S-Bahn : Fahrpreise steigen – Angebot bleibt schlecht

Die Berliner S-Bahn will erst Ende des nächsten Jahres wieder mit der vereinbarten Wagenzahl fahren. Trotzdem steigen im nächsten Jahr die meisten Fahrpreise.

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Die S-Bahn wird frühestens Ende des nächsten Jahres wieder den normalen Betrieb anbieten können, bei der BVG gibt es weiter einen Fahrzeugmangel bei den Bussen, weshalb oft nur kleinere Typen als erforderlich eingesetzt werden können – und trotzdem steigen im nächsten Jahr die meisten Fahrpreise. Heute will der Aufsichtsrat des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) die neuen Tarife beschließen.

Dann steigt, wie berichtet, der Preis für eine Fahrt innerhalb der Stadt (Tarifgebiet AB) von 2,10 Euro auf 2,30 Euro, was die Fahrt um 9,5 Prozent verteuert. Für das ABC-Ticket (Berlin und Umland) werden statt 2,80 Euro dann 3 Euro fällig, eine Steigerung um 7,1 Prozent. Um zwei Euro teurer werden sollen auch Zeitkarten – mit Ausnahme der Schüler- und Geschwistertickets im Abonnement. Einzeln gekauft steigt der Preis der Schülerkarte von 26 Euro auf 27 Euro, das Geschwisterticket erhöht sich um 50 Cent auf 16,50 Euro. Unverändert bleiben die Preise für das Seniorenticket sowie für die Sozialkarte. Das Seniorenticket war außer der Reihe im Februar 2010 um zwei Euro teurer geworden und kostet seither 47 Euro im Monat. Bei Jahreskarten zahlen Abonnenten in Zukunft etwas weniger als die Barzahler an einem Verkaufsschalter. Billiger soll die Kleingruppenkarte werden. Durchschnittlich steigen die Preise um 2,8 Prozent.

Zuletzt waren die Tarife im April 2008 erhöht worden, wobei der Preis für das Einzelticket seit 2006 unverändert war, der Preis für Schülerkarten ist seit 2004 konstant geblieben; Geschwisterkarten kosteten seit 2003 stets 16 Euro.

In ihrem Finanzplan war die BVG bisher von jährlichen Erhöhungen der Fahrpreise um 1,5 Prozent ausgegangen; der VBB hatte sogar vorgegeben, die Preise nicht stärker steigen zu lassen als die Inflationsrate, die im vergangenen Jahr bei 0,4 Prozent lag. Im April lagen die Preise statistisch ein Prozent über denjenigen des Vorjahresmonats. Dass die VBB-Preise nun doch kräftiger klettern, wird damit begründet, dass es seit fast drei Jahren keine Erhöhung gegeben habe – unter anderem wegen des Desasters bei der S-Bahn. Das Unternehmen will zwar die Kunden im November und Dezember erneut durch Freifahrten entschädigen, trägt die Preiserhöhung zum 1. Januar aber voll mit.

Dass die S-Bahn erst Ende 2011 wieder auf allen Linien Züge mit der vorgesehenen Wagenzahl fahren lassen will, ist für VBB-Chef Hans-Werner Franz enttäuschend. Vorher sei das umfangreiche Programm zum Austausch von Rädern bei der Baureihe 481 aber nicht zu schaffen, sagte am Mittwoch S-Bahn-Chef Peter Buchner. Insgesamt müssen 4000 Räder ausgewechselt werden, weil die bisherigen nicht bruchfest sind. Die Probleme mit rissgefährdeten Achsen bei der aus DDR-Zeiten stammenden Baureihe 485 will die S-Bahn durch intensivere Kontrollen in den Griff bekommen. Diese müssen aber noch mit dem Eisenbahn-Bundesamt abgestimmt werden.

Das Geschäftsjahr 2009 hat das Unternehmen mit einem Verlust in Höhe von 92,9 Millionen Euro abgeschlossen; ein Jahr zuvor wies es noch einen Gewinn in Höhe von 56,3 Millionen Euro aus. Die Zahl der Fahrgäste ist schätzungsweise um 4,4 Prozent auf 371 Millionen zurückgegangen.

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