Personalwechsel : Früherer Technik-Chef der S-Bahn räumt Posten

Durch seinen rigorosen Sparkurs gilt Ulrich Thon als Hauptverantwortlicher für das Wartungschaos bei der S-Bahn. Nun verlässt der Manager den Konzern "im gegenseitigen Einvernehmen" - zur großen Erleichterung der Beschäftigten.

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Der frühere Technikchef der S-Bahn räumt seinen Posten. Ulrich Thon habe „seine derzeitigen Aufgaben bei der Bahn zur Verfügung gestellt und wird das Unternehmen im gegenseitigen Einvernehmen verlassen“, heißt es in einer Mitteilung der Bahn vom Freitag. Darin wird der Abgang des zuletzt bei der DB Regio beschäftigten Thons als „persönliche Antwort auf die permanente Medienkampagne gegen seine Person“ bezeichnet, die die S-Bahn auf ihrem Weg aus der Krise belaste: „Es muss ein Ende haben, dass der Neuanfang der S-Bahn durch öffentliche Spekulationen und medienwirksame Schuldzuweisungen beschädigt wird“, ließ sich Thon zitieren.

Was nun aus ihm wird, war auf Nachfrage bei der Bahn nicht zu erfahren. Was sein Rückzug für die Beschäftigten der S-Bahn bedeutet, dagegen schon: „Die Kollegen begrüßen Thons Entscheidung sehr“, sagte Betriebsratschef Heiner Wegner. „Sie haben auch verstanden, was zwischen den Zeilen steht.“ Wegner lobte Thons offenbar nicht ganz freiwilligen Abgang als „sehr deutliches Signal des Konzerns gegenüber der Belegschaft“. Ein anderer S-Bahner sagte: „Dass er weg ist, erleichtert mich sehr. Aber die Vorgaben, die er umzusetzen hatte, sind ja teilweise noch vorhanden. Insofern haben wir nur eine Atempause.“

Thon gilt als Hauptverantwortlicher für den rigorosen Sparkurs, der in Kombination mit Wartungsschlampereien und technischen Problemen an den Zügen im vergangenen Jahr zum weitgehenden Zusammenbruch des Betriebes geführt hat. Allerdings hatte er die vierköpfige Chefriege schon im Juni 2009 verlassen – vier Wochen, bevor die Mannschaft unter Ex-Chef Tobias Heinemann wegen des Desasters ausgewechselt wurde. Im Gegensatz zu seinen geschassten Kollegen durfte Thon allerdings einen neuen, mindestens ebenso verantwortungsvollen Job übernehmen: Er ging zu DB Regio nach Frankfurt am Main, wo er für den Regionalfuhrpark des Konzerns zuständig wurde. Da die S-Bahn im Zuge ihrer Sanierung kürzlich DB Regio angegliedert worden ist, hätte es irgendwann ein für die S-Bahner unerfreuliches Wiedersehen gegeben.

Bei den Mitarbeitern gilt Thon auch als Hauptschuldiger für das vergiftete Betriebsklima unter der alten Chefriege. „Seitdem er im Vorstand war, bekamen Kollegen häufig zu hören, dass sie sich auch einen anderen Job suchen können, wenn sie etwas zu meckern haben“, sagte ein S-Bahner. Betriebsratschef Wegner hatte schon vor Monaten im Abgeordnetenhaus berichtet, dass die Warnungen von Mitarbeitern vor dem absehbaren Chaos mit solchen Einschüchterungen weggewischt worden seien.

Thon ist neben Aufsichtsratschef Hermann Graf von der Schulenburg der zweite Manager, dessen Verbleib Landespolitiker eine „Zumutung“ nannten. Als er nach Frankfurt ging, bekam er von Schulenburg folgende Dankesworte auf den Weg: „Durch die Neuordnung im Instandhaltungsbereich und die Reorganisation betrieblicher Abläufe hat er wesentliche Grundlagen für die Leistungssteigerung bei der S-Bahn geschaffen.“ Das Lob kam gerade noch rechtzeitig: Tage später standen fast alle Räder still. Stefan Jacobs

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