Kritik von Politikern : Bahn entschuldigt sich bei Kunden

Die Bahn entschuldigt sich für Verspätungen und Zugausfälle und will sich mehr anstrengen. Kritik gibt es von Politikern quer durch die Parteien.

Nach den tagelangen winterbedingten Verspätungen und Zugausfällen bei der Deutschen Bahn haben Verkehrsexperten das Unternehmen deutlich kritisiert. Sowohl der Grünen-Experte Winfried Hermann wie auch sein FDP-Kollege Patrick Döring warfen der Bahn vor, nicht genügend Reserven an Zügen zu haben. Bahn-Vorstand Ulrich Homburg versprach, die Bahn werde alle Fahrgäste zu Weihnachten an ihre Reiseziele bringen.

Der von der Bahn im Sommer vorgelegte Präventionsplan Winter 2011 sei „nicht mehr als Symptombekämpfung“ gewesen, sagte Hermann der „Passauer Neuen Presse“. Die eigentlichen Probleme lägen woanders: „Es fehlt an Zügen und Wagen für den Betrieb.“ Große Teile des Bestandes seien in der Wartung. Viele Weichen seien immer noch nicht mit einer Heizung ausgestattet und müssten per Hand freigeschaufelt und enteist werden, doch verfüge die Bahn dafür nicht über „ausreichend eigenes Personal“, kritisierte der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag weiter. „Hier rächen sich das übertriebene Spardenken vergangener Tage und die absurden Börsenträume der Bahn.“ Auch der FDP-Verkehrsexperte Döring kritisierte den zu kleinen Wagenpark der Bahn. Dieser sei „auf Kante genäht“, sagte er der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Wegen des umfangreichen Wartungsprogramms, das nach Pannen im Frühjahr vom Eisenbahnbundesamt angeordnet worden sei, gebe es keine Reserven mehr.

Der für den Personenverkehr zuständige Bahn-Vorstand Homburg entschuldigte sich bei den Kunden für die massiven Verspätungen und Ausfälle wegen des winterlichen Wetters. Die Situation sei weder für die Reisenden noch für die Mitarbeiter einfach, sagte er der „Bild"-Zeitung. „Aber wenn man die Probleme im Auto- oder Flugverkehr betrachtet, schlagen wir uns vergleichsweise gut“.

Homburg kündigte vermehrte Anstrengungen an, um alle Fahrgäste zu Weihnachten an ihre Ziele zu bringen. Auf den Hauptreiserouten im Fernverkehr würden „alle verfügbaren Züge“ eingesetzt, auf den Nebenstrecken sollen Regionalzüge und Busse dafür sorgen, dass „möglichst jeder“ sein Ziel erreiche. Nach Angaben des Bahn-Vorstands sind 10.000 Schneeräumkräfte und fast viermal so viele Techniker im Einsatz wie im letzten Winter.

Angesichts der schneebedingten Störungen im Bahn- und Luftverkehr rief EU-Verkehrskommissar Siim Kallas Unternehmen und Passagiere zu Besonnenheit auf. Er fordere Fluggesellschaften und Bahnunternehmen auf, „ihre Verantwortung nach dem geltenden EU-Recht sehr ernst zu nehmen“, die Passagiere rechtzeitig zu informieren und sie ausreichend zu versorgen, sagte Kallas der Zeitung „Die Welt“.

Diese müssten in „angemessener und serviceorientierter Weise“ behandelt, die Regeln der Rückerstattung von Tickets „natürlich“ angewendet werden. Es sei aber auch wichtig, dass die Passagiere „mit Umsicht und Verständnis“ reagierten, denn die Situation sei für die Unternehmen sehr schwierig, sagte Kallas weiter, der auch Vizepräsident der EU-Kommission ist. (AFP)

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