Mobilität : Immer mehr Berliner verzichten aufs Auto

Die Hauptstadt hat bundesweit die niedrigste Pkw-Quote. Carsharing-Anbieter melden hingegen eine steigende Nachfrage.

Simon Frost
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Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Beim Blick etwa auf die Leipziger Straße möchte man die Statistik kaum glauben. Stoßstange an Stoßstange stehen die Autos, es geht nur langsam voran. Dennoch: Verglichen mit anderen Bundesländern hat Berlin den niedrigsten Bestand an Pkw je 1000 Einwohner: 319 Autos sind es laut Kraftfahrtbundesamt, im Bundesdurchschnitt sind es 503. Das liegt auch daran, dass in Berlin immer mehr Menschen ein Mietauto teilen:  beim Carsharing. Autofahrer können sich gegen Gebühr einen Wagen ausleihen und teilen es sich mit anderen Nutzern.

In Berlin werben ein halbes Dutzend Anbieter um Kunden. Die Firma Cambio etwa stockt ihr Angebot derzeit von 10 auf 19 Fahrzeuge auf, die an acht Stationen im Stadtgebiet auf Nutzer warten. Somit hat Cambio die Zahl seiner Fahrzeuge nach dem Start im Mai 2008 nahezu verdoppelt. Bei Cambio werden die Autos von 280 Kunden genutzt. Konkurrent Stadtmobil, seit zwei Jahren auf dem Markt, hat 15 Wagen im Einsatz und 350 Kunden. „Wir hatten im vergangenen Jahr eine Steigerung von 50 Prozent“, sagt Unternehmenssprecher Stutzbach. Die Anbieter DB Rent und Sixti konnten gestern keine Nutzerzahlen für Berlin nennen.

Ganz billig ist das Vergnügen des Autoteilens indes nicht. Die Preise staffeln sich nach Nutzungsdauer und gefahrenen Kilometern. Hinzu kommt eine monatliche Grundgebühr. Ein Wochenende in der Uckermark kann den Kunden schon mal 70 oder 80 Euro kosten. „Wer sehr viel fährt, für den lohnt sich Carsharing eher nicht“, sagt Martin Stutzbach von Stadtmobil. „Sehr viel“ beginnt nach Angaben des Bundesverbands Carsharing bei 10 000 Kilometern im Jahr. Beim Kurztrip kommt man indes auf seine Kosten. Nach Aussage der Anbieter wächst die Nachfrage in Berlin besonders stark.

Das Carsharing-Prinzip hat in Berlin Tradition. Einer der ersten Anbieter war Stattauto, inzwischen: Greenwheels. Das Unternehmen hat 75 Stationen in der Stadt, 15 mehr als vor zwei Jahren. 4500 Kunden teilen sich 80 Autos. „Bei uns stagniert die Zahl der Kunden derzeit“, sagt Geschäftsführer Birger Holm. Das liegt aber seiner Ansicht nach in erster Linie an einer Preiserhöhung im vorigen Jahr.

Die Anbieter konzentrieren sich auf bestimmte Kieze. „Wir sprechen jüngere Menschen an, die dort wohnen, wo es wenig Parkraum gibt“, sagt Stadtmobil-Sprecher Martin Stutzbach. Bei Cambio befinden sich die Stationen, an denen die Autos für die Kunden bereit stehen, in Kreuzberg und Schöneberg. Aktuell kommt Prenzlauer Berg hinzu. Dort ist Stadtauto bereits vertreten, ein weiterer Schwerpunkt soll Kreuzberg sein. Simon Frost

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