S-Bahn : Fahrgäste lassen ihren Frust am Personal aus

Lange Wartezeiten, übervolle Bahnen, fehlende Informationen: Mittlerweile werden die Mitarbeiter beschimpft und befürchten körperliche Attacken. Der Verkehr läuft immer noch sehr eingeschränkt.

Klaus Kurpjuweit
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Augen auf. Die neue Geschäftsführung will Schwächen des Unternehmens aufdecken und sogar abstellen. Noch aber läuft der Betrieb...

Die S-Bahn kommt weiter nicht ins Rollen. Linien fallen immer noch aus, auf vielen Strecken rollt weiter nur alle 20 Minuten ein Zug. Auch am vierten Tag des Chaos-Verkehrs gab es am Freitag kaum Verbesserungen im Angebot. Im Internet gibt es weiter nur eine linienbezogene Übersicht zu den Einschränkungen. In der aktuellen Fahrplanauskunft sind die Ausfälle dagegen weiter nicht berücksichtigt. Allerdings bietet die BVG Umfahrungsmöglichkeiten an. Und am Montag gibt es Gespräche zwischen der S-Bahn und der BVG über zusätzliche Angebote.

Die langen Wartezeiten und die übervollen Bahnen, gepaart mit fehlenden Informationen, nerven Fahrgäste inzwischen so, dass sie zunehmend die Mitarbeiter der S-Bahn beschimpfen. Manche haben nach eigenen Angaben bereits Angst, dass sie auch körperlich attackiert werden könnten. Für den Schlamassel war allerdings die Geschäftsführung verantwortlich, die am Donnerstag komplett das Unternehmen verlassen musste.

Die neue Leitung mit Peter Buchner (siehe rechts) an der Spitze ist noch dabei, sich einen Überblick über die verfahrene Situation zu verschaffen. Noch immer sind fast 400 von insgesamt 1268 Wagen abgestellt, weil vor dem Einsatz die bruchgefährdeten Räder kontrolliert werden müssen, was unter der alten Führung nicht fristgemäß erfolgt war.

Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA), das die Wagen deshalb am vergangenen Montag aus dem Verkehr ziehen ließ, hat seine Untersuchungen dazu noch nicht abgeschlossen. Nach Angaben von EBA- Sprecher Ralph Fischer sind sogar weitere Auflagen durch die Aufsichtsbehörde nicht ausgeschlossen.

Wie Fahrgäste, die etwa ihren Arbeitsplatz zu spät erreicht haben, entschädigt werden könnten, steht auch noch nicht fest. Bahn-Vorstand Ulrich Homburg hat eine „Kompensation“ für die Kunden angekündigt. Die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling fordert, dass Inhaber von Monats- und Jahreskarten 15 Prozent des Preises erstattet bekommen sollten. Zusätzlich sollte die S-Bahn, sobald sie wieder genügend Fahrzeuge hat, die Züge häufiger fahren lassen. Möglich wäre auch, die Mitnahmemöglichkeit für weitere Personen zu erweitern, wie es BVG und S-Bahn bereits zum Tag der Umwelt praktiziert hatten.

Die S-Bahn hatte allerdings bereits vor den Auflagen durch das Eisenbahn-Bundesamt erhebliche Probleme im Betrieb. Die Pünktlichkeitsrate erreichte nach Angaben des Verkehrsverbundes Berlin- Brandenburg (VBB) im vergangenen Jahr mit 92,7 Prozent den schlechtesten Wert seit 2003. Der permanente Fahrzeugmangel habe dazu geführt, dass beschmierte und verschmutze Züge länger im Einsatz seien als vereinbart.

Unter der alten Geschäftsführung wurden vier von sieben Werkstätten geschlossen, die Zahl der Fahrzeuge um mehr als 200 reduziert. Der Bahnkonzern hatte der S-Bahn vorgegeben, jährlich Gewinne in Millionenhöhe abzuführen; 2008 waren es rund 56 Millionen Euro. Bislang gibt es keine Abstriche. Die Probleme mit den Rädern und das Sparprogramm hätten nichts miteinander zu tun, meint Homburg.

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