Nahverkehr : Senat will S-Bahn Mittel kürzen

Acht Euro pro nicht gefahrenen Kilometer: Nach den Ausfällen während der Kältewelle will Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer der S-Bahn die Zuschüsse kürzen. Das Management entschuldigte sich erneut für die Pannen.

S-Bahn
Im Kreuzfeuer. Die Kältewelle kann die S-Bahn teuer zu stehen kommen. -Foto: ddp

Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) hat eine Kürzung der Zuschüsse für die S-Bahn angekündigt. Im RBB-Inforadio kritisierte sie am Montag das Bahnunternehmen heftig. Nach den Problemen Anfang Januar, bei denen es aufgrund von Eis und Schnee zu Zugausfällen und Verspätungen kam, würde nun "eiskalt gerechnet" und die "ausgefallene Kilometerleistung zusammengezählt".

Junge-Reyer zeigte sich den Angaben zufolge befremdet darüber, dass es offensichtlich kein Störfallmanagement bei der S-Bahn gebe. Es könne ja nicht überraschend sein, dass es Anfang Januar kälter werde, sagte die Senatorin weiter. Bis Ende des Monats werde man die ausgefallenen Kilometer zusammenrechnen und acht Euro pro Zugkilometer "schlicht nicht zahlen". Nach Darstellung Junge-Reyers ist es bereits im vergangenen Jahr zu einem Schaden von fünf Millionen Euro gekommen, der durch Zugausfälle und Unpünktlichkeit verursacht worden sei.

SPD kritisiert "Chaostage"

Das Management der Berliner S-Bahn entschuldigte sich erneut für Ausfälle und Verspätungen zu Jahresbeginn. "Die Zustände zwischen dem 6. und 9. Januar waren schlicht nicht in Ordnung", sagte der Geschäftsführer des Unternehmens, Tobias Heinemann, bei einer Anhörung vor dem parlamentarischen Verkehrsausschuss. "Entschuldigung Berlin, Entschuldigung Fahrgäste", sagte Heinemann. Für den Antragsteller SPD-Fraktion nannte deren Parlamentarischer Geschäftsführer Christian Gaebler die Zeit "Chaostage".

Nicht Regen oder Schnee seien die Ursache für die Ausfälle gewesen, betonte Heinemann. "Die Probleme traten durch die tiefen Temperaturen von bis zu minus 22 Grad und das damit verbundene Lahmlegen der Sicherheitssysteme auf", sagte der Manager. Konkret seien Fahrsperren und sogenannte Streckenanschläge vereist gewesen. Zusätzlich seien Probleme mit der Energieversorgung in der S-Bahn-Anlage Wannsee aufgetreten, wegen denen zeitweise ganze Züge in den fraglichen Tagen nicht eingesetzt werden konnten, erklärte Heinemann. Bis auf die Zeit zwischen dem 6. und 9. Januar habe die S-Bahn im Monat aber eine Pünktlichkeitsquote von knapp 95 Prozent erreicht.

VBB: S-Bahn hat versagt

Der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Hans-Werner Franz, warf der S-Bahn "Versagen" vor. Die Situation sei nicht höherer Gewalt geschuldet, zumal die niedrigen Temperaturen angekündigt worden waren. Bei den Nahverkehrszügen der DB Regio und bei den Berliner Verkehrsbetrieben habe es in der fraglichen Zeit keine Ausfälle gegeben. Gleiches gelte für Metropolen wie München oder das Rhein-Main-Gebiet.

Anfang des Monats hat die extreme Witterung in der Region zu erheblichen Behinderungen bei der S-Bahn und den Regionalzügen geführt. Durch Eisregen waren Frontscheiben, Türen und technische Teile von Zügen vereist. Mehrere S-Bahn-Linien verkehrten gar nicht. (küs/ddp)

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