Neue Busverbindung : Schneller nach Schönefeld

Seit Montag fährt der Bus SXF 1 in 20 Minuten vom Südkreuz zum Flughafen. Geht es noch fixer? Ein Test.

Klaus Kurpjuweit
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Abflug in Schöneberg. Seit Montag verbindet der Bus SXF 1 den Bahnhof Südkreuz mit dem Flughafen Schönefeld. -Foto: Uwe Steinert

Der Fahrplan stimmt – die Rechnung noch nicht. Am ersten Tag der Schnellbusverbindung vom Bahnhof Südkreuz zum Flughafen Schönefeld schafften es die Fahrer, in den vorgesehenen 20 Minuten am Ziel zu sein. Befördert haben sie am Montag zunächst nur klimatisierte Luft, denn auf den ersten Fahrten, die um 5 Uhr begannen, fehlten Fahrgäste. Erst bei der dritten Runde um 5.40 Uhr fand sich der erste Passagier am Südkreuz ein.

Lothar Kastner, Geschäftsführer von Bus-Verkehr-Berlin (BVB), macht sich nach dem flau begonnenen Premierentag aber noch keine Sorgen. Ein Jahr Zeit werde man dem Projekt geben, das gemeinsam von BVB und dem bahneigenen Unternehmen Bex angeboten wird. Wirtschaftlich wären die Fahrten, wenn durchschnittlich sieben bis zehn Fahrgäste mitfahren, sagte Kastner. Auf Fahrgäste hofft man vor allem am Flughafen, denn schneller als mit dem SXF 1 genannten Bus könne man nicht in der Stadt sein, schwärmte Bex-Geschäftsführer Jörg Schaube.

In Schönefeld weisen Mitarbeiter in auffälliger Kleidung auf die neue Verbindung hin. Andere Informationen für ankommende Fluggäste gibt es noch nicht. Auch am Auskunftsschalter war das neue Angebot gestern noch nicht bekannt. Die schnellste Verbindung sei die S-Bahn, hieß es dort. Die Fahrt zum Bahnhof Südkreuz dauert mit der S-Bahn aber fast doppelt so lang wie mit dem Bus.

Das Ticket für den Schnellbus kostet sechs Euro. Es gilt auch als VBB-Fahrschein, so dass man vorher oder nachher auch Bahnen und Busse in der Stadt nutzen kann. Wer bereits einen VBB-Fahrschein hat, zahlt für den Schnellbus nur noch einen Zuschlag zwischen 2,50 Euro und vier Euro. Autofahrer, die ihr Fahrzeug im Parkhaus der Bahn am Südkreuz abstellen, können für 20 Euro zum Flughafen und später zurück zum Bahnhof fahren und ihr Auto in der Zwischenzeit bis zu 14 Tage lang parken. Gefahren wird zwischen 5 und 23 Uhr alle 20 Minuten.

Start für unseren nachstehenden Test war am Fehrbelliner Platz in Wilmersdorf mit seinen Verbindungen in alle Himmelsrichtungen. Klaus Kurpjuweit

MIT DEM AUTO

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Grafik: Tsp

Mit dem Auto geht es um 9.30 Uhr am Fehrbelliner Platz in Wilmersdorf los – unter besten Bedingungen. Über den Hohenzollerndamm gelangen wir rasch auf die Stadtautobahn, wo der Verkehr in Richtung Schönefeld ungehindert fließt und das Durchschnittstempo eher bei 100 als bei den vorgeschriebenen 80 Kilometern pro Stunde liegt. Um 9.41 Uhr liegt die Brache des Flughafens Tempelhof hinter uns, und wir fahren durch den Britzer Tunnel. Dann gibt es wegen der Schallschutzwände rechts und links nicht mehr viel zu sehen. Nun geht es über die im Mai eröffnete rund zehn Kilometer lange A 113, die stolze 443 Millionen Euro gekostet hat.

