Nach Terroranschlag auf Mallorca : Flugverkehr in Berlin läuft wieder normal

UPDATE Die Schließung des Flughafens von Mallorca traf auch Hunderte Berliner. Nach den Verspätungen vom Donnerstag verkehren heute die Flüge zwischen den beiden Hauptstadt-Flughäfen und der spanischen Insel wieder pünktlich.

Rainer W. During,Tanja Tricarico
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Passagiere am Flughafen Schönefeld -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Weder in Tegel noch in Schönefeld gab es am Freitag nach Angaben der Flugauskunft nennenswerte Verspätungen. Das letzte Flugzeug aus Spanien landete erst am Freitagmorgen um 0:30 Uhr in Tegel. Air Berlin, die in Palma ein Drehkreuz mit Weiterflügen auf das spanische Festland, zu den anderen balearischen Inseln und nach Portugal betreibt, flog am Donnerstag von Berlin, Düsseldorf, Frankfurt Hamburg, Hannover, Köln, München und Stuttgart mit Verspätungen.

Von der vorübergehenden Schließung des Flughafens Mallorca am Donnerstag waren auch rund 400 Berliner Touristen betroffen. Zwei Abflüge und eine Ankunft waren um bis zu zwei Stunden verspätet.

"Eta hat kein Interesse an Touristen"

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Schlechte Karten. Viktoria Klöpperpieper war eine von Hunderten, die auf dem Flughafen Tegel ausharren mussten. -Foto: Uwe Steinert

Abgesehen vom besonderen Gedränge vor manchen Flugschaltern herrschte in Tegel am Donnerstagabend normaler Betrieb. Während die meisten Fluggäste direkt am Flugsteig ausharrten, vertrieb sich Jörg Weimann in der Halle die Wartezeit. Weimann hat im Radio von dem Bombenanschlag gehört. Zusammen mit seinem Sohn Paul und drei Freunden wollte er in Palma de Mallorca vier Tage lang die Feierlichkeiten zu Ehren des Inselheiligen anschauen. „Vor weiteren Bombenanschlägen habe ich keine Angst“, sagte Weimann. „Die Eta hat doch an Touristen kein Interesse.“

Insgesamt gab es gestern nur fünf Hin- und Rückflüge zwischen Berlin und Palma. Zwei Air-Berlin-Flüge ab Tegel sowie eine Maschine des britischen Billigfliegers Easyjet in Schönefeld waren am Vormittag noch pünktlich nach Mallorca gestartet und nach Berlin zurückgekehrt. Auch ein Condor-Airbus aus Palma traf noch planmäßig in Schönefeld ein.

„Die Schweinegrippe macht mir mehr Sorgen“

Nach dem Terroranschlag vor einer Polizeikaserne in Palmanova hatten die Behörden im Zuge der Fahndung nach den Tätern von 16 bis 18 Uhr auch den Flughafen der Insel gesperrt. 17 bereits im Anflug befindliche Maschinen durften trotzdem landen. Durch die Unterbrechung verspäteten sich dann die restlichen drei Berlin-Flüge des Tages. Der für 18.10 Uhr vorgesehene Air-Berlin-Flug AB 9142 ab Tegel und der für 18.50 avisierte Condor-Flug DE 4728 von Schönefeld starteten erst gegen 20.30 Uhr. Die Air-Berlin-Maschine mit der Flugnummer AB 9163, die um 19.55 von Palma in Richtung Berlin abheben sollte, war nach Angaben der spanischen Flugsicherung Aena bis 21.30 Uhr verspätet. Der Jet, der ursprünglich um 22.35 Uhr in Tegel erwartet wurde, sollte dort mit einer Ausnahmegenehmigung vom Nachtflugverbot heute früh gegen 0.20 Uhr eintreffen. Insgesamt traf die Sperrung des Flughafens Air Berlin besonders hart, weil die Fluglinie auf Mallorca ihr Spanien-Drehkreuz hat. Deutschlandweit waren es acht Hin- und 18 Rückflüge, die Air Berlin am Abend noch abzuwickeln hatte.

Jörg Weimann, der wegen der abgeriegelten Ferieninsel auf dem Flughafen Tegel gestrandet ist, sorgt sich zwar nicht wegen des Terrors, ärgert sich nach eigenem Bekunden aber sehr über die Verspätung. Schließlich habe er nicht viel Zeit für den Urlaub. Dagegen wirft ein Begleiter des 45-Jährigen ein: „Mein Mitgefühl ist bei den Angehörigen.“ Er fügt hinzu: „Die Schweinegrippe macht mir mehr Sorgen.“ Schließlich haben sich in den vergangenen Wochen schon Dutzende Spanien-Urlauber mit dem Virus infiziert – einige von ihnen auf Mallorca.

Weniger gelassen angesichts der Terroranschläge auf der Ferieninsel sind Viktoria Klöpperpieper und Madeleine Zentgraf. Sie warten mit einem flauen Gefühl im Bauch auf den Flug nach Palma. Eine Woche Urlaub haben sie gebucht. Die beiden Frisör-Azubis wollen ausspannen und in der Sonne liegen. Und vor allem feiern. „Wir könnten schon längst da sein“, sagt Klöpperpieper. Das Handy ihrer 17-jährigen Freundin Madeleine klingelt. Ihre Mutter gibt ihr die Neuigkeiten zum Anschlag durch. Die beiden Freundinnen machen zum ersten Mal Urlaub ohne Eltern. Hier bleiben wollen sie auf keinen Fall. „Es wird schon nichts passieren“, sagt Klöpperpieper.

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