Kanzler-Linie : Mehr Pracht für die Bahnhöfe der neuen U 5

Die neuen U-Bahn-Stationen zwischen Brandenburger Tor und Alexanderplatz sollen aufwendiger gestaltet werden – ohne zusätzliche Kosten.

Klaus Kurpjuweit
U-Bahn Neubau
Die neuen U-Bahnhöfe. Repräsentativer, aber nicht teurer. -Foto: dpa

Berlins neue U-Bahnhöfe an der U 5 zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor sollen nun doch schöner werden. Waren bisher reine Zweckbauten an den Unterwegsstationen geplant, sucht die Stadtentwicklungsverwaltung jetzt mit renommierten Architekten Lösungen, wie die Bahnhöfe repräsentativer und trotzdem nicht viel teurer gebaut werden können. Dies bestätigte ein Sprecher. Immerhin entstehen die Bahnhöfe an prominenten Orten – am Roten Rathaus, am künftigen Humboldtforum und an der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße.

Ursprünglich waren an der verlängerten U 5, die – auch mit einem automatischen Fahrbetrieb – zur Vorzeigelinie der Stadt werden soll, aufwendige Stationen geplant. „Bei einem Verkehrsbauwerk in derart prominenter Lage werden höchste Anforderungen an die städtebauliche Einbindung und architektonische Gestaltung gestellt“, hieß es damals. Richard Rogers entwarf den Bahnhof Berliner Rathaus, Max Dudler die Station unter dem Humboldtforum, damals Schlossplatz genannt, von Axel Oestreich stammten die Pläne für den Kreuzungsbahnhof Unter den Linden mit der Linie U 6 (Alt-Tegel – Alt-Mariendorf).

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Verwirklicht wurden aber nur die Entwürfe Axel Schultes’ für den Bahnhof Bundestag und Meinhard von Gerkans am Hauptbahnhof. Die Station Brandenburger Tor, ebenfalls von Dudler geplant, ist auf Wunsch der Stadtentwicklungsverwaltung bereits angepasst worden. In dem dunkel gehaltenen Bau wird eine Ausstellung zur Teilung der Stadt integriert.

Der kurze Abschnitt vom Brandenburger Tor, wo man zur S-Bahn umsteigen kann, bis zum Hauptbahnhof soll zunächst als U 55 im August 2009 – vor der Leichtathletik-Weltmeisterschaft – eröffnet werden. Als Baubeginn für die Strecke vom Brandenburger Tor zum Alexanderplatz ist 2010/2011 vorgesehen.

Die Kosten sind bisher mit 367 Millionen Euro veranschlagt. Nach Tagesspiegel-Informationen sind sie seit 2005 in der Kalkulation auf jetzt 415 Millionen Euro gestiegen, was die BVG offiziell nicht bestätigt. Nicht enthalten sind die Kosten für aufwendigere Bahnhöfe.

Um den Preis zu halten – die Gesamtstrecke sollte einst rund 660 Millionen Euro kosten –, hatte die BVG die Pläne abgespeckt. „Wir können nur Bahnhöfe bauen, aber keine Denkmale“, argumentierte das Unternehmen. Abstriche gab es unter anderem beim Kreuzungsbahnhof Unter den Linden. Statt auf den Gehwegen entstehen die Ein- und Ausgänge jetzt auf dem Mittelstreifen. Während die Tunnel für die Strecke unterirdisch gebohrt werden, sind an den Bahnhöfen offene Gruben erforderlich. 21 Monate lang wird der Verkehr auf dieser Kreuzung erheblich eingeschänkt sein; die Südfahrbahn Unter den Linden ist dicht. Der Abschnitt der Friedrichstraße wird vermutlich für neun Monate gesperrt.

Ein Jahr lang wird wohl auch der Verkehr auf der U 6 zwischen Friedrichstraße und Französischer Straße unterbrochen, um den neuen gemeinsamen Bahnhof mit der U 5 bauen zu können. Die Station Französische Straße wird später geschlossen, da der neue Bahnhof nur etwa 120 Meter entfernt ist.

Engpässe gibt es auf der Straße auch am künftigen Bahnhof am Humboldtforum sowie auf der Rathausstraße vor dem Roten Rathaus. Pläne, hier einen Doppelbahnhof für eine künftige weitere U-Bahn-Linie aus dem Westen der Stadt nach Weißensee zu bauen, werden nicht verwirklicht. Nun soll dort nur der Bahnhof für die U 5 entstehen und ein Stockwerk tiefer eine dreigleisige Abstellanlage für Züge.

Auch der Regierende Bürgermeister müsse die Baustelle vor seinem Amtssitz akzeptieren, heißt es bei der BVG. Eine Extralösung am Rathaus werde es nicht geben. Im Senat war erwogen worden, auf den Bau des Bahnhofs vor dem Haupteingang zu verzichten – so wie sich Geschäftsleute seit Jahren gegen den Bau Unter den Linden wehren. Dass dort auch Bäume fallen müssen, wird von Umweltschützern akzeptiert, da viele der Bäume ohnehin ersetzt werden müssten. Ursprünglich war sogar ein fast kompletter Kahlschlag geplant. Der Baustelle weichen müssen auch Friedrich Engels und Karl Marx. Doch das Denkmal darf danach wieder an seinen angestammten Platz auf dem Marx-Engels-Forum zurückkehren.

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