Um 9.45 Uhr passieren wir Adlershof, um 9.52 Uhr erreichen wir in Schönefeld den Parkplatz. Gut die Hälfte der Kurzzeitparkplätze ist frei. Nach 25 Minuten und 23 Kilometern Fahrt stehen wir in der Flughafenhalle. Das entspricht etwa der Zeit, die man aus der City-West auch für eine Autofahrt zum Flughafen Tegel braucht – ein Argument, mit dem die Flughafengesellschaft gern für den künftigen Airport BBI wirbt. Vor allem aber geht es viel schneller als die Fahrt nach Schönefeld über die oft verstopften Neuköllner oder Tempelhofer Straßen. Doch nicht immer läuft es so günstig, schließlich gibt es auch mal Stau auf der Stadtautobahn – dann steht aber auch der neue Schnellbus SXF 1. Und auch die Parkplätze in Schönefeld dürften bald begehrter werden. CD

MIT DEM AIRPORT-EXPRESS

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Grafik: Tsp

Wer den Airport-Express nimmt, kann sich im U-Bahnhof Fehrbelliner Platz noch einen Obstsalat kaufen. Laut Fahrplan-Auskunft reicht die U 7 um 9.45 Uhr. Nicht die nach Rudow (denn nicht jeder mag als Rohrpost reisen), sondern nordwärts, zur Wilmersdorfer. Dort kommt man um 9.50 Uhr wieder ans Tageslicht – und muss die 500 Meter zum Bahnhof Charlottenburg eilen, wo schon der Regional-Expresszug wartet. Uff! Pünktlich um 9.57 Uhr rollt er an. Der Doppelstockwagen – älteres Modell mit dürren Sitzen und Quietschbremsen – ist fast leer, und vom Oberdeck aus wirkt die ganze Stadt an diesem grauen Morgen irgendwie evakuiert und verrumpelt.

So schaukelt man unter Fanfarenklängen vom Band und den guten Wünschen des Kundenbetreuers an jedem der fünf Stopps die Stadtbahntrasse entlang. Die Tour ist stressfrei, aber sie fühlt sich zumindest bis Karlshorst nach angezogener Handbremse an. Die Schaffnerin kassiert von zwei der vier Mitreisenden je 3,90 Euro, weil die nicht wussten (oder wissen wollten), dass Schönefeld im Tarifbereich C liegt. Um 10.40 Uhr ist der Bahnhof erreicht. Flugzeugsymbole weisen den Weg durch den Tunnel im „Goodbye Lenin“-Stil, in dem die Abreisenden mit regionalen Spezialitäten wie „Bratwurst XL“ und DDR-Flaggen versorgt werden. Dann fünf Minuten zu Fuß. Um 10.50 Uhr ist die Halle erreicht. Die Kollegen sind längst wieder weg. obs

MIT DEM SCHNELLBUS

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Grafik: Tsp

Zum Schnellbus geht’s mit der U-Bahn los. Um 9.37 Uhr soll sie den Bahnhof Fehrbelliner Platz verlassen. Und sie kommt tatsächlich pünktlich. Zwei Minuten später muss auf der Station Heidelberger Platz zur S-Bahn umgestiegen werden. Wer im ersten Wagen der U-Bahn fährt, muss dann nur einen kurzen Weg zurücklegen. Was nicht immer einfach ist. Ist um diese Zeit eine S-Bahn eingetroffen, kommt einem ein Pulk von Studenten entgegen, durch den man sich drängeln muss. Es klappt aber ohne Rempeleien.

Planmäßig müsste man jetzt fünf Minuten auf die S-Bahn Richtung Südkreuz warten. Doch warum auch immer, ein Zug steht da und mit einem kurzen Sprint gelingt es noch, in den ersten Wagen zu springen. Zwölf Minuten später ist der Bahnhof Südkreuz erreicht. Hinweise auf den neuen Schnellbus sind auf dem Bahnsteig zunächst nicht zu sehen. Sehr klein sind sie weit oben auf Infotafeln angebracht. Aber die freundliche Mitarbeiterin der Bahn weiß Bescheid und beschreibt den Weg zum Hildegard-Knef-Platz, wo der Bus abfährt. „Zu einem ein bisschen anderen Preis“, wie die Mitarbeiterin noch hinterherruft.

Der Bus braucht dann drei Minuten, bis er die Autobahn erreicht, und verlässt sie bereits nach 13 Minuten an der Ausfahrt Schönefeld-Nord. Nach weiteren drei Minuten ist die Haltestelle direkt vor dem Terminal erreicht. Zeit insgesamt: 52 Minuten. kt

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