Taxi-Demo : Blockade gescheitert

Taxis wollten Straßen in Richtung Tegel lahmlegen. Doch die Polizei hielt den Flughafen für Passagiere offen.

Klaus Kurpjuweit
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Die befürchtete Blockade der Zu- und Abfahrt am Flughafen Tegel ist am Montag ausgeblieben. Der Versuch, den Verkehr vorübergehend lahmzulegen, wurde von der Polizei verhindert. Ankommende Fluggäste allerdings fanden meist kein Taxi. Hier wirkte die Aktion. Ihren Protest gegen die Gebührenpflicht in Tegel will ein Teil der Taxifahrer in den kommenden Wochen fortsetzten – auch mit unangekündigten Aktionen. Zum 1. Juli will die Flughafengesellschaft für abfahrende Taxis einen Zuschlag von 50 Cent erheben. Dieser Betrag wird auf den Fahrpreis draufgeschlagen.

Mit den Einnahmen will der Flughafen Mitarbeiter beschäftigen, die kontrollieren, ob die Fahrer die vorgegebenen Qualitätskriterien erfüllen – saubere Fahrzeuge, ordentliche Kleidung und die Akzeptanz von Kreditkarten beim Bezahlen. Englischkenntnisse werden nicht vorgeschrieben, sind aber erwünscht. Von Drittfirmen wollten sich viele Fahrer aber nicht überwachen lassen, sagte Andreas Gerhardt, der seit 35 Jahren Taxi fährt.

Auf dem Aufstellplatz blieben etwa ab 9 Uhr fast 500 Taxis stehen, meist freiwillig. Blockadefahrzeuge verhinderten vorsichtshalber aber auch die Ausfahrt. Mitarbeiter des Landesamtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO) notierten sich das Kennzeichen; die Fahrer müssen mit Sanktionen rechnen. Am Einsteigeplatz für die Fahrgäste fuhren so nur wenige Taxis vor; wer dort einen Fahrgast aufnahm, wurde von den streikenden Kollegen zwar meist ausgepfiffen oder beschimpft, blieb aber ansonsten unbehelligt.

Die meisten der angekommenen Passagiere, die kein Taxi fanden, nahmen es gelassen. Allerdings wurde viel telefoniert. Und ein italienischer Geschäftsmann zeigte, dass er Grundkenntnisse der deutschen Sprache hatte und das Wort „Sch…“ perfekt formulieren konnte.

Wer nach 9 Uhr keines der raren Taxis erwischte, musste auf die BVG ausweichen, die teilweise ihre Busse „nach Bedarf“ einsetzte. Waren sie voll, fuhren sie los, der Fahrplan spielte keine Rolle.

Der Versuch der protestierenden Taxifahrer, den gesamten Verkehr zum und vom Flughafen zu behindern, schlug dagegen fehl. Die Strategen hatten vor, die auf dem Aufstellplatz wartenden Autos auf den Flughafenstraßen mit geringer Geschwindigkeit hintereinander „kreisen“ zu lassen. Als die Polizei diese Taktik mitbekam, sperrte sie sofort die zuvor von den Taxifahrern blockierte Ausfahrt; die Mehrzahl musste nun unfreiwillig auf dem Platz bleiben, die Straßen blieben fast staufrei,

Allerdings galt der Stopp auch noch, als die meisten Fahrer zur Demonstration am Brandenburger Tor aufbrechen wollten. Hier verzögerte sich die Abfahrt, weil sich die Taxis nur nach und nach in den Verkehr einfädeln durften. Weil die meisten Fahrer dann gegen 11 Uhr sofort zur offiziellen Demonstration Richtung Brandenburger Tor fuhren, warteten auch nach dem Ende der Aktion angekommene Passagiere oft vergeblich auf ein Taxi. Erst nach Mittag hatte sich der Betrieb einigermaßen normalisiert.

Am Brandenburger Tor forderte die Organisation Taxi Deutschland, die Flughafengebühr nicht zu erheben. Der Senat will sie heute beschließen, zusammen mit einer allgemeinen Preiserhöhung fürs Taxifahren. Klaus Kurpjuweit

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