Schienenverkehr : BVG will die S-Bahn nicht übernehmen

Die BVG will die S-Bahn nicht übernehmen und in das Unternehmen integrieren. Mit dabei sein wolle man allerdings beim von Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) favorisierten Modell, bei dem die BVG und die S-Bahn von einer gemeinsamen Holding gesteuert würden, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz.

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So ließen sich Kosten senken. Die Führungsspitze könnte ebenso vereinheitlicht werden wie etwa der Vertrieb, das Marketing, das Controlling oder der Einkauf. Auch das Aufteilen der Einnahmen nach komplizierten Berechnungen wäre hinfällig.

Die Erwartung, dass bei einer gemeinsamen Leitung auch Kosten beim Fahrzeugkauf reduziert werden könnten, weil möglichst viele Komponenten für S- und U-Bahnen vereinheitlicht werden sollen, teilen Fachleute nicht. Beide Systeme seien zu unterschiedlich, auch wenn sie auf den ersten Blick viele Gemeinsamkeiten zu haben scheinen, sagte ein Experte, der einst bei der AEG Fahrzeuge mitentwickelt hatte. Gravierende Unterschiede gebe es etwa beim Antrieb und bei den zulässigen Achslagen. Vereinheitlichen ließen sich vielleicht der Türmechanismus oder die Beleuchtung; eventuell auch der Fahrerstand.

„Eine S-Bahn ist eine S-Bahn und eine U-Bahn ist eine U-Bahn“, sagt auch BVG-Sprecherin Reetz. Deshalb sei es nicht sinnvoll, die S-Bahn voll in die BVG aufzunehmen, wie es im Westteil der Stadt von 1984 bis 1994 praktiziert wurde. Allerdings aus der Not heraus. Die Reichsbahn der DDR, die nach dem Krieg mit dem Betrieb in der Gesamtstadt beauftragt worden war, was auch nach dem Bau der Mauer weiter galt, wollte das Defizit im Westen nicht länger ausgleichen.

Gegen eine Übernahme des Betriebs im Westteil hatten sich der Senat und die BVG lange gewehrt. Als sich dann aber abzeichnete, dass die Reichsbahn den Betrieb einstellen würde, einigte man sich Ende 1983 innerhalb von nur drei Monaten mit der DDR darauf, dass die BVG den Betrieb am 9. Januar übernimmt – mit zunächst nur zwei Streckenstummeln. Doch schnell wurde das Netz dann wieder erweitert – und unter Regie der BVG stiegen die Fahrgastzahlen wieder. Nach der Wende schrieb der Einigungsvertrag dann aber vor, den Betrieb für die gesamte Stadt und das Umland der Bahn AG zu übertragen.

Sie will die S-Bahn auch behalten, obwohl sie nun den durch das Chaos verursachten Verlust in Höhe von weit mehr als 100 Millionen Euro tragen muss. In den folgenden Jahren soll die S-Bahn aber wieder Gewinne einfahren, die durch den bis Ende 2017 geltenden Vertrag mit dem Senat fast garantiert sind. Jährlich zahlt das Land mehr als 230 Millionen Euro als Zuschuss – ohne beim Tagesgeschäft mitreden zu können, wie es in einer Holding möglich wäre. Klaus Kurpjuweit

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