Nachnutzungskonzept für Tempelhof : Junge-Reyer für Schlangenpfuhl

Taucht Berlins verschwundener Badesee wieder auf? Das ist die Idee, für die sich Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyer begeistert, wenn es um das umstrittene Nachnutzungskonzept des Tempelhofer Flughafens geht.

Holger Melas
Schlangenpfuhl
So könnte der Tempelhofer Badesee im Herzen der Hauptstadt aussehen. -Fotos [M]: ddp, Archiv, Jens Jeske (Montage)

BerlinDer berühmte Architekt Sir Norman Foster bezeichnete den Flughafen Tempelhof einst als "die Mutter aller Flughäfen". Im Herbst 2008 wird der Betrieb endgültig eingestellt. Eine riesige Freifläche mit einer Größe von 386 Hektar bleibt, die mit guten Ideen genutzt werden soll. Auch das gigantische Gebäude, immerhin das drittgrößte der Welt, bietet Platz für Träume.

Nur fiel es dem Senat jahrelang schwer, neue Ideen mit Begeisterung zu unterstützen. Immer wieder wurde die Debatte durch Gerichtsprozesse der letzten verbliebenen Fluggesellschaften verschleppt und vertagt. Ende 2006 hieß es, die Firma Estée Lauder Companies wolle Tempelhof übernehmen. Der Kosmetikkonzern mit weltweit 22.000 Mitarbeitern hätte den Linien- wie den Geschäftsreiseflugverkehr bis 50 Tonnen erhalten und im Flughafengebäude ein Medizinzentrum mit Klinik einrichten wollte. Doch daraus wurde nichts.

Im Juli 2007 zählte Tempelhof dann nur noch 1000 Gäste pro Tag, das Ende rückte näher. Im Oktober nächsten Jahres wird die letzte Maschine starten. Berlins Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) wagt nun endlich einen Vorstoß und spricht sich für den "Tempelsee" aus. "Ich kann mir gut vorstellen, dass Spielplätze neben Sportplätzen, Skatingbahnen neben Grünflächen oder Gärten existieren", sagt die Senatorin für Stadtentwicklung. Ihr klarer Favorit unter den Vorschlägen ist allerdings der Schlangenpfuhl-Badesee, wie ihre Sprecherin Manuela Damianakis auf Anfrage von tagesspiegel.de bestätigte.

Online-Dialog: "Was braucht Berlin an diesem Ort?"

Ein Baustein der öffentlichen Diskussion war der Online-Dialog. Der vom Senat ausgeschriebene Ideenwettbewerb zur Nachnutzung ist nicht nur bei Berlinern auf rege Resonanz gestoßen. In der ersten Phase vom 23. Mai bis zum 21. Juli 2007 wurde dazu aufgerufen, Leit-Ideen zu formulieren. 32.000 Personen besuchten die Internetseiten, tausende setzten sich intensiv mit dem Thema auseinander und diskutierten. In über 900 Ideen-Beiträgen wurden knapp 3.400 Einzelaspekte und vorgeschlagen.

 Allein 55 der zahlreichen Vorschläge beschäftigen sich mit dem Gedanken, den dort ehemals existierenden Badesee neu entstehen zu lassen. Näher gelegen als der Wannsee, war der in der Hauptstadt so genannte Schlangenpfuhl bis Mitte der 20er Jahre ein beliebtes Freizeitziel der Berliner.

Skater- und Schlittschuhstrecke zur Zwischennutzung

Aber nicht nur ein Badesee ist geplant. Zusätzlich soll an den Rändern des Flugfelds eine Öko-Siedlung entstehen. In den riesigen Hangars wäre Platz für ein Luftfahrtmuseum. Mögliche Exponate befinden sich bereits in den Hangars.

Aber wie ensteht ein See inmitten einer Weltstadt? Weltweit sollen Architekten sich darüber Gedanken machen und Vorschläge unterbreiten, wie die diversen Ideen praktisch umsetzbar sind. Es wird Jahre dauern, bis Berlin seinen verschwundenen See zurückerhält. Zur Zwischennutzung ist daher zunächst eine Rollbahn für Skater vorgesehen, die im Winter von Schlittschuhläufern genutzt werden kann.

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