Großflughafen Schönefeld : Shoppingcenter mit Landebahn

Auf dem Großflughafen Schönefeld soll eine Einkaufszone entstehen. Und die Umzugspläne der Flugbereitschaft des Bundes sind jetzt perfekt.

Klaus Kurpjuweit
246478_0_a7b3d7b6.jpeg

Die Flugbereitschaft des Bundes wird zum neuen Großflughafen Schönefeld ziehen. Doch vom künftigen BBI-Einkaufsparadies werden die Regierungsdelegationen wohl nichts haben. Denn das Shoppingcenter, dessen Bau derzeit vorangetrieben wird, entsteht weit ab vom Regierungsbereich im neuen Terminal. 22.000 Quadratmeter Verkaufsfläche sind dort geplant; die meisten davon hinter dem Sicherheitsbereich. Vor der Kontrolle soll es allgemein zugänglich nur 4000 Quadratmeter Verkaufsfläche geben, davon sind 1200 Quadratmeter für Gastronomie vorgesehen. Der Shoppingbereich ist damit ungefähr halb so groß wie die Potsdamer Platz Arcaden.

In Tegel sind derzeit 5750 Quadratmeter Flächen vermietet, darunter etwa 2500 Quadratmeter für Gastronomie, in Schönefeld sind es 4500 Quadratmeter, wovon knapp die Hälfte auf den gastronomischen Bereich entfällt.

Die Ausschreibungen für die neuen Flächen im BBI-Terminal sollen im nächsten Jahr beginnen. Die Flughafengesellschaft will hier nach Angaben ihres Chefs Rainer Schwarz ein hochwertiges Angebot schaffen. Versucht werde, auch „Berliner Elemente“ unterzubringen, frei nach dem Motto: „Von der Currywurst bis zur Cartier-Uhr“. Schwarz hält es unter anderem für möglich, dass sich auch das KaDeWe mit einer Auswahl seines Angebots auf dem Flughafen zeigt. Dies sei nicht ausgeschlossen, sagte dazu KaDeWe-Sprecherin Petra Fladenhofer. Entschieden sei aber noch nichts.

Das Vermieten von Flächen für den Einzelhandel und die Gastronomie gehört inzwischen zum Alltag auf Flughäfen. Ein großer Teil des Umsatzes wird hier erwirtschaftet. In Amsterdam-Schiphol etwa stammt bereits die Hälfte der Einnahmen aus dem sogenannten Non-Aviation-Geschäft, zu dem auch das Vermieten von Immobilien zählt. Flächen auf Flughäfen sind begehrt; Leerstand gibt es nur selten. Auch im 2006 eröffneten Hauptbahnhof waren die rund 80 Läden schnell vermietet.

Dem längst beschlossenen (Teil-)Umzug der Flugbereitschaft der Bundesregierung von Köln-Wahn nach Berlin steht jetzt auch formal nichts mehr im Weg. Die Flughafengesellschaft und das Verteidigungsministerium haben sich nun auch über die Größe der Fläche geeinigt, die die Flugbereitschaft auf dem ausgebauten Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld erhalten wird. Sie wird, wie berichtet, ihren Standort im Norden des Flughafens haben, wo sich heute noch der Abfertigungsbereich befindet. 16 Hektar sind dafür geplant. Welche Gebäude weiter genutzt oder was neu gebaut werden muss, sei noch nicht entschieden, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Wahrscheinlich werde es einen Mix aus Alt und Neu geben. Neu entstehen werden Hangars für die Flugzeuge. Wie bereits jetzt in Tegel wird der militärische Teil des Flughafens eine eigene Zufahrt erhalten. Vorwiegend sollen Starts und Landungen der Regierungsflüge auf der Nordbahn des Flughafens erfolgen, sagte ein Flughafensprecher. So sei ein weitgehend unabhängiger ziviler und militärischer Verkehr möglich.

Ein Umzug des „politisch/parlamentarischen Bereichs“ der Flugbereitschaft sei wirtschaftlich geboten, sagte der Sprecher des Ministeriums. Derzeit sind nur eine kleine Maschine während der Woche für kurze Strecken sowie drei Hubschrauber in Tegel stationiert.

Wird mit einem Airbus geflogen, muss man die Maschine derzeit leer von Köln-Wahn nach Tegel bringen, wo die Regierungsmitglieder an Bord gehen. Beim Rückflug geht es dann wieder ohne Gäste von Tegel zurück nach Köln-Wahn, bis sich das Spiel wiederholt. Um auch Airbusse in Tegel fest zu stationieren, müssten zusätzliche Hangars gebaut werden, was sich wenige Jahre vor der Aufgabe des Flugbetriebs in Tegel aber nicht mehr lohnt.

Die Luftwaffe könnte Tegel zwar auch nach der Schließung für den zivilen Verkehr weiternutzen, auch als Regierungsflughafen, doch auch dies wäre sehr teuer und unwirtschaftlich. Deshalb kommt es nach der BBI-Eröffnung zum Umzug nach Schönefeld. Der militärische Bereich der Flugbereitschaft bleibt in Köln-Wahn, wo es ideale logistische Voraussetzungen für schnelle Hilfsflüge in Katastrophengebiete gebe, sagte der Sprecher. Einsatzbereit steht dort unter anderem ein Airbus A 310 mit sechs Plätzen für Intensivpatienten und 38 zusätz lichen Patientenliegen an Bord.

0 Kommentare

Neuester Kommentar