Invalidenstraße : Mehr Autos im Wohngebiet

Neue Pläne: Der Senat will den Ost-West-Verkehr nicht auf der Invalidenstraße bündeln. Auch die Route der Straßenbahn ist betroffen.

Klaus Kurpjuweit

Die Senatsplaner machen es spannend: Wie sie in Zukunft den Autoverkehr über die Invalidenstraße in Mitte führen wollen, teilten sie am Sonntag auf Anfrage nicht mit. Fest steht nur, dass sie, wie am Sonntag in einem Teil der Auflage berichtet, eine Kehrtwende vollzogen haben. War bisher vorgesehen, den Ost-West- Verkehr auf der Invalidenstraße zu bündeln, sollen sich die Autos jetzt durch „verkehrsorganisatorische Maßnahmen“ auf mehrere Straßen verteilen, heißt es in einer Bekanntmachung. Betroffen seien nun mehr Anwohner.

Bisher wollten die Verkehrsplaner den Durchgangsverkehr aus den Wohngebieten heraushalten. Die Autos sollten auf jeweils zwei Spuren von und zum Hauptbahnhof geführt werden. Die Fahrbahnen sollten sich Autofahrer zum Teil mit der Straßenbahn teilen, deren Gleise ebenfalls von der Kreuzung mit der Chausseestraße bis zum Hauptbahnhof verlängert werden sollen.

Dagegen hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gefordert, im schmalsten Teil der Invalidenstraße zwischen Nordbahnhof und Chausseestraße nur drei Fahrspuren einzurichten und einen Teil des Verkehrs durch andere Straßen zu leiten – so, wie es jetzt die Stadtentwicklungsverwaltung angekündigt hat. Ob es dann auch nur drei Fahrspuren geben wird, war am Sonntag nicht zu erfahren.

BUND-Sprecher Martin Schlegel ist überzeugt, dass es nur mit dieser Lösung gelingen wird, die gesetzlichen Vorgaben bei der Lärm- und Feinstaubbelastung einzuhalten. Würden sie überschritten, will der BUND zusammen mit Anwohnern klagen, was den Ausbau der Straße und den Einbau der Gleise für die Straßenbahn weiter verzögern würde.

Die Tram sollte bis zum Hauptbahnhof eigentlich schon zu dessen Eröffnung im Mai 2006 fahren. Die Planungen für den Straßenzug wurden jedoch mehrfach geändert; Verfahren gestoppt und neu begonnen. Zuletzt war als Termin für die Straßenbahn-Premiere am Hauptbahnhof 2012 oder gar 2013 genannt worden. Irgendwann soll die Tram bis Moabit weitergebaut werden.

Auch die jetzt vorgesehene Planänderung mit einem neuen Anhörungsverfahren werde die Eröffnungstermine weiter verschieben, befürchtet Stadtplaner Christfried Tschepe, der auch Vorsitzender des Fahrgastverbandes Igeb ist. Ihm wäre der bisherige Vorschlag der Verwaltung lieber gewesen, obwohl die Straßenbahn sich die Trasse dabei auf einigen Abschnitten mit dem gesamten Autoverkehr teilen müsste. Als Stadtplaner sei er dagegen, den Durchgangsverkehr durch Wohngebiete zu führen, sagte Tschepe.

Verteilt werden soll der Verkehr nach den neuen Plänen auf die Garten-, die Julie-Wolfthorn-Straße, die Straße Am Nordbahnhof, die Zinnowitzer und Habersaathstraße, auf den Schwarzen Weg, die Tickstraße und die Borsigstraße. Anwohner können dagegen nun Einwände vorbringen.

Die geänderten Pläne werden vom 11. Mai bis 11. Juni bei der Stadtentwicklungsverwaltung, Württembergische Straße 6 in Wilmersdorf, ausgelegt.

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