Nach Aussichtsturm-Eröffnung : Neue Sympathie für Airport BBI

Der Ansturm auf den Aussichtsturm auf der Baustelle für den Großflughafen Schönefeld ist gewaltig. Mit purer Neugierde kann das nicht erklärt werden. Die Berliner und Brandenburger wollen ihren neuen Flughafen endlich wachsen sehen.

Ein Kommentar von Claus-Dieter Steyer

Mit purer Neugierde kann das nicht erklärt werden. Dafür ist der Ansturm auf den Aussichtsturm inmitten der Baustelle für den Großflughafen in Schönefeld zu gewaltig. Zwar ist die Begeisterung der Berliner und Brandenburger für entstehende Großprojekte spätestens seit der roten Info-Box am Potsdamer Platz enorm – damals jedoch drehten sich die Kräne mitten in der Stadt und alle Berichte strotzten nur so von Superlativen. Der Turm in Schönefeld dagegen liegt ziemlich weit draußen. Dazu kommen weitere Hürden, die einen spontanen Ausflug fast unmöglich machen. Einen Platz im Baustellenbus gibt es nur nach telefonischer Terminvergabe, man braucht zudem vorher einen Parkplatz und muss sich auch noch einer Gruppe unterordnen. Dennoch wird die Flughafengesellschaft als Betreiber geradezu vom Publikum überrannt.

Da mutet es fast schon paradox an, dass ausgerechnet die von vielen Pleiten, juristischen und technischen Rückschlägen geplagten Airport-Betreiber selbst dieses Interesse ausgelöst haben. Die meisten Baustellenbesucher wollten sich an den ersten Tagen nämlich selbst davon überzeugen, ob denn auf dem Areal überhaupt schon gebaut wird.

Die erst kürzlich getroffene Entscheidung zur Neuausschreibung der wichtigsten Aufträge für den Terminal, der Streit um Nachtflüge oder die Debatten um einen ICE-Halt am Flughafenbahnhof führten zu einer kaum noch zu übertreffenden Verwirrung. Dabei geht es allein um das Geld des Steuerzahlers.

Vom neuen Turm aus kann er nun mit eigenen Augen sehen, dass tatsächlich in der Nachbarschaft des bestehenden Flughafens eine Menge märkischer Sand bewegt wird. Bagger, Kipper, Betonmischer und andere Laster fahren kreuz und quer und hin und her. Der unterirdische ICE-Bahnhof nimmt ebenso wie die moderne Autobahn aus dem Berliner Stadtzentrum Gestalt an. So mancher Neugierige kann sich daran gar nicht satt genug sehen. Die 30 Minuten Turmaufenthalt reichen da kaum aus, zumal sich auch Flugzeuge ins Bild drängen.

Offenbar hat die Flughafengesellschaft das Interesse am Info-Tower unterschätzt und vielleicht die überwiegend schwach besuchte „Airportworld“ mit ihren Plänen und Modellen zum Maßstab genommen. Anders ist die Anschaffung eines einzigen Busses für die Besucher kaum zu erklären. Hier kann nur eine verbesserte Besucherlenkung helfen.

Die Flughafenbetreiber sollten diese riesige Chance zur Imagewerbung für ihr Vorhaben nicht verstreichen lassen und die täglich vier Busfahrten mindestens verdoppeln. Die Berliner und Brandenburger wollen ihren neuen Flughafen endlich wachsen sehen, buchstäblich. Selbst gegenüber den vom Fluglärm geplagten Anwohnern braucht sie deswegen kein schlechtes Gewissen zu plagen. Die hoffen genauso auf die Eröffnung des Airports am 1. 11. 2011, fällt doch dann der Nachtflugverkehr weg. Außerdem lässt sich in luftiger Höhe über alle Probleme und Ideen ganz vortrefflich diskutieren.

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