Schönefeld : Behörden beschließen weniger Krach am Himmel

Keine Abkürzung mehr: Am Himmel über Schönefeld wird es ruhiger werden. Vermeidbare Flüge über Wohngebäuden sollen jetzt untersagt werden. Mehr als ein Jahr haben die verschiedenen Behörden sich damit beschäftigt, erst jetzt hat man sich auf eine solche Anordnung geeinigt.

Klaus Kurpjuweit
Schönefeld
Dicht drüber. In Schönefeld überfliegen die Maschinen auch bebaute Gebiete. Durch neue Vorschriften beim Landen soll die Zahl der...Foto: Thilo Rückeis

BerlinNach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) sollen nun in den nächsten Wochen neue Regeln für Anflüge verbindlich festgelegt werden; „Abkürzungen“ am Himmel, die auch über bewohnte Gebiete führten, sind dann untersagt.

In Schönefeld war es bisher möglich, dass die Piloten selbst entscheiden konnten, ob sie von Instrumenten geleitet landen oder lieber per Handsteuerung. Vorteil der Handsteuerung aus Pilotensicht: Der Anflug ist kürzer – und damit auch billiger für die Fluggesellschaften. Praktiziert haben dieses Verfahren deshalb auch vor allem die Billigfluglinien.

Beim Instrumentenlandesystem (ILS) werden die Flugzeuge weit weg von der Landebahn in einer Entfernung von etwa 18 Kilometern erfasst und fliegen dann auf einer langen Strecke fast geradeaus zum Flughafen. Die Maschinen, die nicht parallel zur Landebahn unterwegs sind, müssen dabei einen weiten Bogen fliegen, um die Landebahn vor sich zu haben. Beim handgesteuerten Anflug können die Piloten, die „von der Seite“ kommen, dagegen näher an den Flughafen fliegen und nach einer engen Kurve dann zur Landung ansetzen. Piloten sollen so nach Tagesspiegel-Informationen bis zu zehn Minuten Zeit gespart haben. Dabei kann der Flug auch über dicht bebaute Gebiete führen. Hier hatten die Beschwerden über den Lärm in den letzten Monaten entsprechend zugenommen.

Schönefeld war einer der wenigen Flughäfen in Deutschland, wo die Piloten selbst entscheiden konnten, nach welchem Verfahren sie landen. Lange war strittig, welche Behörde hier verbindliche Regeln erlassen kann. Nun hat man sich geeinigt, dass die gemeinsame Luftfahrtbehörde Berlin/Brandenburg den Antrag bei der Flugsicherung stellt und diese das Verfahren dann anwendet.

Geleitet werden die Piloten beim Instrumentenflug aus der Ferne von der Flugsicherung in Bremen; erst kurz vor der Landung übernehmen die Lotsen in Schönefeld den Flug.

Eine andere Änderung beim Anflug, die Lärm in der Nacht verringern kann, sei dagegen in Schönefeld nicht möglich, sagte Stefan Jaekel von der Flugsicherung. Dabei bleiben die Flugzeuge länger in größeren Höhen und damit auch länger in großem Abstand zu Häusern unter der Flugroute. Ein solches Verfahren ist jetzt am Flughafen Köln-Bonn für die Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr eingeführt worden. Es soll 20 bis 50 Kilometer vom Flughafen entfernt den Lärm um vier bis sechs Dezibel senken. Dafür fehlten in Schönefeld aber die Voraussetzungen, sagte Jaekel. 

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