Schönefeld : Schneller und billiger mit dem Zug zum Flughafen?

Der Bahnkunden-Verband schlägt eine neue Trasse für den Ost-Anschluss vor. Schienen sollen entlang der Autobahn und nicht im Wald gelegt werden.

Klaus Kurpjuweit
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Schönefeld - Viel Geld für eine schlechte Bahnverbindung: So bewertet der Deutsche Bahnkunden-Verband (DBV) den geplanten östlichen Anschluss der Bahn an den neuen Flughafen in Schönefeld, für den derzeit das Genehmigungsverfahren läuft. Der Verband schlägt eine Lösung vor, die billiger und für den Betrieb besser sein soll. Doch die Planer halten an ihrem Vorhaben fest.

Fern- und Regionalzüge sollen nach dem derzeitigen Planungsstand eines Tages den Flughafen im östlichen Bereich über einen Anschluss zur Görlitzer Bahn erreichen – über jeweils eingleisige Verbindungskurven nach Norden und Süden, wobei die Hauptgleise gekreuzt werden. Der DBV schlägt dagegen vor, den Flughafenanschluss an den Berliner Außenring zu legen und dann parallel zur Autobahn die Verbindung zum Flughafen zu schaffen. Am Außenring könnten sich die Züge, anders als an der Görlitzer Bahn, kreuzungsfrei in die vorhandenen Gleise ein- und ausfädeln. Zudem könnte es einen Zwischenbahnhof am künftigen „Business-Park“ geben, wo Gewerbe, Hotels und Büros entstehen sollen.

Obwohl bei dieser Lösung auch ein Tunnelbau erforderlich ist, wäre der Bau billiger als die jetzt vorgesehene Trasse durch den Wald, ist Hans-Joachim Bona vom DBV überzeugt. Die Trasse sei um die Hälfte kürzer, und der Tunnel könne in offener Bauweise errichtet werden. Die Trasse durch den Wald ist mit Kosten in Höhe von rund 60 Millionen Euro vereinbart.

Sie war in der Bau- und Finanzierungsvereinbarung für den Flughafenanschluss mit der Verbindung zur Görlitzer Bahn vorgesehen worden. Ursprünglich wollten die Planer dafür die heutige eingleisige „Kerosinbahn“, die ebenfalls von der Görlitzer Bahn abzweigt, zweigleisig ausbauen. Auf ihr wird das Kerosin zum Flughafen gefahren.

Beim zweigleisigen Ausbau wären die Erschütterungen in Häusern der Umgebung jedoch zu groß geworden, hatte man bereits in der Planungsphase für den Flughafen insgesamt erkannt. 2002 wurde der östliche Bahnanschluss deshalb aus dem Planfeststellungsantrag für den Flughafen herausgenommen. Sie ist im seit März 2006 geltenden Beschluss zum Ausbau des Flughafens nicht enthalten. Weil sich anschließend das besondere Genehmigungsverfahren aus unterschiedlichen Gründen um Jahre verzögert hat, wird es zur wahrscheinlichen Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg am 30. Oktober 2011 keinen Anschluss ans östliche Bahnnetz geben.

Der Bahnkunden-Verband schlägt deshalb eine Zwischenlösung vor. Er will eines der beiden S-Bahn-Gleise, die vom Bahnhof Schönefeld zum neuen Abfertigungsgebäude verlängert werden, zunächst für Regionalzüge nutzen, die dann ebenfalls direkt unter dem Terminal halten könnten. Nach derzeitigen Plänen sollen Fahrgäste im Regionalverkehr im Bahnhof Schönefeld in die S-Bahn umsteigen, die alle zehn Minuten zum Flughafen fahren soll.

Zur Eröffnung des ausgebauten Flughafens wird es nur einen bescheidenen Bahnanschluss geben, obwohl allein im Flughafenbereich dafür fast 640 Millionen Euro ausgegeben werden. Weil auch die Dresdner Bahn als Direktverbindung für den Airport-Express frühestens 2015/16 ausgebaut sein wird, fahren die Züge zunächst den Umweg über die Anhalter Bahn. Nach Angaben der Bahn gibt es pro Stunde die Möglichkeit, zwei Züge vom Hauptbahnhof zum Flughafen fahren zu lassen. Der Flughafen besteht jedoch auf drei Verbindungen im 20-Minuten-Abstand. Auch hier ist knapp zwei Jahre vor der Eröffnung des Flughafens noch keine Entscheidung gefallen.

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