Öffentlicher Nahverkehr : S-Bahn-Betrieb droht einzufrieren

Der Betriebsrat warnt davor, dass Weichen und Signale unzureichend auf Schnee und Eis vorbereitet werden.

Klaus Kurpjuweit
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Schönwetterzüge. Die S-Bahn, hier vor der BVG-Zentrale nahe der Jannowitzbrücke, ist nicht winterfest, sagen Experten. Auch dies...Foto: Mike Wolff

Der Betriebsrat formuliert es ironisch: „Die Bahn setzt auf den Klimawandel.“ Dahinter steckt aber die Furcht, dass es in diesem Winter erneut zu einem Chaos im Betrieb kommt. Wie im Januar, als der Verkehr wegen eingefrorener Sicherheitseinrichtungen fast komplett zusammengebrochen war. Jetzt geht es um Weichen, die nach Angaben des Betriebsrats nicht ausreichend für den Winter vorbereitet worden sind und deshalb bei Frost, der nur bei einem Klimawandel garantiert ausbleibt, einfrieren könnten. Von der Bahn war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu erhalten.

Für die Weichen ist im Bahnkonzern der Bereich Netz zuständig. Und auch dort wird gespart. Die Pflege der Weichen ist nach Angaben des Betriebsrats erheblich eingeschränkt worden. Einige Anlagen seien auch komplett aus dem Pflegeprogramm genommen worden. Und beim Fett für das Pflegen der Weichen habe man das teure Mittel, das einen geringeren Personalaufwand erfordert, mit einem billigeren „gestreckt“, sodass jetzt die Kartusche verstopfe, mit der das Fett auf die Weiche geschmiert werde. Auch im Januar hatte der Umstieg auf ein anderes Spray zum Einfrieren der Sicherheitseinrichtungen geführt.

Weichen würden, um Kosten zu sparen, auch nicht mehr ausreichend gereinigt, bemängelt der Betriebsrat weiter. Dies sei aber erforderlich, damit die Anlagen „winterfest“ sind. Bei Defekten sei der Entstörungsdienst angewiesen worden, als Ursache andere Gründe anzugeben.

Auch vorhandene Weichenheizungen seien abgebaut worden, heißt es in einem Informationsblatt des Betriebsrats. Zudem seien zum Teil „aus Sparsamkeit“ unpassende Teile eingebaut worden, sodass die Wärme wirkungslos verpuffe.

Eingeschränkt worden sei auch die Wartung der Signalanlagen. Nötige Reparaturen verzögerten sich oft, weil die Techniker inzwischen auch für das Auswechseln von Glühlampen oder das Reparieren von Wasserkochern zuständig seien, weil bei den Hausdiensten die zuständigen Mitarbeiter abgezogen worden seien.

Der Betriebsrat hatte schon vor dem vergangenen Winter vor den Folgen der Sparwut im Unternehmen öffentlich gewarnt und auch Politiker darauf hingewiesen. Folgen hatte dies nicht. Proteste gab es erst, nachdem die Züge und Signale bei starkem Frost tatsächlich ausgefallen waren.

Und erst nach dem Desaster im Sommer mit schnell verschlissenen Rädern und unterlassener Wartung bei Teilen der Bremsanlage hat Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) die Verantwortlichen zusammengetrommelt. Dieses Mal forderte sie die Bahn sofort auf, den Hinweisen des Betriebsrats, der sicher detaillierte Kenntnisse habe, unverzüglich nachzugehen, um den Betrieb auch im Winter sicherzustellen.

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