Luftverkehr : Reinickendorf will Flughafen Tegel retten

Nach dem Streit um die geplante Schließung des Flughafens Tempelhof gibt es jetzt auch eine neue Diskussion um den Weiterbetrieb des Flughafens Tegel.

Rainer W. During
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Flughafen TegelFoto: ddp

Nach dem Streit um die geplante Schließung des Flughafens Tempelhof gibt es jetzt auch eine neue Diskussion um den Weiterbetrieb des Flughafens Tegel. Reinickendorfs Bürgermeisterin Marlies Wanjura (CDU) fordert die Offenhaltung des Nordberliner Airports für Regierungs- und Geschäftsflieger. Der Planfeststellungsbeschluss für den in Schönefeld entstehenden neuen Flughafen BBI „bedeutet nicht, dass zwingend keinerlei Flugbetrieb in Tegel mehr stattfinden kann“, sagte die Kommunalpolitikerin am Mittwochabend vor der Bezirksverordnetenversammlung.

Solange Teile der Bundeswehr-Flugbereitschaft in Tegel-Nord stationiert sind und Tegel als Regierungsflughafen genutzt wird, werde dort geflogen, so Wanjura. Hier seien erst vor zehn Jahren Millionenbeträge in neue Gebäude geflossen, die abgerissen und in Schönefeld neu gebaut werden müssten. Bevor die Bundesregierung nicht eindeutig erklärt habe, beide Einrichtungen in Tegel aufzugeben, seien alle Gedankenspiele über eine Nachnutzung eine „Verschwendung von Zeit und Geld“. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums bestätigte gestern auf Anfrage, dass dort noch keine Entscheidung über einen möglichen Umzug der Flugbereitschaft gefallen sei.

Eine komplette Schließung des Flughafens Tegel bedeutet für Reinickendorf den Verlust von 8000 direkten und 12 000 indirekten Arbeitsplätzen sowie 100 Ausbildungsplätzen. Von einer Weiternutzung des Flughafens Tegel durch Geschäftsflieger würden dagegen alle Beteiligten profitieren, so die Bürgermeisterin. Die Lärmbelastung der Anwohner werde drastisch verringert, der BBI von den kleinen Maschinen, die wenig Landegebühren bringen und wertvolle Slots blockieren, entlastet.

Die Forderung einer fliegerischen Weiternutzung von Tegel sei „unhaltbar“ und eine „für Berlin schädliche Politik“, sagte Senatssprecher Michael Donnermeyer. Sie widerspreche allen Beschlüssen, die auch der Bund als Gesellschafter mitgetragen habe. Für Tegel gelte noch mehr als für Tempelhof das Single-Airport-Prinzip des BBI. „Die Faktenlage ist eindeutig“, sagte auch der Sprecher der Berliner Flughafen-Gesellschaft, Eberhard Elie. Tempelhof werde danach 2008, Tegel nach der für Ende 2011 vorgesehenen Inbetriebnahme des neuen Airports in Schönefeld BBI geschlossen.

Parallel zum Schließungstermin gelte es, den Arbeitsplatzverlust durch sinnvolle Nutzungskonzepte für die nicht mehr für den Flugbetrieb benötigten Gebäude und Flächen zu kompensieren, fordert die Reinickendorfer Bürgermeisterin. Nach den Plänen eines „Wiesenmeers“ in Tempelhof müsse für Tegel das Motto „Visionen statt Wiese“ gelten, sagte Wanjura. Denkbar wären beispielsweise eine Solarfabrik wie in Frankfurt (Oder) und eine im Gegensatz zum Wolfsburger Vorbild zukunftsorientiert ausgerichtete Autowelt mit angeschlossenem Cluster für alternative Antriebe. Das heutige Terminal könnte in Ergänzung des ICC für kleinere Kongresse genutzt werden. Die Politikerin forderte einen hochkarätig aus Politik und Wirtschaft besetzten runden Tisch, der „ohne öffentliche Aufgeregtheit“ Potenziale analysiert und den Markt möglicher Investitionen sondiert.

Wanjura bezog sich bei ihrer Kritik auch auf Airport-Pläne in Brandenburg. Wie berichtet, wird gegenwärtig in einem Raumordnungsverfahren geprüft, den rund 50 Kilometer nordöstlich von Tegel gelegenen ehemaligen Militärflugplatz Eberswalde-Finow für Mittelstreckenjets auszubauen. Billigflieger wie Ryanair suchen nach einer Alternative zum BBI in der Hauptstadtregion. Im Luftfahrtkonzept des Landes Brandenburg ist der Standort als Regionalflughafen vorgesehen. „Die Behauptung, der Betrieb in Finow sei rechtlich unbedenklich, in Tegel jedoch nicht möglich, entbehrt für mich jeglicher Logik“, sagte Wanjura.

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