Karl-Marx-Allee : BVG lässt Bäume fällen für Tunnelreparatur

Die böse Überraschung kam nach der Bürgerversammlung: Kaum hatte die BVG die Anwohner der Karl-Marx-Allee über den letzten Stand der Dinge über die Bauarbeiten an der U 5 informiert, da fielen schon die Bäume. Aber nicht nur das ärgert die Friedrichshainer. Mittlerweile ist die Fällaktion gestoppt.

Carl-Friedrich Höck

Wo bis Mittwoch noch prachtvolle alte Bäume standen, ist ab Montag Baustelle. Darüber ärgern sich derzeit viele Anwohner der Karl-Marx-Allee in Friedrichshain. Die BVG will die U-Bahnhöfe Schillingstraße, Strausberger Platz und Weberwiese neu abdichten und dafür die Straße aufreißen. Die Fäll-Aktion hat schon begonnen: 67 Bäume werden dafür insgesamt fallen.

Saniert werden müssen die U-Bahn-Tunnel laut BVG, weil Regenwasser durchsickert ist und die Bausubstanz beschädigt hat. Die Tunnel sind bereits über 70 Jahre alt, die Außenabdichtungen entsprechend marode. Zudem seien Baumwurzeln in die Tunneldecken eingedrungen, sagt Udo Kutscher von der BVG. Das Unternehmen will nun die Außenwände der Tunnel neu abdichten. Deshalb müssten die teilweise mehr als 30 Jahre alten Bäume weg, die direkt am U-Bahn-Tunnel stehen. Wenn die Bauarbeiten Anfang 2011 beendet sind, wollen die Verkehrsbetriebe neue Bäume pflanzen lassen.

Zahlreiche Parkplätze fallen weg

Viele Anwohner ärgern sich nicht nur über die Fällungen. Wegen der Sanierung ändert sich vorübergehend auch die Straßenführung. Die Spuren werden auf den Mittelstreifen und die Park- und Grünflächen verlegt. Laut Verkehrsleitung müssen mindestens zwei der drei Fahrbahnen in jede Richtung erhalten bleiben, damit der Verkehr nicht stockt. „Es wird aber kein einziger Baum wegen der Verkehrsführung gefällt“, sagt Kutscher. Die Anwohner würden vorübergehend aber einige Parkplätze verlieren. Das „öffentliche Interesse“ gehe vor.

Aufgeheizt war die Stimmung vor kurzem auf einer Informationsveranstaltung im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg. Dort beschwerten sich Anwohner, dass sie erst vor wenigen Wochen von den Bauarbeiten erfahren hätten. Sie zweifelten an, dass ausreichend nach Alternativen gesucht worden sei, um Bäume zu retten. Norbert Lehmann vom zuständigen Architekturbüro Artus widerspricht. Zwar hätte man auch von innen Verdichtungsmasse in die Tunnelwände spritzen können, die Methode garantiere aber keinen nachhaltigen Erfolg und sei zudem umweltschädlich.

Bis 2011 drohen Lärm und Schmutz

Schon jetzt wehren sich Anlieger der viel befahrenen Straße wegen des zu befürchtenden Baulärms. Der Architekt versucht zu beschwichtigen: „Der Straßenaufbruch wird etwas lauter, doch meist wird der Baulärm unter dem des Straßenverkehrs bleiben.“ An den Baustellen sollen Tempo-30-Zonen eingerichtet werden.

Wegen einer Abstimmungspanne zwischen BVG-Planern und dem Senat wird der Baustelle nun auch noch ein Teil der alten Straßenbeleuchtung geopfert. Sieben Kandelaber müssen weg, obwohl sie eben erst saniert wurden.

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