S-Bahn : Junge-Reyer fordert höhere Entschädigung für Bahnkunden

UPDATE Nach einem Gipfeltreffen der Verkehrunternehmen fordert Verkehrssenatorin Junge-Reyer einen weiteren Ausgleich für Fahrgäste. Auch der Vertrag mit der S-Bahn soll nachgebessert werden.

Stefan Jacobs
Gipfel
Verkehrssenatorin Junge-Reyer mit einem Vertreter der Deutschen Bahn (mi.) und dem neuen S-Bahn-Chef Peter Buchner. -Foto: dpa

BerlinStadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) hat angesichts des anhaltenden S-Bahn-Chaos weitere Entschädigungen für die Fahrgäste gefordert. Es gebe Gruppen, die besonders stark von den Einschränkungen betroffen seien wie Berufspendler, die zum Teil weite Strecken zu ihrer Dienststelle zurücklegen müssten, sagte Junge-Reyer am Montag nach einem erneuten Gipfeltreffen mit den Verkehrsunternehmen. Zugleich kündigte sie an, dass der mit dem Senat geschlossene S-Bahn-Vertrag im Herbst nachverhandelt werde. Eine Kündigung lehnte sie ab.

Für sie sei ein weiterer Ausgleich über die bereits angekündigte Erstattung für Abo- und Jahreskarteninhaber hinaus nötig, die im Dezember gratis fahren können, betonte Junge-Reyer. Die Bahn habe zugesagt, das prüfen zu wollen. Nach Angaben der Senatorin liegen die daraus folgenden Einnahmeverluste für die S-Bahn bei über 20 Millionen Euro.

Minimalprogramm der S-Bahn

Die neue Woche begann für Passagiere der S-Bahn mit dem seit vergangenem Montag gültigen Minimalprogramm – und für die Verkehrssenatorin mit dem nächsten Krisentreffen. Ab dem Mittag beriet Ingeborg Junge-Reyer (SPD) mit Vertretern der S-Bahn, der BVG und des Verkehrsverbundes VBB über den Stand der Dinge und eventuelle Veränderungen.

Bereits im Vorfeld kündigte Junge-Reye drastische Kürzungen bei den S-Bahn-Leistungen an. Das Land Berlin werde einen Betrag in zweistelliger Millionenhöhe einbehalten und dieses Geld wieder in den öffentlichen Nahverkehr, zum Beispiel in die BVG, fließen lassen, sagte die Politikerin am Montag. Ob der bis 2017 geltende Vertrag mit der S-Bahn verlängert wird, ist allerdings noch unklar. Sollte die S-Bahn das Vertrauen der Berliner nicht zurückgewinnen, müsse man sich nach einem anderen Partner umsehen, warnte Junge-Reyer im RBB Radio Eins. Die S-Bahn fahre "auf Bewährung".

Kein Halt von Fernzügen am Zoo

Nach Auskunft eines Bahnsprechers ändert sich am Notfahrplan zu Wochenbeginn nichts, aber das anfangs für mangelhaft befundene Informationsangebot sei weiter verbessert worden. So liefere die zum Wochenende erschienene Neuauflage der Kundenzeitschrift „Punkt3“ einen umfassenden Überblick darüber, wie man mit den S-Bahn-Rudimenten oder unter deren Vermeidung durch die Stadt kommt. Erste Verbesserungen seien bereits erkennbar, etwa die „eindeutig steigenden Nutzerzahlen“ auf der S 21 genannten Nord-Süd-Verbindung, die im Viertelstundentakt von Gesundbrunnen über Hauptbahnhof und Potsdamer Platz durch den Fernbahntunnel fährt.

Obwohl auf der Stadtbahntrasse zwischen Zoo und Ostbahnhof zurzeit keine S-Bahnen fahren, will die Bahn weiter keine Fernzüge am Zoo halten lassen. Ein Sprecher begründete das mit der „unwahrscheinlich hohen Belegung“ der Strecke, auf der zurzeit etwa sieben Regionalzüge pro Stunde fahren. Die halten auch am Zoo – und sollen die Passagiere mitnehmen, die von den nächstgelegenen Fernbahnstationen Hauptbahnhof und Spandau in die westliche City wollen.

Bahn überlegt Regressforderungen gegenüber Industrie

Der Notfallfahrplan der S-Bahn soll mindestens bis zum 10. August gelten. Einen Teil der Ausfälle kompensiert die BVG, die mehr U-Bahnen und Trams fahren sowie Busse zusätzlich in der Nähe von abgeschnittenen S-Bahnhöfen halten lässt. Weil die Ausfälle auch viele Pendler aus dem Umland treffen, haben sich am Wochenende die Brandenburger Grünen zu Wort gemeldet und Verkehrsminister Reinhold Dellmann (SPD) dafür kritisiert, dass sich das Land auf dem Krisengipfel nur vom VBB vertreten lasse.

Bahn-Vorstand Ulrich Homburg erhob im „Spiegel“ schwere Vorwürfe gegen die Hersteller von S-Bahnen und ICEs. Die Bahn halte „mit riesigem Inspektionsaufwand Züge im Betrieb, deren Fahrwerke nicht dauerfest sind im Sinne der Vorschriften“, sagte Homburg dem Nachrichtenmagazin. So seien die Radscheiben der in den 90er Jahren von Bombardier gebauten Berliner S-Bahnen „schlicht unterdimensioniert“. Die Bahn behalte sich Regressforderungen gegenüber der Industrie vor, wolle aber zunächst „keine Schuldzuweisungen vornehmen“.

Homburg kritisierte „einen Trend zu grenzwertigen Dimensionierungen beim Einsatz immer hochfesterer Stahlsorten“. Das sei besonders heikel, weil sich Risse in solchen Werkstoffen schneller fortsetzten als bei konventionellem Stahl. „Die Materialschlacht, mit der wir derzeit den Betrieb aufrechterhalten, kann so nicht weitergehen.“ Wie berichtet, hat das Eisenbahnbundesamt den Großteil der S-Bahn-Flotte wegen möglicher Radschäden und nicht eingehaltener Prüffristen aus dem Verkehr gezogen.

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