Gutachten : Bundesanteil an Tempelhof ist 40 Millionen Euro wert

Diesmal hat sich Thilo Sarrazin wohl verrechnet. Einst hatte der Finanzsenator den Flughafen Tempelhof als „ziemlich vergammeltes Filetstück“ bezeichnet, aus dem „schon die Maden rausschauen“. Jetzt sagt ein Gutachten etwas anderes.

Stefan Jacobs

Ein reichliches Jahr ist es her, dass der Finanzsenator den Flughafen Tempelhof als „ziemlich vergammeltes Filetstück“ bezeichnete, aus dem „schon die Maden rausschauen“. Jetzt sagt ein Gutachten etwas anderes, nämlich: Der Bundesanteil an dem Ende Oktober geschlossenen Flughafen ist rund 40 Millionen Euro wert. Nun muss verhandelt werden, wie viel das Land tatsächlich zahlen muss, um dem Bund seine 83 Prozent des denkmalgeschützten Gebäudes und 53 Prozent der Freifläche abzukaufen.

Vorgelegt wurde die gut 180-seitige Expertise vom Gutachterausschuss für Grundstückswerte des Landes. Das Gremium arbeitet unabhängig; lediglich seine Geschäftsstelle ist bei der Stadtentwicklungsverwaltung angesiedelt.

Im Zuge seiner Maden-Diagnose hatte Sarrazin dem Bund die ganze Immobilie als Geschenk angeboten. Jetzt dürfte es darum gehen, den Kaufpreis herunterzuhandeln. Ein wichtiger Punkt dabei könnten wertmindernde Altlasten sein – aber bisher wurde offenbar nichts Dramatisches gefunden. Grünen-Haushälter Oliver Schruoffeneger forderte am Donnerstag, dass dafür der Bund verantwortlich bleiben müsse, weil sich Altlasten oft erst später zeigten. In der Finanzverwaltung hieß es: „Wir prüfen das Gutachten auf Plausibilität und gehen dann in die Erörterungsphase.“ Auch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) in Bonn sieht noch reichlich Prüfungsbedarf.

Für Januar ist eine erste Beratung der Beteiligten geplant; im Laufe des Jahres 2009 dürfte der Handel perfekt sein.

Doch Berlin wird 2009 auch von der Immobilie profitieren: Die landeseigene Immobiliengesellschaft BIM berichtet von „recht konkreten Verhandlungen mit diversen Veranstaltern“. Der Vertrag für die dreitägige „Pyromusikale“ im Juli wurde bereits vor einer Woche unterschrieben. Weitere Rockkonzerte und mehrtägige Festivals seien avisiert, so dass zumindest im Sommerhalbjahr gar nicht mehr allzu viele Termine frei seien.

Auch für das riesige Gebäude gibt es nach Auskunft von BIM-Sprecherin Katja Potzies Interessenten. Man habe nicht nur Anfragen für die Nutzung der Haupthalle, sondern verhandele auch „mit einem sehr interessanten Unternehmen als Ankermieter“ für einen Gebäudeteil. Und wegen des großen Publikumsinteresses solle auch das Angebot an Führungen erweitert werden.

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