die für den 3. Juni 2012 vorgesehen ist, sein Engagement verstärken wird, um keine Kunden ans Drehkreuz von Air Berlin zu verlieren.

Die Kranich-Linie hat sich bisher auf innerdeutsche Strecken konzentriert, ergänzt um einige europäische Verbindungen. Zu einem interkontinentalen Verkehr war sie nur auf Druck der Politik bereit; im März 2001 nahm sie eher widerwillig den Linienverkehr von Tegel nach Washington auf. Und stellte die Verbindung wenige Monate später nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 wieder ein. Seit 2004/2005 fliegen die amerikanischen Gesellschaften Delta und Continental erfolgreich von Tegel nach New York, Air Berlin will jetzt folgen. Lufthansa hatte ihre 1990 aufgenommenen Flüge nach New York bereits nach zwei Jahren gestrichen.

Die größten Chancen für weitere Interkontinentalverbindungen sieht Flughafenchef Rainer Schwarz schon seit langem im Asiengeschäft. Hier habe Berlin durch die kürzere Flugzeit einen Standortvorteil. Starten und landen Maschinen hier, könnten Fluggesellschaften je nach Flugplan eine zweite Crew – und damit Kosten – sparen, argumentiert man.

Wie stark sich die Lufthansa in Schönefeld engagieren wird, hängt wohl auch vom Geld ab, nämlich von der Gebührenpolitik des Flughafens. Noch ist man sich hier nicht einig, der Lufthansa sind die Preisvorstellungen des Flughafens bisher zu hoch. Die Gebühren sollen dem Vernehmen nach pro Passagier um rund fünf Euro höher sein als derzeit in Tegel.

Fluggäste scheinen aber Preissteigerungen zu akzeptieren. Im Januar, dem ersten Monat, in dem die neue Luftverkehrsabgabe entrichtet werden muss, ist die Zahl der Fluggäste nach Angaben des Flughafens gegenüber dem Vorjahresmonat um insgesamt zehn Prozent gestiegen. 1,55 Millionen Passagiere wurden gezählt, so viele wie noch nie in einem Januar. Befürchtet worden war ein Rückgang.

Was den Flughafen freut, löst bei Anwohnern Ängste aus. Je erfolgreicher der Flughafen wird, desto mehr Krach werden die Anwohner ertragen müssen. Noch sind die Routen für die Flugzeuge nicht festgelegt. Gegen die bisherigen Pläne war am Montagabend wieder eine Demonstration in Lichtenrade vorgesehen. Im Infrastrukturministerium von Brandenburg sind inzwischen, wie berichtet, 765 Anträge auf „Wiederaufgreifen des Planfeststellungsverfahrens“ eingegangen, weil die von der Flugsicherung vorgeschlagenen Routen von den Angaben im Planfeststellungsbeschluss abweichen. „In Kürze“ soll über die Anträge entschieden werden.

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