Mängel-Statistik : S-Bahn muss ihre Putzpläne vorlegen

Der Senat verlangt saubere und pünktliche Züge im Nahverkehr. 350 Fahrgäste helfen als Qualitätsscouts mit, die Einhaltung der Vorgaben zu kontrollieren.

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Abgeschrubbt. Der S-Bahn wurden strengere Auflagen für die Sauberkeit ihrer Züge auferlegt. Foto: Thilo Rückeis
Abgeschrubbt. Der S-Bahn wurden strengere Auflagen für die Sauberkeit ihrer Züge auferlegt. Foto: Thilo Rückeis

Zugausfälle sind für die S-Bahn ab sofort ein doppeltes Ärgernis. Denn sie zählen in der Mängelstatistik zweifach: nicht nur als Ausfall, sondern auch noch als Verspätung. Etwa 25 Millionen Euro wird das Land Berlin nach Berechnungen des Fahrgastverbandes IGEB in diesem Jahr wegen ausgefallener Züge einnehmen; dazu kommen 25 Millionen für sogenannte Schlechtleistungen wie verschmutzte Züge und Verspätungen.

Wie berichtet, haben Senat und S-Bahn am Montag einen Änderungsvertrag unterschrieben. Demzufolge kann das Land Berlin rückwirkend zum 1. Januar 2010 für schlechte Leistungen bis zu 16 Prozent der vereinbarten Zahlungen abziehen; für Zugausfälle werden darüber hinaus weitere Summen fällig. Das Ziel: Die S-Bahn soll sauberer und zuverlässiger werden. „Das ist nach der miserablen Qualität der letzten Jahre auch dringend nötig“, sagt der IGEB-Vorsitzende Christfried Tschepe.

Die Kontrolle, ob die S-Bahn die Ziele auch erfüllt, obliegt dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). Die S-Bahnen sind mit kleinen Sendern ausgestattet, die alle Zugbewegungen dokumentieren. Die Fahrer müssen zudem alle besonderen Ereignisse, Verspätungen und Betriebsstörungen notieren. Der VBB prüft die Angaben der S-Bahn auf Plausibilität – und entscheidet, ob es sich bei Verspätungen um unverschuldete oder selbstverschuldete Ereignisse handelt. „Eine hilflose Person am Gleis ist ein unverschuldetes Ereignis, ein Fahrzeugschaden ist selbstverschuldet“, sagt VBB-Sprecherin Elke Korokowski. Diese Daten sind die Basis für die monatliche Pünktlichkeitsstatistik. Sind weniger als 96 Prozent der Züge pünktlich, kann das Land Berlin dafür Geld abziehen.

Der VBB verlässt sich aber nicht nur auf die Angaben der S-Bahn. 350 Qualitätsscouts sind täglich im Einsatz: Fahrgäste, die dem VBB mitteilen, wenn ein Zug besonders schmutzig ist oder sich auf einer Strecke Verspätungen häufen. Zusätzlich sind immer wieder VBB-Mitarbeiter für Stichproben unterwegs.

Sie können in Zukunft ruhig genauer hinschauen, wenn sie die Sauberkeit beurteilen. Mit dem Änderungsvertrag sind auch strengere Regeln für die Sauberkeit in Kraft getreten. Künftig müssen Züge, die in der Nacht durchfahren, morgens feucht gewischt werden, auch im Winter soll das Standard werden. Nach Bedarf, spätestens aber alle 14 Tage, ist eine komplette Außenreinigung fällig. Graffiti muss die S-Bahn nach zwei Tagen entfernen lassen. Auch die Einhaltung der Sauberkeit wird vom VBB kontrolliert: Die S-Bahn muss dem Verkehrsverbund die Putzpläne für ihre Züge vorlegen. Außerdem werden auch Kundenbeschwerden berücksichtigt. Barbara Kerbel

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