Nachtverkehr : S-Bahn soll Fahrgästen Taxi bezahlen

Im Nachtverkehr des Winterfahrplans gehen viele Anschlüsse verloren, wenn Fahrgäste von der S-Bahn zu anderen Bahnen und Bussen umsteigen. Der Senat fordert daher "unkomplizierte" Lösungen.

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Diesmal wieder Kabeldiebstahl: Am Dienstagmorgen gab es wieder Verspätungen und Zugausfälle bei der Berliner S-Bahn. Vor allem der Osten Berlins war betroffen. Hier die entsprechende Mitteilung am Bahnhof Greifswalder Straße. Foto: Maik WertherWeitere Bilder anzeigen
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29.05.2012 07:23Diesmal wieder Kabeldiebstahl: Am Dienstagmorgen gab es wieder Verspätungen und Zugausfälle bei der Berliner S-Bahn. Vor allem der...

Die S-Bahn soll bis zum Wochenende ihren „Winterfahrplan“ nachbessern – oder unkompliziert regeln, dass Fahrgäste im Nachtverkehr mit Taxis weiterfahren können, wenn es beim Umsteigen zu langen Wartezeiten kommt. So haben es der Senat und die Landesregierung in Brandenburg am Dienstag gefordert, die der S-Bahn vorwerfen, sie habe erneut nicht ausreichend auf Probleme hingewiesen.

Der „Winterfahrplan“, der seit Montag gilt, sieht vor, dass die Züge im durchgehenden Nachtverkehr an den Wochenenden nicht mehr alle 30 Minuten, sondern nur noch alle 40 Minuten fahren. Die Anschlüsse zu anderen Bahnen und Bussen sind aber auf den 30-Minuten-Takt abgestimmt. Da nachts seltener gefahren wird, kann es sein, dass Fahrgäste beim Umsteigen lange warten müssen.

Die S-Bahn hat nun den Tagesverkehr als Basis genommen und lässt in der Nacht einfach jede zweite Fahrt ausfallen. Wo die Züge tagsüber alle zehn Minuten fahren, sind sie nachts nun alle 20 Minuten unterwegs, und aus dem 20-Minuten-Takt am Tag wird eben ein 40-Minuten-Abstand in der Nacht. Nur auf dem Abschnitt Hennigsdorf–Nordbahnhof bleibt es nachts beim 30-Minuten-Takt.

Zudem hat die S-Bahn den Nachtverkehr am Morgen um rund eine Stunde verlängert, sodass die Anschlüsse auch bei Frühaufstehern oder Spätheimkehrern oft passé sein werden. Die Abkehr vom bisherigen 30-Minuten-Rhythmus beim Nachtverkehr begründet die S-Bahn mit „fehlender Planungskapazität“. Das Erstellen von Fahrplänen erfordert normalerweise einen mehrmonatigen Vorlauf. Für ihren „Winterfahrplan“ hatte die S-Bahn aber nur wenige Wochen Zeit.

Sie hat ihn grundsätzlich auf Tempo 60 abgestellt, weil die Züge bei einem erneuten Wintereinbruch nicht schneller fahren dürfen, wenn, wie zuletzt, Rohre für den Bremssand einfrieren. Der alte Fahrplan war auf 80 km/h Höchstgeschwindigkeit abgestimmt. Ursprünglich durften die Züge sogar 100 km/h fahren. Auf den alten Fahrplan hatten auch alle anderen Verkehrsunternehmen im Verkehrsverbund ihre Fahrpläne bei den Anschlüssen ausgerichtet. Bis auf wenige Ausnahmen ist es nicht gelungen, hier auf die Schnelle neue Pläne zu erstellen. Die BVG konnte von ihren derzeit 234 Linien lediglich fünf anpassen.

Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) und Brandenburgs Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) werfen der S-Bahn vor, sie nicht über diese Einschränkungen informiert zu haben, als die S-Bahn den Entwurf für den „Winterfahrplan“ vorgelegt habe, dem man ohnehin nur zähneknirschend zugestimmt habe. Junge-Reyer und Vogelsänger forderten die S-Bahn auf, die „Anschlusslücken“ bis zum Wochenende zu schließen. Andernfalls müsse die S-Bahn zusätzliche Bus- oder Straßenbahnfahrten bestellen, um Anschlüsse zu sichern, Sollte auch dies nicht gelingen, müssten die Fahrgäste unkompliziert in Taxis umsteigen können. Bei einer Vorbestellung könnte es dafür genügend Fahrzeuge geben, heißt es.

Die S-Bahn will nun nach Angaben eines Sprechers Gespräche zu diesen Themen mit den Ländern führen, um schnell eine Lösung zu finden.

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