Interview : „Wir machen in Tempelhof weiter wie geplant“

Der Streit um die Zukunft des Tempelhofer Flughafengeländes nimmt kein Ende. Erst gab es Kritik an Wowereits Bread-and-Butter-Deal, jetzt an den Plänen für neue Gebäude. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher verteidigt im Gespräch mit Tagesspiegel.de die Pläne.

Matthias Oloew
Regula Lüscher
Problemfall Tempelhof. Auch Senatsbaudirektorin Regula Lüscher ist wegen der Pläne für Tempelhof in der Kritik. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

BerlinErst die Entscheidung für die Modemesse Bread and Butter, jetzt auch noch Kritik aus den Bezirken an Ihren Planungen: Wie geht es weiter in Tempelhof?



Wir machen weiter wie geplant. Die zweite Stufe des Ideenwettbewerbs für das Columbia-Quartier läuft an, wir bewerben uns um die Internationale Gartenausstellung 2017 und stecken parallel die Bedingungen ab, die für eine Entwicklungsträgergesellschaft gelten sollen.

Was soll diese Gesellschaft leisten?

Sie soll die Planungen koordinieren, Verträge mit Zwischennutzern schließen und Investoren auftun, die dort bauen wollen. Gleichzeitig soll sie Grundlagen dafür schaffen, dass die Planungen in konkrete Projekte umgesetzt werden.
Zwischennutzer für das Terminalgebäude sucht aber auch die Berliner Immobilienmanagement (BIM) – siehe Modemesse. Wie attraktiv ist die Entwicklung von Tempelhof für eine Gesellschaft, die nicht auf das Gebäude zugreifen kann?
Attraktiv genug. Wir sprechen schließlich von einer riesigen Freifläche inmitten einer Millionenstadt – das ist eine herausragende Aufgabe für eine solche Gesellschaft. Es muss aber allen klar sein: Ohne eine solche Gesellschaft wird es keine Entwicklung in Tempelhof geben.

Es scheint, als sei sie auch gar nicht unbedingt gewollt. Der Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg lehnt das Columbia-Quartier vollständig ab. Verstehen Sie seine Argumente?

Nein. Der Ideenwettbewerb für das Columbia-Quartier hat doch viele unterschiedliche Ansätze gezeigt, die aber einem Ziel folgen: der Integration des neuen Viertels an die bestehenden Stadtquartiere. Ich verstehe nicht, was man dagegen haben kann.

Das neue Quartier schneide Kreuzberg vom sogenannten Stadtklima-Kühlschrank Tempelhofer Feld ab …

Das glaube ich nicht. Wir haben in der Aufgabenstellung für den Ideenwettbewerb Columbia-Quartier detaillierte Vorgaben zur Beachtung aller Fragen rund ums Stadtklima gemacht. Außerdem ist ja auch noch gar nicht klar, in welcher Form und wie massiv wir dort tatsächlich bauen werden. Das alles zeigt ja erst unser Ideenwettbewerb, den wir im Mai entscheiden wollen, wobei wir die stadtklimatischen Aspekte bei der Entscheidung stark berücksichtigen werden.

Kritik kommt auch aus Neukölln, die bisherigen Pläne würden zu wenig auf die sozialen Probleme des Bezirks eingehen.

Auch das verstehe ich nicht. Wir versuchen doch gerade durch unsere Bemühung, neben der Gartenausstellung auch eine Internationale Bauausstellung in Tempelhof auszurichten, Antworten auf genau diese Fragen zu finden: Wie könnte eine multi-ethnische Stadt von morgen aussehen? Wie kann man klimaneutral bauen? Welche Möglichkeiten ergeben sich durch die riesige Freifläche? Berlin kann in Tempelhof mustergütige Ideen für die Stadt der Zukunft entwickeln und vorzeigen. Das ist ein sehr wichtiges Potenzial.

Das Gespräch führte Matthias Oloew.

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