Leserdebatte : BVG erhöht Preise – aber grüne Energie ist ihr zu teuer

29.07.2012 23:27 Uhrvon
Die BVG erhöht nächste Woche ihre Ticket-Preise. Foto: dpa
Die BVG erhöht nächste Woche ihre Ticket-Preise. - Foto: dpa

Andere Städte haben die Energiewende auch schon in den Verkehrsbetrieben vollzogen. In Berlin will die BVG aber weiter mit Atomstrom fahren. Wie denken Sie darüber, liebe Leserinnen und Leser? Würden Sie höhere Ticketpreise für ein ökologisch reines Gewissen in Kauf nehmen?

Am Mittwoch wird das Fahren mit Bahnen und Bussen teurer. Durchschnittlich steigen die Preise nach Angaben des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) um 2,8 Prozent. Zum Teil sind die Sprünge allerdings viel größer. Die Verkehrsbetriebe begründen die „Tarifanpassung“ auch mit gestiegenen Energiekosten. Die hohen Preise für Diesel und Strom schrecken die BVG erst recht davor ab, auf Atomstrom zu verzichten und ökologisch vorbildlich mit „grünem Strom“ zu fahren. Andere Städte zeigen dagegen, dass ein Umstieg möglich ist.

Seit einem Monat fahren die Straßen- und U-Bahnen in Nürnberg mit Ökostrom aus Wasserkraftwerken in der Schweiz.

Der grüne Strom sei nur unwesentlich teurer als der bisherige Strommix, der auch Atomstrom umfasst, sagt die Sprecherin der Nürnberger Verkehrsgesellschaft (VAG), Elisabeth Seitzinger. Das örtliche Stromunternehmen N-Energie, an dem die Stadtwerke die Mehrheit besitzen, hätten der VAG „einen sehr guten Preis gemacht“, der aber dem entspreche, was der Markt hergebe. Die einzelne Fahrt verteuere sich so lediglich im „Zehntel-Cent-Bereich.“

Bildergalerie: Zu Fuß durch den BVG-Tunnel

Einer der Vorreiter beim umweltfreundlichen Fahren ist die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG). Dort sind nach Angaben des Unternehmens alle Fahrzeuge CO2-neutral unterwegs. Die 79 Straßenbahnen fahren bereits seit Herbst 2007 klimaneutral mit Strom aus Wasserkraft, den der Verkehrsbetrieb über die Stadtwerke bezieht. Ein Teil des Bedarfs werde selbst produziert, ansonsten stamme der Strom aus Wasserkraftwerken in Skandinavien, sagte KVG-Sprecherin Heidi Hamdad. Und auch die Busse der KVG sowie jene ihrer Subunternehmen fahren rechnerisch ohne CO2-Ausstoß, denn das Unternehmen fördert für die rund 9000 Tonnen, die jährlich in die Luft gepustet werden, seit Juni 2010 Klimaschutzprojekte in Brasilien und China, die von den Vereinten Nationen zertifiziert sind. Dafür bringt das Unternehmen nach seinen Angaben ohne zeitliches Limit einen fünfstelligen Betrag auf.

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