Nahverkehr : Tramgleise bekommen Beleuchtung

Immer wieder kommen Autofahrer Straßenbahngleise in die Quere. Nun versucht die BVG gegen zu steuern.

Stefan Jacobs
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Schief gegangen. Statistisch kommt es bei der Straßenbahn jeden dritten Tag zu Problemen wegen Autos im Gleisbett. -Foto: Imago/Citypress

Die BVG hat ein Problem, das statistisch mindestens an jedem dritten Tag auftritt. Es lautet: „Auto im Gleisbett der Straßenbahn“. Es passiert vorzugsweise an Stellen, an denen Tramgleise und Autospuren sich trennen. Wer dort nicht Obacht gibt, rumpelt über den Schotter und muss in aller Regel mit dem Abschleppwagen wieder herausgeholt werden. Oder, was bei ebenerdig verlegten Gleisen ebenfalls häufig passiert: Ein Autofahrer biegt vor der Tram ab und blockiert dann die Schienen.

Dagegen geht die BVG neuerdings mit Hightech vor. Am Prerower Platz in Hohenschönhausen wurde kürzlich eine Lampenreihe in den Boden eingelassen, die einen bereits mit einer dicken Linie markierten Kurvenverlauf anzeigt und Autofahrer daran hindern soll, bei Gedränge auf die asphaltierten Tramgleise auszuweichen. Die betroffene Haltestelle am Lindencenter sei regelmäßig blockiert, berichtet BVG-Sprecherin Petra Reetz. „Wenn ein Fahrer dort drei Minuten warten muss, zerschießt er sich seinen Fahrplan.“ Selbst wenn nur noch wenige Meter bis zur Haltestelle fehlen, dürften die Fahrer niemanden aus- und einsteigen lassen.

Gummiplatten auf dem Asphalt sollen die eingelassenen Leuchten vor Schäden schützen. Die Lampen bleiben immer eingeschaltet, sind aber zumindest an sonnigen Tagen kaum zu sehen. „Diese Art der Markierung ist ein Test“, sagt Reetz und fügt hinzu: „Wir gehen davon aus, dass es wohl ausgeweitet wird.“ Dann könnten die Leuchtenreihen auch an den erwähnten Straßenschwenks Autofahrern den rechten Weg weisen. Nach Auskunft von Reetz gibt es keine hervorstechenden Schwerpunkte für Zwischenfälle dieser Art. Es passiere mal hier und mal da.

Die Polizei führt gleich gar keine Statistik zu dem Thema, hat aber die Unfallzahlen: 285 Unfälle mit Straßenbahn-Beteiligung gab es demnach im vergangenen Jahr. Dabei wurde nur jeder sechste Crash vom Tramfahrer verursacht. In den meisten Fällen waren Fehler beim Abbiegen die Ursache, gefolgt von nicht gewährter Vorfahrt.

Mehr noch als die verirrten Autos treibt BVG-Sprecherin Reetz ein anderes Ärgernis um: Alle anderen Verkehrsteilnehmer, also Autofahrer, Radler und Fußgänger, hielten die Tram für lahm und kämen ihr in die Quere nach dem Motto: „Ich schaffe es noch.“ Ein Trugschluss, der bei Fahrgästen häufig schwere Verletzungen nach sich ziehe, wenn eine Bahn notbremsen muss und die Passagiere durcheinanderpurzeln. Stefan Jacobs

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