Neue Abstimmung : Bürgerentscheid zu Tempelhof erfolgreich

Der Bürgerentscheid in Tempelhof-Schöneberg zur Erhaltung des Flughafens Tempelhof als Denkmal ist erfolgreich. Das sagte Abstimmungsleiter Torsten Zickert. Zwei Drittel, die abstimmten, waren am Ende dafür.

Annette Kögel

Für Nikoleta und Dieter Peickert ist die Sache klar. Die beiden hatten sich 1967 auf dem Flughafen Tempelhof kennengelernt, sie war Zimmermädchen im Offiziersklub, er Angestellter im Flughafenkraftwerk. „Natürlich haben wir dafür gestimmt, dass der Flughafen Weltkulturerbe wird“, sagen die beiden 65-Jährigen vorm Wahllokal am Oberstufenzentrum (OSZ) Logistik, Touristik, Immobilien, Steuern an der Dudenstraße. Wie die Peickerts konnten in Tempelhof-Schöneberg 232 000 Wahlberechtigte gleich auf zwei Zetteln je ein Kreuz machen: Für die EU-Wahl – und beim Bürgerentscheid „Das Denkmal Flughafen Tempelhof erhalten, das Weltkulturerbe schützen“.

Am Ende wurden rund 90 000 Stimmen abgegeben; etwa 60 000 davon votierten für das Anliegen des Bürgerentscheids, erläuterte der Abstimmungsleiter. Erforderlich waren 38 000 Stimmen und deren Mehrheit für das Anliegen des Bürgerentscheids.

Vor den Wahllokalen, außerhalb des gesetzlichen 30-Meter-Schutzradius, verteilten Mitglieder der Initiative „Be 4 Tempelhof“ Wahlwerbezettel. 610 Millionen Euro Steuergelder würden infolge der Schließung verschleudert, viele Beschäftigte seien unnötig arbeitslos, so die Argumentation. Der Flughafen habe seine Bedeutung als Denkmal verloren, derzeit würden eine historische Aussichtsterrasse und Hangarwände eingerissen, kritisierte Ines Nagl. Werde der Ex-Airport bebaut, bekäme Berlin einen „Klimakiller“, sagt Bern Kwiet im Treffpunkt der „Be 4 Tempelhof“-Initiative, dem Café Romi in der Dudenstraße 2.

Franz Berg, 61, folgt wie offenbar viele Wähler im OSZ dieser Argumentation, er will, dass Tempelhof künftig „Regierungs-, Rettungs- und Ausweichflughafen“ und allein fürs Flugwesen bebaut wird, wie es auf dem Bürgerentscheid-Wahlbogen steht. „In meiner Gegend ist es lauter geworden, weil der Rosinenbomber und andere Rundflugmaschinen Kurven über Tempelhof fliegen.“ Ella Hertlidschke ist 91 und ebenfalls Flughafen-Fan. „Das hätte kein Zuschussbetrieb werden müssen“ – der Senat habe den Flughafen bewusst heruntergewirtschaftet, sagt sie. „Das Gebäude muss als Beweis dafür, wie die Naziarchitektur die Menschen einschüchterte, so bleiben“, sagt der 26-jährige David Klören.

Elke Hokamp sieht das anders. „Die Argumentation ist geschickt mit den Etiketten Öko, Grün und Historie getarnt“, kritisiert die 51-Jährige. Die Ära des Flughafens sei aber nun mal vorbei, „die Stadt hat die Chance, dass hier jetzt etwas Neues passiert“, sagt sie. „Deswegen: Europa hin oder her, ich bin vor allem wegen Tempelhof wählen gegangen.“

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