Nahverkehr : S-Bahn zahlte Millionen für Berater

Trotz harten Sparkurses gibt das Unternehmen viel Geld für externe Dienstleister aus. Der Senat will erst Vertreter in den Aufsichtsrat entsenden, wenn der seine Hausaufgaben gemacht hat.

Klaus Kurpjuweit
295759_3_xio-fcmsimage-20090821222155-006000-4a8f01e345916.heprodimagesfotos83120090822sbahn001.jpg
Ende des Sparprogramms. Die S-Bahn will zum Beginn des Schulunterrichts wieder weitgehend zum Normalbetrieb zurückkehren. Ab 31....

Die S-Bahn, der von der Bahn ein rigider Sparkurs verpasst worden ist, hatte im vergangenen Jahr noch genügend Geld, um externe Berater in großem Stil beauftragen zu können. 3,4 Millionen Euro hat sie dafür ausgegeben. Ein Jahr zuvor waren es noch lediglich 955 000 Euro. Die BVG dagegen fuhr ihre Ausgaben für Berater erheblich zurück: von 1,9 Millionen Euro auf 967 000 Euro. Außerdem führt die S-Bahn in ihrer Bilanz für 2008 „Repräsentationskosten“ in Höhe von 1,15 Millionen Euro auf. Ein Jahr zuvor waren es 1,317 Millionen Euro.

Diese Ausgaben hätten nichts mit einer üppigen Repräsentation des Unternehmens zu tun, sagte ein Bahnsprecher. Der Bilanzposten enthalte im Wesentlichen die Aufwendungen für die Verpflegungspauschale vor allem von Triebfahrzeugführern. Diese bekommen bei langer Abwesenheit von zu Hause einen Zuschuss, der nach Angaben von Mitarbeitern aber bereits in den bilanzierten Lohnkosten enthalten sein müsste. Warum diese Ausgaben als „Repräsentationskosten“ geführt würden, konnte der Bahnsprecher nicht sagen.

Die Aufwendungen für Berater seien vor allem gestiegen, weil man im vergangenen Jahr für die Bewerbung um den Betrieb der U-Bahn in Stockholm externe Hilfe benötigt habe. Die Ausgaben waren allerdings vergeblich, denn den Zuschlag erhielt ein Unternehmen aus Hongkong.

Großspurig hatte der Vorsitzende des Bereichs Stadtverkehr der Bahn, Hermann Graf von der Schulenburg, vorher geworben: „Die S-Bahn Berlin genießt national wie auch international einen guten Ruf und steht für Erfahrung und Kompetenz im Stadtverkehr.“ Inzwischen ist die S-Bahn in Berlin in das größte Desaster ihrer Geschichte gefahren. Externen Rat habe das Unternehmen außerdem benötigt, um sein Computersystem zu optimieren, sagte der Bahnsprecher weiter.

Auch die BVG habe den Großteil der Beraterhonorare für die Softwareentwicklung ausgegeben, sagte Sprecherin Petra Reetz. Dies sei günstiger, als Fachleute fest einzustellen. 2007 habe man sich besonders vor Abschluss des Verkehrsvertrages mit dem Land, das Eigentümer der BVG ist, extern beraten lassen. Das Unternehmen habe seit dem Amtsantritt von Chef Andreas Sturmowski im Jahr 2005 die Beraterhonorare erheblich gesenkt. 2002 habe die BVG hierfür noch 9,5 Millionen Euro ausgegeben.

Bei der BVG müssen Verträge mit höheren Summen vom Aufsichtsrat genehmigt werden, in dem hin und wieder auch kritische Fragen gestellt werden. Bei der S-Bahn hat die Bahn dagegen unter dem damaligen Vorstandschef Hartmut Mehdorn kritische Mitglieder aus dem Aufsichtsgremium gedrängt, die auch aus der Wirtschaft kamen. Kontrolliert wird die S-Bahn jetzt nur noch von Mitarbeitern aus dem Bahnbereich sowie von den Vertretern der Arbeitnehmer.

Pikant dabei: Aufsichtsratsvorsitzender ist Graf von der Schulenburg. Er ist zugleich Chef des Bereichs Stadtverkehr im Konzern, der seit Jahren von der S-Bahn verlangt, Millionengewinne an den Konzern abzuführen. 56 Millionen Euro waren es noch 2008. Für 2010 waren einst sogar 125,1 Millionen Euro geplant. Hinzu kamen im vergangenen Jahr unter anderem „Aufwendungen für Umlagen und Managementverträge“ mit dem Konzern in Höhe von 24,665 Millionen Euro.

Die SPD hat, wie berichtet, gefordert. von der Schulenburg als Aufsichtsratsvorsitzenden abzulösen und in das Gremium auch Vertreter der Länder Berlin und Brandenburg zu entsenden. Beide zusammen zahlen für den Betrieb der S-Bahn jährlich fast 260 Millionen Euro. Die Stadtentwicklungsverwaltung will jedoch, dass das Gremium die unter seiner Verantwortung entstandenen Probleme erst selbst löst. Danach könne man darüber nachdenken, ob man eigene Vertreter in den Aufsichtsrat schicken wolle, sagte Sprecherin Manuela Damianakis.

0 Kommentare

Neuester Kommentar