Öffentlicher Nahverkehr : S-Bahn hofft auf wärmere Tage

Die Kältewelle legt weitere Fahrzeuge lahm und lässt Türen einfrieren – die BVG hat damit allerdings keine Probleme.

Klaus Kurpjuweit

Die S-Bahn schränkt ihr Angebot von heute an erneut ein. Bereits am Montag war der Betrieb reduziert worden. „Wegen witterungsbedingter Störungen“, wie es offiziell heißt. Hauptgrund ist nach Informationen des Tagesspiegels jedoch ein Stau in den Werkstätten, der nur zum Teil witterungsbedingt ist. Und heute kann es weitere Sicherheitsauflagen geben, die dazu führen könnten, dass noch mehr Fahrzeuge aus dem Betrieb genommen werden müssten.

Bei niedrigen Temperaturen treten gewöhnlich mehr Störungen auf. Die daraus entstehenden Fahrzeugausfälle könnten nicht durch Ersatzfahrzeuge ausgeglichen werden, teilte die S-Bahn am Montagabend mit. Ursache seien vor allem eingefrorene Türen, hatte die S-Bahn bereits am Sonntag erklärt und so die seit Montag geltenden Einschränkungen begründet.

Nach Angaben von Insidern waren die Fahrzeuge in diesem Winter aber ausreichend auf eisige Temperaturen vorbereitet; anders als im vergangenen Januar, als Züge zu Hauf ausgefallen waren, weil Sicherheitseinrichtungen nicht ausreichend geschmiert worden waren. Zu einem Massenausfall wegen des Frostes sei es jetzt nicht gekommen. Auch die BVG hat keine besonderen Winterprobleme.

Schwierigkeiten hat die S-Bahn derzeit auch mit ausfallenden Antrieben. Zudem versagen häufig die Heizungen. Nach Angaben von Mitarbeitern ist rund ein Drittel der noch einsetzbaren Wagen mit einem Schaden unterwegs. Obwohl die Mitarbeiter alles daransetzen, die Züge ins Netz zu bringen, hat sich der Fahrzeugstau auf den Abstellgleisen vergrößert.

Selbst die Kontrolle der Achsen und Räder, die nach einem Radbruch im Mai angeordnet worden waren, verzögert sich jetzt, weil die Ultraschallmessung nur bei einer bestimmten Temperatur möglich ist. Vor der Prüfung müssen die Züge deshalb in den Hallen erst aufgewärmt werden, was zusätzliche Zeit erfordert.

Ursprünglich wollte die S-Bahn vor Weihnachten 429 Viertelzüge, die jeweils aus zwei Wagen bestehen, einsetzen können. Am Montag waren es jedoch nur zwischen 360 und 380. Im Normalbetrieb sind bis zu 552 erforderlich.

Immerhin hat die Geschäftsführung auf der Betriebsversammlung am Montag mitgeteilt, dass die Hauptwerkstatt in Schöneweide zumindest bis zum Auslaufen des Verkehrsvertrages mit dem Senat Ende 2017 erhalten bleibt. Zudem soll sich im Januar entscheiden, welche der geschlossenen Werkstätten wieder geöffnet wird. Der für die Arbeitsorganisation zuständige Mitarbeiter ist am Montag freigestellt worden. Auch die Betriebsleiterin steht nach Tagesspiegel-Informationen vor der Ablösung.

Von heute an fahren auf der S 2 die Verstärkerzüge nur zwischen Buch und Potsdamer Platz statt bis Lichtenrade. Auf der S 3 entfällt der Abschnitt zwischen Ostbahnhof und Spandau. Auf dem Ring wird der Fünf-Minuten-Verkehr in den Hauptverkehrszeiten gestrichen; auf der S 5 fahren die Verstärkerzüge von Hoppegarten nicht mehr bis Charlottenburg, sondern enden bereits in Warschauer Straße. Auf der S 75 fallen die Verstärkerzüge zwischen Wartenberg und Warschauer Straße aus, und die S 9 fährt vom Flughafen Schönefeld weiter nur bis Treptower Park statt bis nach Blankenfelde.

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