Neuer Großflughafen Berlin-Brandenburg : Klarheit über Flugrouten erst kurz vor Airport-Eröffnung

Die Lotsenvereinigung will die endgültige Linienführung erst kurz vor Eröffnung des neuen Airports in Schönefeld festlegen – und verspricht, die Anwohner besser zu informieren.

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Ende August 2012 hatte der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratvorsitzende des BER, Klaus Wowereit, noch die Verantwortung für das Flughafen-Desaster übernommen. Am 24.05.2013 wies er jedoch eine persönliche Verantwortung für die mehrfache Verschiebung des Eröffnungstermins im BER-Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses von sich. Doch nun, Mitte Dezember ist sein Comeback als Aufsichtsrat sicher.Weitere Bilder anzeigen
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13.12.2013 10:52Ende August 2012 hatte der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratvorsitzende des BER, Klaus Wowereit, noch die Verantwortung...

Klarheit über die künftigen Flugrouten vom und zum neuen Flughafen in Schönefeld wird es wahrscheinlich erst kurz vor der für den 3. Juni 2012 geplanten Eröffnung geben. Der Chef der Berliner Fluglotsen, Hans Niebergall, dämpfte am Montag die Hoffnung des Senats, den Weg der Flugzeuge, die zum Teil auch das Stadtgebiet überfliegen sollen, schnell festzulegen. Um die optimalen Routen ermitteln zu können, sei der vorgesehene Zeitraum erforderlich, sagte Niebergall auf einer Informationsveranstaltung, zu der die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg in Schönefeld eingeladen hatten.

Informiert werden sollten vor allem auch Berliner Bezirkspolitiker, die von den vor zwei Wochen vorgelegten Plänen der Flugsicherung überrascht worden waren. Entgegen den ursprünglichen Plänen war die Veranstaltung öffentlich. Da viele potenziell Betroffene davon nichts erfuhren, blieben aber viele Stühle in der Airport-World des Flughafens leer.

Die Flugrouten werden jetzt in der Fluglärmkommission beraten, in die nun auch Vertreter der südlichen Berliner Bezirke aufgenommen werden. Nach den Vorstellungen der Flugsicherung, die bisher nur eine Grobplanung seien, wie Niebergall nochmals betonte, sollen die Maschinen bei Flügen über der Stadt mindestens in 3000 Meter Höhe fliegen. Welcher Lärm dabei entstehe, könne er nicht sagen. Experten erwarten, dass der Krach am Boden mit rund 60 Dezibel ankommen wird, was etwa dem Geräusch einer Nähmaschine entspreche. Über Wannsee haben startende Flugzeuge aber erst eine Höhe von 2400 Meter erreicht, der Krach ist dann deutlicher zu hören.

Nach Angaben der Flugsicherung wird es aber täglich nur etwa fünf Flüge geben, bei denen wegen des Windes nach Westen startende Maschinen abdrehen, um über den südlichen Bezirken Richtung Osten zu fliegen. Die meisten Flüge ab Schönefeld werden auch vom neuen Großflughafen zunächst noch Richtung Westen und Süden gehen, obwohl der Airport eine Ost-West-Drehscheibe werden will.

Warum viele Anwohner von den Plänen der Flugsicherung überrascht worden sind, blieb auch gestern unklar. Die Grundanforderung der Flugsicherung, wonach die Maschinen bei einem gleichzeitigen Start von beiden Bahnen unmittelbar nach dem Abheben in einem Winkel von mindestens 15 Grad voneinander abdrehen müssen, war mindestens seit 1998 bekannt. Im Genehmigungsverfahren für den Bau des Flughafens gingen die Planer jedoch davon aus, dass die Maschinen nach dem Start kilometerweit geradeaus fliegen würden. So wurden dann auch die Lärmschutzgebiete festgelegt.

Wer sich nach Plänen richtete und etwa in Teltow oder Kleinmachnow, in Lichtenrade oder Zeuthen ein Haus baute und annahm, vom Fluglärm verschont zu bleiben, liegt jetzt plötzlich dicht an oder gar unter der jetzt geplanten Flugschneise. Ein Betroffener aus Teltow forderte auf der Veranstaltung am Montag, den Flughafen gar nicht erst zu eröffnen.

Rainer Bretschneider vom Infrastrukturministerium in Brandenburg, der das Planfeststellungsverfahren für den Flughafenbau geleitet hatte, sprach von einer „misslichen Situation“. Im Genehmigungsverfahren werde nur geregelt, was am Boden passiere, die späteren Flugrouten würden in einem weiteren Verfahren kurz vor der Inbetriebnahme des Flughafens bestimmt. Der Gesetzgeber schreibe dies so vor. Nachträglich Lärmbetroffene hätten zwar Anspruch auf Schallschutz, jedoch nur, wenn der sogenannte Dauerschallpegel überschritten wird, der wesentlich geringer ist als der Lärm des einzelnen Flugzeuges. Immerhin versprach die Flugsicherung, die Informationen zu den Routenplänen zu verbessern. Details könne man aber erst nennen, wenn die Strecken definitiv feststünden.

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