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Streik ab Montag möglich : Lokführer wollen S-Bahn bestreiken

Bahn- und S-Bahnkunden müssen sich ab Montag auf Einschränkungen einstellen, ab diesem Tag sind Warnstreiks möglich. Die Berliner S-Bahn werde davon ausdrücklich nicht ausgenommen. Viele S-Bahn-Mitarbeiter plagen Gewissensbisse.

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BerlinDie Fraktionen im Abgeordnetenhaus reagierten mit Unverständnis auf die Ankündigung der Lokomotivführergewerkschaft GDL ab Montag auch die Berliner S-Bahn zu bestreiken. „Völlig inakzeptabel und ein unwürdiges politisches Kräftemessen auf dem Rücken der Berliner“, sagte FDP-Fraktionsvorsitzender Christoph Meyer. Christian Gaebler, parlamentarischer SPD-Geschäftsführer, appellierte, dem Unternehmen S-Bahn nicht noch mehr Schaden zuzufügen. CDU-Fraktionsvorsitzender Frank Henkel forderte, die S-Bahn vom Streik auszunehmen. Ramona Pop, Vorsitzende der Grünenfraktion, kritisierte es als „bedauerlich, dass die GDL Berlin nicht verschonen will“. Die Belastbarkeit der Fahrgäste sei erschöpft, sagte Jutta Matuschek, verkehrspolitische Sprecherin der Linken.

Mehr als 1000 GDL-Mitglieder hatten ihren Chef Claus Weselsky am Mittwoch fast wie einen Popstar im Maritim-Hotel in der Friedrichstraße empfangen. „Wir streiken nicht gegen die Fahrgäste und Industriekunden“, rief der 51-Jährige ihnen zu, „sondern gegen die Arbeitgeber.“

Am Montag soll es losgehen, das Ausmaß des Streiks will die GDL mit der Zeit erhöhen. Details wurden nicht genannt. Fest steht aber, dass die S-Bahn einbezogen wird – trotz der „äußerst schwierigen Situation“. Doch die Gewerkschaft wolle ihre Ziele erreichen, für die technischen Probleme der S-Bahn könne sie nichts. „Die GDL ist nicht verantwortlich für das Missmanagement und den Sparkurs für einen erzwungenen Börsengang“, sagt Weselsky.

Das Ziel der Lokführer ist ein Flächentarifvertrag, bei dem für Personen- und Güterverkehr gleiche Arbeitsbedingungen und Löhne gelten. Auch soll es eine Jobgarantie für die Lokführer geben, wenn Streckenbetreiber wechseln. Als Zugeständnis an die Hauptstadtregion kündigte der Gewerkschaftschef an, dass die S-Bahn nicht an allen Streiktagen in die Arbeitskämpfe einbezogen werde.

Drei von vier Lokführern sind Mitglied der GDL, die Basis stützt die Taktik des Vorstands. „Gerade angesichts des Wettbewerbs im Nahverkehr ist der Streik gerechtfertigt“, sagte Frank Nachtigall, GDL-Bezirkschef für Berlin, Brandenburg und Sachsen. Ab 2017 müsse der S-Bahn-Verkehr ausgeschrieben werden, Direktvergaben seien einem Gerichtsurteil zufolge nicht mehr möglich. „Die Lokführer verlangen einen sicheren Arbeitsplatz, auch wenn ein anderer Betreiber den Auftrag erhält.“

Die Situation bei der S-Bahn ist den Lokführern bewusst. „Aber wir wollen unsere Ziele erreichen“, sagte Michael Bublies, der stellvertretende S-Bahn-Betriebsratsvorsitzende. Zudem seien die Lokführer angesichts der Krise überlastet. Das zeigte auch ein Vorfall am Mittwochabend am Bahnhof Südkreuz. „Gegen 19.40 Uhr blieb dort eine S 2 in Richtung Lichtenrade einfach stehen“, erzählt ein Fahrgast. Zehn Minuten sei nichts passiert, dann sei durchgesagt worden, dass die Bahn „ausgesetzt“ würde. Als die Fahrgäste den Lokführer fragten, was los sei, habe dieser geantwortet: „Meine Lenkzeit endet. Ich fahre schon seit zehn Stunden und irgendwann ist Schluss.“

„Weder Fahrgäste noch Mitarbeiter spielen bei der Bahn eine Rolle, nur die Gewinne zählen“, sagte ein anderer Lokführer. Allerdings plagten viele Kollegen Gewissensbisse gegenüber den Fahrgästen.

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