Großflughafen-Projekt : BBI: Die politisch Verantwortlichen schweigen

Großflughafen Schönefeld - der steile Kostenanstieg und die Folgen: Bisher gibt es keine Vorschläge, wie der Mehraufwand beim Bau des BBI-Terminals bezahlt werden soll.

Klaus Kurpjuweit
BBI
Der zukünftige Flughafen Berlin Brandenburg International. -Bild: ddp

Die eklatante Kostensteigerung beim Flughafenausbau in Schönefeld haben die politisch Verantwortlichen gestern mit Schweigen quittiert. Weder der Senat in Berlin, noch die Landesregierung in Brandenburg, noch das Bundesfinanzministerium wollten sagen, wie der Mehraufwand finanziert werden soll, weil es sich um „Spekulationen“ handele. Wie der Tagesspiegel gestern berichtete, soll sich der Bau des Abfertigungsgebäudes um fast 400 Millionen Euro auf über eine Milliarde Euro verteuern. Damit geriete auch der bisherige Finanzierungsplan ins Wanken, auf den sich Berlin, Brandenburg und der Bund geeinigt haben. Dieser Plan sah Gesamtkosten in Höhe von 2,018 Milliarden Euro für den Ausbau Schönefelds zum Flughafen Berlin-Brandenburg-International (BBI) vor.

Auch aus Gesellschafterkreisen wurde gestern dem Tagesspiegel bestätigt, dass sich die Kosten für den Flughafen um rund 400 Millionen Euro erhöhen werden. Bisher sei jedes Projekt dieser Größenordung erheblich teurer geworden als veranschlagt, hieß es. Zunächst sei dies aber Sache des Flughafens. Die Gesellschafter wollten sich aber informieren lassen.

Dass der BBI-Ausbau für zwei Milliarden Euro zu haben sein würde, war bereits vor Jahren festgelegt worden – noch bevor die Detailplanung für den Flughafen feststand. Auch die Arbeit an den Plänen für das Terminal begann erst danach. Die Gesamtplanung haben die Architekturbüros gmp (Gerkan, Marg und Partner) sowie JSK und die Gebäudetechnikplaner IGK-IGR übernommen.

Obwohl die Pläne mehrfach geändert worden sind und unter anderem auch die Stahlpreise weltweit erheblich gestiegen sind, hatte die Flughafengesellschaft bis heute die Kostenvorgabe nicht angetastet. Beim Terminal hatte sie bis zur Abgabe der Bauangebote Kosten in Höhe von zuletzt etwa 630 Millionen Euro angesetzt. Zum Vergleich: Der zweite Terminalbau in München hat 1,49 Milliarden Euro gekostet. Einen solchen Glaspalast wolle man aber in Schönefeld nicht bauen, heißt es beim Flughafen.

Den Bau des Terminals hat die Flughafengesellschaft in einem Los ausgeschrieben. Denn es kommen nur wenige Baufirmen infrage, die in der Lage sind, einen so komplexen Auftrag zu stemmen. Dem Vernehmen nach hat die Flughafengesellschaft auch nur drei oder vier Angebote erhalten, darunter auch von Hochtief. Der Konzern wollte einst den Flughafen übernehmen und in eigener Regie ausbauen. Nach dem Scheitern dieses Vorhabens hatte die Flughafengesellschaft die bereits vorhandenen Hochtief-Pläne übernommen und dafür einen Millionenbetrag gezahlt.

Für den Haushaltsexperten der Grünen, Oliver Schruoffeneger, war das Finanzierungskonzept „von vornherein unseriös“. Die Mehrkosten müssten von der Flughafengesellschaft übernommen und „durch eine entsprechende Gebührengestaltung refinanziert“ werden, forderte Schruoffeneger. Eine weitere Belastung des Landes sei jedenfalls nicht akzeptabel. Der verkehrspolitische Sprecher der FDP, Klaus-Peter von Lüdecke, forderte, die Ursachen für die Kostensteigerungen schnell aufzuklären. Der Senat müsse sagen, wie die Mehrkosten finanziert werden sollen. Klaus Kurpjuweit

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