Otto-Braun-Straße : Berlins gefährlichster Tram-Überweg

Drei Menschen starben in den vergangenen Jahren an der Otto-Braun-Straße in Mitte. Ein spezielles Gitter konnte den bisher letzten Unfall nicht verhindern.

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Gefährlich. Immer wieder passieren in Berlin Unfälle mit Straßenbahnen. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Gefährlich. Immer wieder passieren in Berlin Unfälle mit Straßenbahnen.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Nach den ersten beiden tödlichen Unfällen 2002 und 2007 hatte die BVG ein so genanntes „Z-Gitter“ an den Gleisen installiert. Das war im Juli vor drei Jahren. Dennoch ist der unscheinbare Übergang über die Straßenbahngleise an der Otto-Braun-Straße der wohl gefährlichste in Berlin geblieben. Am Sonnabend wurde, wie berichtet, ein Radfahrer dort getötet. Im August 2008 und im April 2009 waren zwei Fußgänger dort schwer verletzt worden. Wegen der tödlichen Unfälle hatte die BVG im Jahr 2008 nicht nur das Drängelgitter eingebaut, sondern auch eine Sicherheitskampagne gestartet: „Achte auf deine Linie“.

Am Sonnabend hatte der 29-jährige Radfahrer offensichtlich nicht auf die Straßenbahn geachtet – er ist vom ersten Wagen der stadteinwärts fahrenden Bahn seitlich weggeschleudert, nicht überfahren worden. Die neue Bahn vom Typ Flexity fuhr etwa Tempo 40, sie unterliegt der Straßenverkehrsordnung und darf wie ein Auto maximal 50 fahren. Die „Z“-Gitter, die die BVG mittlerweile an mehr als 70 Übergängen installiert hat, lenken Fußgänger und Radfahrer vor dem ersten Gleis automatisch in die Richtung einer möglicherweise herannahenden Tram. Die Gleise überquert man dann schräg, hat also den Blick auf die Gegenrichtung – so jedenfalls die Theorie. An der Otto-Braun-Straße erschweren aber schon die Bäume auf dem Mittelstreifen die gewünschte Sicht auf die Gleise. Die jungen Bäumchen haben ihre Krone in Augenhöhe.

Eine Ampel gibt es an der Unfallstelle nicht, es ist der einzige Überweg auf den 400 Metern zwischen Mollstraße und dem Königstor. Er wird viel benutzt, auf der einen Straßenseite ist eine Schule, auf der anderen ein Supermarkt. Neben den beiden Gleisen müssen zwei vierspurige Fahrbahnen gequert werden.

An der Unglücksstelle verweisen Passanten darauf, wie leicht die Bahnen zu überhören sind. „Die Wagen werden immer leiser“, sagt ein Radfahrer. Eine ältere Frau verweist auf die hohe Geschwindigkeit. Ein Anwohner schlägt eine Art automatisches Signallicht oder einen -ton beim Herannahen einer Straßenbahn vor.

Doch aus Sicht der BVG würde auch eine Ampel Unfälle nicht verhindern, da auch rotes Licht ignoriert werde. So war im Februar in Wedding ein Radfahrer von einer Straßenbahn erfasst und getötet worden. Er hatte eine Ampel ignoriert.

Das 29-jährige Opfer vom Sonnabend ist der fünfte Berliner, der in diesem Jahr bei einem Straßenbahn-Unfall starb. Stets war unachtsames Überqueren der Gleise die Ursache. In einem Fall wurde ein stark sehbehinderter 90-Jähriger am Platz der Vereinten Nationen zu Tode geschleift. Nach Polizeiangaben gab es in diesem Jahr bis Ende Juli 45 Unfälle mit Personenschaden, acht Menschen wurden schwer verletzt. Im Jahr 2010 hatte es 330 Unfälle mit Straßenbahnen gegeben, darunter 99 mit Personenschaden. Die Zahlen steigen seit 2006 kontinuierlich an.

Vollständig sind diese Zahlen jedoch nicht, da die Polizei nur Unfälle an Kreuzungen und Überwegen zählt. Wer die Gleise hingegen wild überquert, stirbt auf Betriebsgelände der Bahn – diese Fälle gelangen in eine andere Statistik. Teilweise hatte es in den vergangenen Jahren doppelt so viele Tote gegeben wie von der Polizei gemeldet.

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