S-Bahn : Zwischen Pasing und Ostbahnhof

Süddeutsche S-Bahnen sollen in Berlin aushelfen: Die wenigen Fahrgäste sind überrascht.

Christian van Lessen
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Rote Linie. In den süddeutschen S-Bahnen war reichlich Platz. -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Pasing, Laim, Hackerbrücke, Karlsplatz, Marienplatz, Isartor und Ostbahnhof: Die Schweizer Touristen, die am Hauptbahnhof in die S-Bahn eingestiegen sind, studieren das Streckennetz an der Decke – und wundern sich nicht einmal. Sie wollen zum Ostbahnhof und wähnen sich im richtigen Zug. Berliner Fahrgäste schauen sich aber sehr erstaunt im Zug um: Es riecht überaus frisch, dazu gibt es Gepäckablagen über den Sitzreihen, Papierkörbe unter den Fenstern – das hat es in Berlin doch lange nicht mehr gegeben.

Andere aber wundern sich heftig. Die merkwürdigen Stationsnamen, die Sauberkeit, die kaum oder nur sehr dezent zerkratzten Scheiben, die schnelle, leise Fahrt: Ein ganz neues S-Bahngefühl.

Zwischen Südkreuz und Gesundbrunnen hat die „DB Regio Nordost“ zusätzliche Züge des Typs ET 423 aus Stuttgart und München kommen lassen – wie schon zur Fußball-WM vor drei Jahren. Sie sind auf Fernbahngleisen herangerollt und bis Ende August im Einsatz. Offiziell heißt das S-Bahn-Ergänzungsverkehr auf Fernbahngleisen. Der hat sich am Montag noch nicht so richtig herumgesprochen. Die Züge fahren über Hauptbahnhof und Potsdamer Platz mit sehr viel freien Plätzen, was angesichts überfüllter S-Bahnen auf Nachbargleisen ganz merkwürdig aussieht. Aber private Bahnexperten sind überall zur Stelle. Sie fotografieren die rotweißen Züge, die Fahrerstände. „Wie fährt es sich als Münchener in Berlin?“, wollen sie von den Zugführern wissen, und die antworten, dass sie nicht aus München kommen, sondern aus Berlin und Umgebung. Die Zugführer müssten doch erst mit der Strecke richtig vertraut gemacht werden.

Ralph Stübing, einer der Bahnfreaks, freut sich, dass die vier Wagen von vorn bis hinten durchgängig sind. Dass es eine Klimaanlage gibt, dass sich die Türen von selbst schließen, wenn an den Stationen niemand mehr einsteigt. Überaus freundlich sind die Ansagen: „Meine Damen und Herren, wir erreichen in Kürze den Hauptbahnhof.“ In den Zügen liegen sogar Münchener Werbeprospekte aus, und die „Isar Card“ verspricht, stressfrei ans Ziel zu kommen. In Gesundbrunnen hält mittags einer der Münchener S-Bahnzüge – außerplanmäßig und ganz kurz – direkt am Gleis sieben, wo ein richtiger Zug nach München erwartet wird. Da gibt es schon Touristen, die ins Grübeln kommen. Christian van Lessen

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