Konkurrenz : Düsseldorf will Flughafen BBI abhängen

Die Ankündigung war deutlich: Die Betreiber des Düsseldorfer Flughafens wollen Berlin den Rang als Luftdrehkreuz ablaufen. Der Senat gibt sich gelassen.

Rainer W. During

BerlinZweieinhalb Jahre vor der geplanten Eröffnung des neuen Großflughafens BBI macht Düsseldorf der Hauptstadt den Anspruch streitig, drittes deutsches Luftverkehrs-Drehkreuz (Hub) zu werden. Die Lufthansa hat jetzt in der Rhein-Metropole ihren neuen Hub vorgestellt; auch die Air Berlin verstärkt hier ihr Engagement. Düsseldorfs Flughafenchef Christoph Blume sieht im BBI gar einen Airport primär für Billigflieger und Touristen entstehen. Berlins stellvertretender Senatssprecher Günter Kolodziej bekräftigte dagegen die „Entschlossenheit, den BBI zu einem Hub auszubauen“.

Düsseldorf sei mit kurzen Wegen und schnellen Anschlusszeiten der ideale Umsteigeflughafen auch für Passagiere aus Berlin, sagte die regionale Lufthansa-Vertriebschefin Juliane Thulmann. Dort betreibt die Gesellschaft inzwischen rund 60 Destinationen, darunter neue Strecken nach New York, Chicago und Toronto. Ab Tegel bietet man nonstop nur noch sechs Inlands- und sechs Auslandsziele an. Düsseldorf sei „das wichtigste Drehkreuz“ für Air Berlin, betonte deren Chef Joachim Hunold kürzlich.

Zusammen liegen Tegel und Schönefeld (21 Millionen Passagieren im vergangenen Jahr) gegenüber Düsseldorf (18 Millionen) noch vorn. Bei den größten deutschen Airlines ist es umgekehrt. Air Berlin brachte es in Düsseldorf auf 6,6 Millionen Passagiere, in Tegel waren es 5,6 Millionen. Lufthansa beförderte am Rhein 4,5 Millionen Reisende, an der Spree zusammen mit ihrer Tochter Swiss nur vier Millionen.

Mit zwölf täglichen Starts und 21 Interkontinental-Zielen habe man fast doppelt so viele Langstrecken-Abflüge wie Berlin, Hamburg und Stuttgart zusammen, sagte Christoph Blume. Mit 18,3 Millionen Einwohnern und einem Bruttoinlandsprodukt von rund 403 Milliarden Euro im Umkreis von 100 Kilometern verfüge Düsseldorf über das beste Einzugsgebiet aller deutschen Flughäfen. Berlin bilde mit 5,8 Millionen Menschen und 123 Milliarden Euro das Schlusslicht. „Wir decken einen dreimal so großen Verkehrsbedarf ab wie der BBI“, erklärte Blume. In Berlin werde der Schwerpunkt weiterhin bei Touristen und Billigfliegern liegen.

Da sei wohl „der Wunsch der Vater des Gedanken“, sagte Senatssprecher Günter Kolodziej. Die Düsseldorfer merkten, dass „in Berlin eine starke Konkurrenz heranwächst“. Berlins Flughafensprecher Ralf Kunkel: „Unser Einzugsbereich reicht von Sachsen und Sachsen-Anhalt bis nach Westpolen, für das Berlin der Heimatflughafen ist.“ Flüge nach Asien sind eine Stunde kürzer, so können die Airlines auf den Einsatz einer teuren, zweiten Crew verzichten. „Schon heute entwickelt sich eine Drehkreuzfunktion, für die Umsteigepassagiere der Air Berlin wird derzeit das Terminal C in Tegel erweitert.“ Was an Industrie fehle, werde durch Forschung und Wissenschaft ausgeglichen.
Die Aktivitäten in Düsseldorf bedeuten keine Abkehr vom BBI, versichern die Airlines. „Berlin ist unserer zweitwichtigstes Drehkreuz und es gibt keinen Anlass, unsere starke Position hier zu verändern“, sagte Air-Berlin-Sprecher Hans-Christoph Noack. Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber erwartet, dass sich bessere Umsteigemöglichkeiten ergeben, wenn alle Flüge an einem Berliner Airport konzentriert werden.

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