Preiserhöhung : Senatorin bremst die BVG aus

Die BVG wirbt intern erneut um teurere Tickets, obwohl sie versprochen hatte, 2010 die Preise nicht zu erhöhen. Ingeborg Junge-Reyer (SPD) schließt Steigerung für 2010 aber aus.

Klaus Kurpjuweit

Berlin - Die Preise im Nahverkehr sollen im nächsten Jahr nicht steigen. So hat es die BVG zumindest versprochen. Intern gehen die Bemühungen aber weiter, die Fahrgäste doch zur Kasse zu bitten. Hier bremst jedoch Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). „Die Initiativen der BVG werden vergeblich sein“, sagte die Senatorin am Montag im Verkehrsausschuss des Parlaments.

Vor wenigen Wochen hatte die BVG verkündet, dass es den Fahrgästen nach dem Desaster bei der S-Bahn nicht zumutbar sei, im kommenden Jahr höhere Preise zu zahlen. Geplant war dies für Anfang des Jahres. Auch die S-Bahn hält sich hier sehr zurück. Innerhalb des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) wirbt der BVG-Vorstand aber weiter für steigende Preise. Dort heißt es, der Antrag, die Preise 2010 zu erhöhen, sei noch nicht förmlich zurückgenommen worden. Deshalb werde „auf Arbeitsebene“ auch weiter darüber diskutiert. Feste Absprachen gebe es aber noch nicht.

Unter anderem sollte der Einzelfahrschein in der Stadt 2,30 Euro statt 2,10 Euro kosten, für die Monatskarte wollten die Verkehrsunternehmen mit 74 Euro zwei Euro mehr als bisher kassieren. Zuletzt hatten die Verkehrsunternehmen die meisten Preise im April 2008 erhöht. Stabil blieben damals die Tarife für Einzelfahrausweise und Tageskarten im Stadtgebiet (Tarif AB) sowie für Schüler- und Geschwisterkarten. Der Preis für Schülerkarten (26 Euro) ist seit 2004 unverändert geblieben; Geschwisterkarten kosten seit 2003 konstant 16 Euro.

Nach wie vor habe die BVG zudem ihre Hausaufgaben nicht gemacht, warf Junge-Reyer dem landeseigenen Unternehmen vor. Vor einer Tariferhöhung müsse die BVG nachweisen, dass die Fahrgäste auch bei höheren Preisen in unverminderter Zahl weiter mit Bahnen und Bussen fahren; Kundenbindung genannt. Zudem sollten die Preise nicht stärker klettern als die Inflationsrate. Diese liege derzeit aber bei null oder darunter. Einen Grund, die Tarife zu ändern, sehe sie deshalb derzeit nicht, sagte Junge-Reyer weiter, die von der Linken-Abgeordneten Jutta Matuschek zu ihrer Haltung gefragt worden war,

Die BVG und die S-Bahn mussten bereits in diesem Jahr schlucken, dass sie die Preise nicht erhöhen konnten. Brandenburgs damaliger Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (SPD) wollte im Jahr der Landtagswahlen die Nutzer von Bahnen und Bussen nicht verärgern und setzte – trotz des Widerstands von Verkehrsbetrieben im Land – durch, dass die Preise im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg stabil blieben.

Bei der BVG befürchtet man, dass sich dieser Schritt 2011 wiederholen kann: Dann wird in Berlin gewählt. Bereits im Wahljahr 2006 war die sonst übliche Preiserhöhung im Nahverkehr ausgesetzt worden.

Die BVG will die Fahrpreise jährlich um 1,5 Prozent steigen lassen und zugleich mehr Fahrgäste gewinnen.

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