Konzept für neue Trassen : Bahn frei für die Tram

Die Grünen haben ein Konzept für neue Tram-Trassen vorgestellt. Ganz oben steht die Verbindung vom Alex nach Steglitz und die Verlängerung der M 10 von der Warschauer Straße durch Kreuzberg bis zum Hermannplatz.

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Die Grünen haben einen "Masterplan Tram" präsentiert.
Die Grünen haben einen "Masterplan Tram" präsentiert.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Genau ein halbes Jahr vor dem Wahltermin haben die Grünen am Freitag einen „Masterplan Tram“ präsentiert. Mit dem wollen sie mehr Berliner für die Straßenbahn begeistern, wenn sie erst das Rote Rathaus erobert haben. Das Konzept wurde mit Hilfe parteinaher Fachleute erarbeitet. Es enthält besonders lukrative Neubaustrecken, die nicht nur der hoch verschuldeten BVG mehr Einnahmen bringen, sondern auch viele Neukunden locken sollen. Grünen-Verkehrsexpertin Claudia Hämmerling sprach gar von „Angeboten, die man nicht ablehnen kann“.

Ganz oben auf dieser Liste stehen die Verlängerung der M 10 von der Warschauer Straße durch Kreuzberg bis zum Hermannplatz sowie die Trasse vom Alex zum Potsdamer Platz und weiter zum Rathaus Steglitz. Letztere soll den stauanfälligen M 48er-Bus ersetzen. Entsprechende Planungen hat auch die SPD- geführte Stadtentwicklungsverwaltung längst in der Schublade, ohne sie voranzutreiben. Akut steht nur der Bau der Trasse vom Nord- zum Hauptbahnhof an.

Diese Strecke lohnt sich nach Berechnungen der Grünen erst richtig, wenn sie durch Alt-Moabit bis zum U-Bahnhof Turmstraße verlängert würde. Bemerkenswert sei, dass ein Fünfminutentakt hier wirtschaftlicher wäre als ein Zehnminutentakt. Allerdings bleibe die Strecke trotz absehbar großer Nachfrage ein Zuschussgeschäft, denn – anders als beispielsweise beim Ersatz des langsamen und daher fahrzeug- und personalintensiven Busses M 48 – könne die BVG hier keinen parallelen Busverkehr einsparen.

Deshalb steht die Trasse nach Moabit in der grünen Prioritätenliste nur auf dem zweiten Platz. Den teilt sie sich mit der M 50, die vom U-Bahnhof Turmstraße über Perleberger und Wollankstraße nach Pankow fahren soll. Dort könne die BVG sich dann viele Busse sparen – und die Nachfrage würde einen Sechs- bis Siebenminutentakt lohnen.

Perspektivisch würden die Grünen diese Linie gleich bis zum Mierendorffplatz verlängern. Und ganz langfristig fänden sie auch eine „Südosttangente“ sinnvoll, die vom Potsdamer Platz übers Hallesche Tor die Sonnenallee entlang und über Schöneweide nach Köpenick führt. Eine Trasse vom Ostkreuz nach Köpenick steht am unteren Ende der Liste.

Dass sich nur die Linie nach Steglitz wirtschaftlich betreiben ließe, nehmen die Grünen ausdrücklich in Kauf: Der öffentliche Nahverkehr sei weltweit ein Zuschussgeschäft und die Rentabilität einzelner Strecken die Ausnahme. Nach Auskunft der BVG lässt sich der Zuschussbedarf nicht für jede Strecke beziffern; als Faustregel gilt, dass mit beliebten Touristenlinien wie dem 100er-Bus am ehesten Geld zu verdienen ist. Laut Geschäftsbericht erhielt die BVG 2009 rund 250 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt.

Die Grünen wollen im Fall ihrer Regierungsbeteiligung die Trassen zunächst im Flächennutzungsplan sichern. Dann soll jeweils soweit im Voraus geplant werden, dass im Fall eines Geldregens – EU-Mittel oder Konjunkturpaket – sofort ein Projekt aus der Schublade geholt werden kann. Die Tram gilt dabei als viel billigere Alternative zur U-Bahn. Hämmerling nennt als Faustregel Baukosten von zehn Millionen Euro pro Trassenkilometer. Hinzu kommen rund drei Millionen Euro für jeden neuen Straßenbahnzug.

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