Nach Pannenserie : Bahn verspricht: Keine Missstände mehr

UPDATE Bei der S-Bahn Berlin hat es über Jahre erhebliche Fehler des Managements gegeben. Außerdem sind die Züge des Herstellers Bombardier falsch konstruiert. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Untersuchung über die Mängel bei der S-Bahn in den vergangenen Monaten, die der Mutterkonzern Deutsche Bahn bei einer Anwaltskanzlei in Auftrag gegen hatte.

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Die Folgen der Wartungsrückstände bekommen bis heute die Fahrgäste zu spüren. -Archivfoto: ddp

Künftig werde es derartige Missstände nicht mehr geben, versprach Ulrich Homburg, Personenverkehrs-Vorstand des Konzerns, bei der Vorstellung des Gutachtens am Dienstag in Berlin. Die Fakten will die Bahn der Staatsanwaltschaft übergeben, die bereits gegen Verantwortliche der S- Bahn ermittelt.

Bereits seit Monaten kann die S-Bahn einen beträchtlichen Teil ihrer Züge nicht mehr einsetzen, weil sie wegen Problemen an Rädern und Bremsen als nicht mehr sicher gelten und häufiger als zuvor geprüft werden müssen. Die Bahn hatte die Kanzlei Gleiss Lutz beauftragt, die Ursachen herauszufinden. Zehn Ermittler sichteten daraufhin tausende Dokumente und befragten rund 100 Mitarbeiter und Manager. Sie hätten völlig unabhängig arbeiten können, unterstrich die Bahn.

Die Fahnder stießen auf „erhebliche Organisationsdefizite“ im Unternehmen. So gebe es „kein funktionierendes System der Qualitätssicherung“. Auch seien Mitarbeiter nicht geschult und Wartungsfristen verlängert worden. Für die Wartung der Bremsanlagen habe es unzureichende, zum Teil auch falsche Vorgaben gegeben. Über Jahre hinweg seien deshalb mehr als 6000 Teile nicht wie erforderlich ausgetauscht worden. Bei Kontrollen im vergangenen September war festgestellt worden, dass an einem Wagen die Hälfte der Bremsen defekt war. Das Eisenbahn-Bundesamt ließ deshalb bis zur Reparatur einen Großteil der Flotte stilllegen.

Als weitere Ursache für die Zugausfälle sehen die Experten „gravierende konstruktive Fahrzeugmängel“ an. So seien die Räder nicht ausreichend dimensioniert, ebenso die Bremsanlage. Bombardier als Hersteller verweist darauf, dass die Züge „fachgerecht und vertragsgemäß“ gebaut worden seien. Sie entsprächen den Forderungen der S-Bahn. Die Fahrzeuge seien zudem von der zuständigen Behörde zugelassen worden. Als Konsequenz soll die S-Bahn in Zukunft nicht mehr Teil des Konzerbereichs Stadtverkehr sein, sondern in die Sparte DB Regio eingegliedert werden. Davon verspricht sich die Bahn einheitliche Qualitäts- und Sicherheitsstandards.

Einen Zusammenhang des Desasters mit dem Sparkurs sehen die Prüfer nicht. Für sie war die S-Bahn ein „Sanierungsfall“, der aber in diesem Jahr immerhin einen Gewinn in Höhe von 125,1 Millionen Euro an den Konzern abführen sollte. Weitere personelle Konsequenzen gibt es vorläufig nicht. Hier will die Bahn das Ergebnis der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und weiterer Anhörungen abwarten.

Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) kündigte an, den Bericht genau zu lesen, um herauszufinden, wer Fehler begangen habe. Von der Opposition kam heftige Kritik. Der Bericht sei „eine Farce“ und voller „Halbwahrheiten“, erklärte die Grünen-Verkehrsexpertin Claudia Hämmerling. Die CDU nannte die Studie „enttäuschend“.

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