Ingeborg Junge-Reyer : "Es gibt Gründe für den Weiterbau der Autobahn"

Ingeborg Junge-Reyer rechnet weiter mit dem Bau der A 100. Neue Tramstrecken lassen hingegen auf sich warten.

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Ingeborg Junge-Reyer ist seit 2004 Senatorin für Stadtentwicklung. -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Sie haben sich mit Verve für den Weiterbau der Stadtautobahn A 100 eingesetzt. Jetzt sieht es so aus, dass das Projekt doch am Widerstand der Koalitionsparteien scheitert, die einen Planfeststellungsbeschluss verhindern wollen. Wird nun gebaut oder nicht?

Ich bin sicher, dass wir auch die Gegner des Projekts überzeugen können. Es gibt überzeugende Gründe für den Weiterbau der Autobahn.

Wenn damit nicht noch in dieser Legislaturperiode begonnen wird, dürfte das Projekt erledigt sein. Die potenziellen Koalitionspartner für eine neue Landesregierung, die Grünen und die Linken, lehnen den Bau ja vehement ab.
Koalitionsverhandlungen werden erst geführt, wenn gewählt worden ist. Und dann wird sich zeigen, wer was mit wem vereinbaren kann.

Kritiker werfen dem rot-roten Senat vor, gerade in der Verkehrspolitik nicht viel erreicht zu haben.
Stimmt nicht. Man darf Verkehrspolitik nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Finanzierung neuer Infrastruktur sehen. Ich verstehe Verkehrspolitik weit übergreifend als Politik für mehr Lebensqualität in der Stadt. Der Lärm soll zurückgehen, die Luft wird besser, und wir haben durch unsere Politik die Mobilität für alle, auch für diejenigen mit einem geringen Einkommen, verbessert. Wir haben lange Zeit die Preise im Nahverkehr stabil gehalten, und wir haben, anfangs gegen den Widerstand aus Verkehrsunternehmen, das Seniorenticket eingeführt, das ein großer Erfolg geworden ist. Der Anteil des Autoverkehrs ist so jedenfalls auf nur noch 32 Prozent des Gesamtverkehrs gesunken.

Dazu hat aber sicher auch die Parkraumbewirtschaftung beigetragen.
Auch. Aber ebenso das veränderte Verhalten der Menschen. Es wird auch in Berlin dazu kommen, dass sich immer mehr Menschen entscheiden, nicht mehr mit dem Auto in die City zu fahren, weil es einfacher, schneller und auch billiger sein kann, die Bahn oder den Bus zu nehmen. Da wünsche ich mir, dass die Unternehmen besser informieren.

Mehr Menschen sollen den Nahverkehr nutzen. Muss dann das Angebot nicht doch erweitert werden? Seit Jahren gibt es Pläne, neue Straßenbahnstrecken zu bauen. Hier hat die Koalition nicht viel bewegt.
Straßenbahnen kann man nicht von heute auf morgen bauen. Nicht nur die Planungen sind kompliziert, auch das Geld muss bereitstehen. Und das ist derzeit leider nicht der Fall. Wir konzentrieren uns jetzt auf den Weiterbau der U 5, was übrigens auch ein Projekt der rot-roten Koalition ist.

In Adlershof ist die Planung für den Weiterbau der Straßenbahn bis zum Bahnhof Schöneweide schon weit fortgeschritten, und Geld gibt es doch mit den S-Bahn-Mitteln. Warum wird hier nicht weitergebaut?
Wir prüfen derzeit, ob wir diese Maßnahme vorziehen können. Aber wir bauen nur dort, wo es sinnvoll ist, weil die Umwelt entlastet wird und die Lebensqualität für die Menschen steigt.

Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) will nicht nur neue Infrastruktur finanzieren, sondern auch mehr Lebensqualität schaffen.

Das Gespräch führte Klaus Kurpjuweit.

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