Radbruch : Schrumpfende S-Bahnen

Die S-Bahn ist wieder zur Schrumpfbahn geworden. Vor Jahren nannte man sie im Westteil der Stadt so, weil rund die Hälfte des Netzes stillgelegt war – und jetzt sind die Züge in der Länge geschrumpft.

Klaus Kurpjuweit
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Vorbei. So viel Platz wie hier auf dem Bahnsteig wird es in den nächsten Tagen in den Zügen nicht geben. -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinAuf fast allen Linien sind seit Sonnabend nur noch kürzere Züge unterwegs; mit sechs statt mit acht Wagen oder mit vier statt wie bisher mit sechs. Wahrend es gestern kaum Probleme gab, kann es am Montag vor allem im Berufsverkehr sehr voll werden. Bei großem Andrang mussten in der Vergangenheit auch schon Fahrgäste auf den Bahnsteigen stehen bleiben, weil sie keinen Platz mehr in den Zügen fanden.

Probleme kann es vor allem auf der Stadtbahn zwischen Charlottenburg und Ostbahnhof geben. Dort sind auch die Acht-Wagen-Züge in der Hauptverkehrszeit sehr voll. Zwischen Charlottenburg und Spandau müssen Fahrgäste zudem auch in der nächsten Woche auf die S-Bahn ausweichen, weil die Regionalbahnstrecke auf diesem Abschnitt gesperrt ist. Allerdings gibt es hier auch weiterhin ungekürzte Acht-Wagen-Züge auf der S9 nach Schönefeld, weil dort andere Fahrzeuge fahren.

Die S-Bahn musste, wie berichtet, in der Nacht zu Sonnabend 100 Wagen der neuesten Baureihe 481 aus dem Betrieb nehmen, bis die Fahrzeuge neue Räder erhalten haben. Dieser Schritt ist erforderlich, weil am 1. Mai in Kaulsdorf bei einem Zug ein Rad gebrochen war, was den letzten Wagen entgleisen ließ. Die Räder halten nicht so lange, wie es vom Hersteller berechnet worden war.

Die S-Bahn hatte mehrere Tage danach die Sicherheitsvorschriften erhöht und den Austausch der jeweils vorderen Räder an 260 Wagen, die mehr als 650 000 Kilometer zurückgelegt haben, angeordnet. Diese Aktion sollte bis zum 10. August abgeschlossen sein.

Üblich war bisher, dass die Räder nach 1,2 Millionen Kilometern gewechselt werden. So habe es die S-Bahn auch dem aufsichtsführenden Eisenbahn-Bundesamt (EBA) mitgeteilt, sagte dessen Sprecher Ralph Fischer. Inzwischen habe sich herausgestellt, dass die S-Bahn auch Züge mit einer Laufleistung von mehr als 1,2 Millionen Kilometern im Betrieb ließ, was jetzt aus Sicherheitsgründen untersagt worden ist. Während die S-Bahn die längere Laufleistung auf ein Kommunikationsproblem mit dem Amt zurückführt, ist man dort verärgert. „Auf Angaben, die man uns macht, sollten wir uns auch verlassen können.“ Ob es Konsequenzen gebe, könne man noch nicht sagen.

In den Werkstätten gibt es jetzt Engpässe, weil das Unternehmen mehrere Anlagen geschlossen hat. Da sich die Arbeiten dort nun auf den Austausch der Räder konzentrieren, werden andere Züge kaum noch repariert.

Mitarbeiter leisten Überstunden und sollen auch auf Urlaub verzichten. Zudem helfen rund 80 Beschäftigte von anderen Bahnwerken oder Drittfirmen aus. Mitte der Woche soll sich die Lage entspannen. 

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