Öffentlicher Nahverkehr : BVG holt Kunden von der Straße auf die Schiene

Ein neues Konzept der Stadtverwaltung empfiehlt einen Fünfminutentakt der U-Bahn an Sonntagen. Das könnte der BVG Neukunden bringen, doch im Gegenzug soll an Bussen im Frühverkehr gespart werden.

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Verkehrsmittel mit Zukunft. U-Bahn und Tram wie hier an der Schönhauser Allee sollen künftig öfter fahren. Die Stilllegung von...

Welch schöne Vorstellung: Ein Sonntagsausflug mit der U-Bahn ohne vorheriges Fahrplanstudium und ohne lange Wartezeiten auf mäßig gemütlichen Bahnhöfen. Im nächsten Jahr soll dieser Wunsch Wirklichkeit werden – sofern der noch in Arbeit befindliche „Nahverkehrsplan 2014“ umgesetzt wird. Das im Auftrag der Stadtentwicklungsverwaltung erarbeitete Konzept empfiehlt für die meisten U-Bahn-Linien auch sonntags zwischen 13 und 19 Uhr einen Fünfminutentakt. Zurzeit fahren die Züge der BVG – mit Ausnahme der U 9 – an Sonntagen nur alle zehn Minuten.

Die Neuregelung soll für jene Abschnitte gelten, auf denen auch sonnabends schon alle fünf Minuten gefahren wird. Sie betrifft also U 1, U 6 und U 7 sowie den Abschnitt der U 2 zwischen Pankow und Theodor-Heuss-Platz, die U 5 zwischen Alexanderplatz und Kaulsdorf Nord sowie die U 8 zwischen Hermannstraße und Osloer Straße. Bei den weniger frequentierten Linien U 3, U 4 und der ohnehin nur mit einem Pendelzug betriebenen U 55 soll es beim Zehnminutentakt bleiben.

Die dichteren Sonntagsfahrpläne „bieten das größte Potenzial an Neukunden“, schreiben die Gutachter. 2,5 Millionen zusätzliche Passagiere sollen es pro Jahr sein – so viele, wie die BVG schon jetzt an einem durchschnittlichen Tag befördert. Den avisierten Starttermin im ersten Halbjahr 2011 hält BVG-Sprecherin Petra Reetz für ambitioniert, aber machbar. Die Vorschläge würden für die U-Bahnen etwa zwei Prozent mehr Fahrleistung bedeuten, die das Land bei der BVG bestellen und bezahlen müsste. Zurzeit erhält die BVG jährlich rund 250 Millionen Euro, davon 75 Millionen für die reine Verkehrsleistung. Der große Rest fließt im Wesentlichen in die Infrastruktur.

Ein zweiprozentiges Plus empfehlen die Planer auch für die Straßenbahn: Dichtere Takte für die M 1 stehen ebenso auf der Liste wie die Aufwertung der 50 zu einer M 50, die in der Stoßzeit alle sechs bis sieben Minuten als Zubringer zum S- und U-Bahnhof Pankow dienen soll. Hinzu könnte eine Linie 23 kommen, die im Zehnminutentakt vom Alex zum Virchow-Klinikum fährt.

Die enorm ausgelastete M 4 soll laut dem Konzept länger als bisher im Dreiminutentakt zwischen Alex und Weißensee fahren, für die M 5 wird ein ausgedehnter Fünfminutentakt auf der Konrad-Wolf- Straße empfohlen, während das Ende zur Zingster Straße hin ausgedünnt werden soll. Um die besonders gefragten Teilstrecken verstärken zu können, sollen an den Bahnhöfen Springpfuhl, Mehrower Allee und Pankow sogenannte Kehrgleise eingebaut werden, auf denen die Straßenbahnen die Fahrtrichtung wechseln können. Für den Bahnhof Warschauer Straße wird ein zweites Kehrgleis empfohlen.

Allerdings sind diese Vorschläge noch längst nicht beschlossen und die Umsetzung ist, wenn überhaupt, erst in späteren Jahren zu erwarten. Nach Auskunft von Petra Rohland, Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung, „wird das Konzept schon ziemlich konkret diskutiert“, muss aber noch vom Senat beschlossen und dem Abgeordnetenhaus zur Kenntnis gegeben werden. Die Alternative, den Nachtverkehr weiter zu verdichten, sei ebenfalls diskutiert, aber dann zugunsten der Sonntage verworfen worden.

Doch was bei U-Bahn und Tram draufgelegt wird, soll teilweise beim Bus gespart werden: Linien in Industriegebieten stehen ebenso zur Disposition wie Teile des Frühverkehrs vor sechs Uhr und einige erfahrungsgemäß menschenleere Fahrten zu Endstellen. Reduziert werden sollen auch Parallelverkehre mehrerer Linien. Gestrichen werden könnten die Linien 259 (Weißensee), 337 (Spandau) und 344 (Neukölln) sowie Teile des 107er und 250er in Pankow. Dort fährt die Straßenbahn teilweise parallel.

Alles in allem wird das Minus bei den Bus-Kilometern auf ein Prozent beziffert, und auf den durch U- und S-Bahn nicht direkt verbundenen „Tangenten“ sollen sogar mehr Busse fahren, etwa zwischen Schöneweide und Zehlendorf, zwischen Marzahn/Hohenschönhausen und Pankow, zwischen Spandau, Tegel und Pankow sowie zwischen Marzahn-Hellersdorf und Köpenick.

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