S-Bahnen : Brennendes Problem

Immer wieder fangen S-Bahnen einer bestimmten Baureihe Feuer. Doch die Züge dürfen weiter fahren.

Klaus Kurpjuweit
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Ausgebrannt. Dieser S-Bahn-Wagen fing am Mittwoch Feuer. Mitarbeiter verhinderten, dass mehr Fahrzeuge beschädigt wurden. Der...Foto: Fröhlich

Auch nachdem zum wiederholten Mal ein Wagen der S-Bahn-Baureihe 480 in Brand geraten ist, lässt die S-Bahn die Fahrzeuge weiter im Einsatz. Ein Sicherheitsrisiko gebe es nicht, sagte am Donnerstag ein Bahnsprecher. Am Mittwochnachmittag war, wie berichtet, ein Wagen eines Zuges am Bahnhof Wannsee ausgebrannt. Fahrgäste waren nicht im Zug. Bereits in den vergangenen Jahren hatte es mindestens vier Brände bei Fahrzeugen dieses Typs gegeben – aus verschiedenen Ursachen. Mehrfach waren die Bahnen deshalb umgebaut worden.

Das Eisenbahn-Bundesamt als Aufsichtsbehörde lässt die Brandursache auch von externen Sachverständigen suchen. Die Häufung von Bränden beunruhige auch die Aufsichtsbehörde, sagte deren Sprecher Ralph Fischer in Bonn. „Vorläufig“ gebe es aber noch keinen Anlass, die Züge aus dem Verkehr zu nehmen. Die Brände seien anders zu beurteilen als die Probleme bei Achsen. Hier wurden nach dem Bruch einer Achswelle bei einem ICE der Bahn vorübergehend alle Fahrzeuge der betroffenen Baureihe stillgelegt.

Dass in Wannsee „nur“ ein Wagen des Acht-Wagen-Zuges ausgebrannt ist, war auch dem Eingreifen von S-Bahnern zu verdanken. Der Triebfahrzeugführer eines Zuges der Linie S 1, der auf einer Rangierfahrt war, bemerkte beim Vorbeifahren, dass aus dem Wagen auf dem Nebengleis Qualm kam. Daraufhin informierte er den Fahrer dieses Zuges. Beide Fahrer versuchten, das Feuer zunächst selbst zu löschen. Zu Hilfe kam ihnen nach Angaben eines Sprechers auch der Fahrer des Hilfsgerätezuges, der stets einsatzbereit in Wannsee steht. Dieser S-Bahner kuppelte die ersten sechs Wagen des Unglückszuges ab und fuhr sie auf einen sicheren Bahnsteig in Wannsee. Ein weiterer Mitarbeiter fuhr dann den Zug der S 1, der neben dem brennenden Wagen stand, weg vom Feuer. Der Zug mit dem brennenden Wagen sollte am Bahnhof Westkreuz die ersten Fahrgäste einsteigen lassen und als S 5 in Richtung Strausberg fahren.

2004 war ein Wagen der Baureihe 480 im Anhalter Bahnhof ausgebrannt. Im Jahr 2000 hatte am Bahnhof Yorckstraße ein Zug Feuer gefangen. In beiden Fällen waren die Wagen besetzt, die Fahrgäste konnten sich aber in Sicherheit bringen. 1992 und 1995 war in Lichtenrade und Tegel jeweils ein Wagen abgestellter Züge ausgebrannt.

Die S-Bahn hat noch 70 Einheiten dieser Reihe im Bestand, die aus je zwei Wagen bestehen. Ursprünglich waren es 85. Obwohl diese Züge erst Mitte der achtziger und Anfang der neunziger Jahre gebaut worden waren, hat die S-Bahn einen Teil schon verschrottet – unabhängig von den Bränden. Klaus Kurpjuweit

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