Neubaustrecke : Anwohner wollen vier Spuren für Osttangente

Wenn schon, dann richtig: Unter diesem Motto will der Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) für einen vierspurigen Neubau der sogenannten Tangentialverbindung Ost (TVO) kämpfen. Umweltschützer kündigen massiven Protest an.

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Wie berichtet hat eine Machbarkeitsstudie im Auftrag der Stadtentwicklungsverwaltung ein hervorragendes Kosten-Nutzen-Verhältnis für die rund sechs Kilometer lange Neubaustrecke zwischen Marzahn- Hellersdorf und Treptow-Köpenick ergeben. Allerdings hatten die Gutachter nur eine Fahrspur pro Richtung plus einen gemeinsamen Geh- und Radweg für ausreichend erachtet, weil die Straße fast ohne Kreuzungen parallel zur Bahntrasse durch Biesdorf-Süd und die Wuhlheide verlaufen würde. „Diese Variante wird zu Belastungen für zahlreiche Anwohner führen und gleichzeitig nicht den Anforderungen der Wirtschaft gerecht, die eine gute Anbindung der Standorte im Ostteil an den neuen Großflughafen BBI braucht“, moniert der VDGN. Deshalb lehne man „die konkreten Realisierungsvorschläge kategorisch ab“.

Entgegen der Gutachterempfehlung will der Verband die Straße nicht östlich der Bahngleise bauen lassen, sondern westlich davon. Dort wäre der Abstand zu den nächstgelegenen Siedlungen größer, aber laut Gutachten der Eingriff in die Natur gravierender und die Anbindung ans vorhandene Straßennetz komplizierter. Die Baukosten für diese Variante werden auf 46 Millionen Euro geschätzt (Ost-Variante: 40 Millionen), das Nutzen-Kosten-Verhältnis auf 3,9. Die Ost-Variante schneidet mit 7,3 fast doppelt so gut ab.

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Am kommenden Mittwoch will der Verband seine Vorschläge präsentieren, die er mit Politikern und Verkehrsplanern in den vergangenen Jahren erarbeitet hat. Unterstützt wurde er dabei von den Anwohnern der vorhandenen Verkehrsachsen in der Umgebung. Sie haben beispielsweise in der von Einfamilienhäusern gesäumten Köpenicker Straße den Verkehr gezählt. Ergebnis: Werktags rollt im 24-Stunden-Mittel alle vier Sekunden ein Auto vorbei. Für den Berufsverkehr ergibt sich sogar ein Zweisekundentakt.

Die BUNDjugend Berlin will mit groß angelegten Baumbesetzungen sowohl gegen die TVO als auch gegen die umstrittene Verlängerung der Stadtautobahn vom Dreieck Neukölln zum Treptower Park kämpfen. Statt des Straßenbaus fordert die Nachwuchsorganisation des Umweltverbandes BUND ebenso wie die Grünen, den öffentlichen Nahverkehr zu stärken.

Im Streit um die Stadtautobahn geht Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) davon aus, das im Koalitionsvertrag 2006 vereinbarte, aber später von SPD und Linken mehrheitlich abgelehnte Projekt zügig umzusetzen. Auch das Parlament will sie überzeugen, das im November gesperrte Planungsgeld wieder freizugeben. „Wir werden ohne Probleme überzeugende Gründe anführen und eine Entsperrung der erforderlichen Mittel erreichen“, sagte sie der IHK-Zeitschrift „Berliner Wirtschaft“.

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