Update

Sonderfahrplan : S-Bahn fährt vielleicht noch länger im Schleichtempo

Alles neu macht der Januar: Seit Montag gilt ein neuer Notfallfahrplan für die Berliner S-Bahn. Er soll mindestens bis zum 27. Februar gültig bleiben und erneutes Chaos verhindern.

von und
Diesmal wieder Kabeldiebstahl: Am Dienstagmorgen gab es wieder Verspätungen und Zugausfälle bei der Berliner S-Bahn. Vor allem der Osten Berlins war betroffen. Hier die entsprechende Mitteilung am Bahnhof Greifswalder Straße.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Maik Werther
29.05.2012 07:23Diesmal wieder Kabeldiebstahl: Am Dienstagmorgen gab es wieder Verspätungen und Zugausfälle bei der Berliner S-Bahn. Vor allem der...

Seit heute gilt bei der S-Bahn der sogenannte Winterfahrplan, der auf Tempo 60 statt 80 ausgerichtet ist und der deshalb zu längeren Fahrzeiten, Zugausfällen auf einigen Strecken und oft auch zu zusätzlichen Wartezeiten beim Umsteigen führt. Auch die Abfahrtzeiten haben sich geändert. Die S-Bahn reagiert damit auf das Chaos mit Zugausfällen und Verspätungen in der vergangenen Frostperiode. "Sinn und Zweck des Ganzen ist es, den Kunden einen verlässlichen Fahrplan zu bieten", sagte ein Sprecher der Berliner S-Bahn gegenüber Tagesspiegel Online. Das heißt: Selbst wenn eine Entspannung in Sicht sein sollte, wird es bis zum 27. Februar bei dem ausgedünnten Fahrplan bleiben. Mindestens. Denn schon jetzt ist von einer möglichen Verlängerung die Rede. Man werde Anfang Februar erneut darüber beraten, kündigte der Sprecher an.

Berlin und Brandenburg hätten die Verschlechterungen im Fahrplan akzeptieren müssen, weil „schlichtweg eine bessere Alternative gefehlt“ habe, begründete der Chef des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Hans-Werner Franz, die Zustimmung zum „Winterfahrplan“. Man habe nur die Wahl gehabt zwischen einem Fahrplan, der bei einem erneuten Frost wieder völlig aus den Fugen gerät, oder einem Fahrplan mit längeren Fahr- und Wartezeiten, für den die S-Bahn Stabilität zugesichert habe. „Ein schlechter Fahrplan ist besser als gar keiner“, sagte Franz. Auch der Berliner Fahrgastverband lenkt ein: "Wir akzeptieren die Situation als notwendiges Übel", so der stellvertretende Vorsitzende Matthias Horth.

Beim großen Frost in den vergangenen Wochen durften die meisten Züge nur noch mit Tempo 60 fahren, weil die Rohre für den Bremssand eingefroren waren. Züge mit intakten Anlagen konnten aber weiter auf 80 km/h beschleunigen, wie es im ursprünglichen Fahrplan vorgesehen ist. Die langsamer fahrenden Züge brachten den Betrieb völlig durcheinander; es gab Verspätungen und Zugausfälle am laufenden Band. Jetzt stellt die S-Bahn den Fahrplan grundsätzlich einheitlich auf Tempo 60 um. Das Winterchaos sei "ein Ergebnis der völlig falschen Fahrzeug- und Personalpolitik bei der S-Bahn Berlin GmbH", ärgert sich Matthias Horth vom Fahrgastverband und fordert: "Man muss sich jetzt Gedanken machen, wie es im nächsten Winter weitergehen soll." Um das Problem jedoch dauerhaft zu lösen, "müssten bauartbedingte Änderungen vorgenommen werden", heißt es von Seiten des Verkehrsunternehmens. Das werde derzeit geprüft.

Bisher scheint der neue Fahrplan jedenfalls aufzugehen. Für die nächsten Tage sagen die Meteorologen jedoch wieder Temperaturen um den Gefrierpunkt voraus. Schnee könnte auch fallen. Und dann wird man sehen, ob die S-Bahn ihren Schleichplan einhalten kann.

Für die wichtigsten Stationen hat der VBB die neuen Abfahrtzeiten mit Minutenangaben in jeder Fahrtrichtung zusammengestellt. Zwischen diesen ausgewählten Bahnhöfen ist jeweils zusätzlich die jeweilige Fahrtzeit angegeben. Auf dem Ring sollen die Züge durchgehend alle zehn Minuten fahren. Auf der Stadtbahn zwischen Ostkreuz und Charlottenburg/Westkreuz sowie auf der Nord-Süd-Strecke zwischen Gesundbrunnen und Südkreuz über Friedrichstraße fahren die Züge durch das Überlagern mehrerer Linien nach wie vor bis auf wenige Ausnahmen meist im Abstand von nur wenigen Minuten.

Auf den meisten Bahnhöfen ändern sich die bisherigen Abfahrtszeiten. Zwischen Hennigsdorf und Nordbahnhof kommen die Züge der S 25 nur noch alle 30 statt wie bisher alle 20 Minuten, weil es auf der eingleisigen Strecke zu wenig Ausweichgleise für die nun so langsam fahrenden Züge gibt. Ein Ausbau der Strecke wird seit Jahren geplant, kommt aber nicht voran. Im Nordbahnhof müssen die Fahrgäste dann umsteigen. Von Hennigsdorf aus können Fahrgäste mit dem Regionalexpress RE 6 in die Stadt fahren, der von Spandau über Jungfernheide bis Gesundbrunnen verlängert wird.

Eingleisige Abschnitte führen auch dazu, dass zwischen Charlottenburg und Potsdam die Züge der S 7 lediglich alle 20 statt alle 10 Minuten fahren, und auch Spandau und Wartenberg werden nur noch alle 20 Minuten erreicht. Auf der Ringbahn sind die Züge im Zehn-Minuten-Abstand unterwegs; der Fünf-Minuten-Takt in der Hauptverkehrszeit entfällt.

Durch die geänderten Ankunftszeiten müssen Fahrgäste beim Umsteigen mit weiteren Wartezeiten rechnen, weil die Anschlüsse meist nicht mehr stimmen. So konnte die BVG von ihren 234 Tages- und Nachtlinien lediglich fünf den neuen Zeiten der S-Bahn anpassen. Wer kann, weicht gleich auf die Verkehrsmittel der BVG aus.
Unter www.zugausfall.de können Fahrgäste ihre Erfahrungen mit dem neuen Fahrplan eintragen. Die Angaben sollen gemeinsam mit dem VBB ausgewertet worden. Die von Potsdamer Studenten eingerichtete Seite informiert über Ausfälle und Verspätungen bei der S-Bahn. Von derlei Initiativen hält das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn jedoch wenig. Das Informationssystem der Deutschen Bahn sei inzwischen schon sehr gut ausgebaut und werde "Station für Station" verbessert. In Zukunft soll der Fahrgast alle Informationen zu Verspätungen der einzelnen Züge im Internet "in Echtzeit" abrufen können - so wie es schon bei vielen größeren Bahnhöfen der Fall ist. "Schneller geht's kaum", so ein Sprecher der S-Bahn.

Weitere Informationen unter www.vbbonline.de/aktuell oder 030/25 41 41 41

Autor

34 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben