Nahverkehr : "Leichter Rumpelverkehr" bei der bestreikten BVG

UPDATE Die DBB-Tarifunion zieht eine positive Bilanz des Warnstreiks am Dienstag. Von 3 Uhr früh bis nachmittags kam es bei Bussen und U-Bahnen zu Verspätungen von bis zu 15 Minuten.

von und Jana Haase
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Klare Ansage. Streik-Transparent an einem Auto in Spandau. -Foto: ddp

Die DBB-Tarifunion zeigte sich zufrieden mit dem Warnstreik bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) am Dienstag. Knapp 400 von insgesamt 500 zum Streik aufgerufenen Fahrer hätten sich an dem Arbeitsausstand beteiligt, sagte eine Sprecherin am Nachmittag gegenüber Tagesspiegel Online. Das Ziel sei erreicht worden: "Wir wollten nicht die Fahrgäste schädigen, sondern durch den leichten Rumpelverkehr zum Nachdenken auffordern." Verhandlungsführer Willi Russ hofft nun auf Bewegung bei den Arbeitgebern für die neue Gesprächsrunde am 18. Februar.

Zu Verspätungen kam es besonders auf den Strecken der U-Bahn-Linien 5, 7 und 8, sagte BVG-Pressesprecherin Petra Reetz am Nachmittag. Die U4 sei zwischenzeitlich nur im 20-Minuten-Takt gefahren, weil man Fahrer von dort abgezogen haben. Auch bei den Bussen kam es stadtweit zu Verspätungen von durchschnittlich 5 bis 7 Minuten. "Wir haben es gemerkt, es gab aber kein Verkehrschaos." Insgesamt seien etwa 100 Fahrer nicht zum Schichtdienst gekommen.

Die durch das S-Bahn-Chaos bereits seit Monaten geplagten Berliner nahmen die zusätzlichen Verspätungen offenbar gelassen auf. Beschwerden bei der BVG habe es kaum gegeben, so Reetz: "Da sind die Berliner ziemlich tolerant." Viele Fahrgäste hätten den Streik gar nicht bemerkt und die Verspätungen stattdessen dem Frostwetter zugerechnet.

Dennoch war die Stimmung am Morgen auf dem U-Bahnhof Alexanderplatz genervt. Dort fuhren die U-Bahn-Linien 5 und 8 unregelmäßig, auf den Anzeigentafeln wurde um Geduld gebeten. "Das ist zum Kotzen", befand etwa ein Mittdreißiger auf dem Weg zur Arbeit.

Dass der Warnstreik vergleichsweise milde ausfiel, hängt auch damit zusammen, dass mehr als 80 Prozent der Beschäftigten nicht in der DBB-Tarifunion, sondern in der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi organisiert sind. Verdi hat sich vom Warnstreik distanziert, weil die Tarifverhandlungen für die rund 12.000 Mitarbeiter der BVG und der BVG-Tochterfirma Berlin Transport nach ihrer Einschätzung auf einem guten Weg sind. Die DBB Tarifunion fordert fünf Prozent mehr Einkommen, mindestens jedoch einen Zuwachs zwischen 110 und 150 Euro je nach Entgeltstufe. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 18. Februar geplant. (mit jg)

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